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Die erste europäische Lesben*konferenz: „Unser Arsch ist politisch!"

Vom 05. bis 08. Oktober fand in Wien die erste „European Lesbian* Konferenz“ statt, die der lesbischen Emanzipationsbewegung neue Impulse geben sollte. Ein Nachbericht

© European Lesbian* Conference

09.10.17 – „Unser Arsch ist politisch!“, verkündete die Aktivistin Happy Mwende Kinyili von Mama Cash (internationaler Fonds für Frauenprojekte) während der European Lesbian* Conference (EL*C) auf der Bühne. Recht hat sie. Zwei voll gepackte Tage mit Vorträgen, Workshops und jeder Menge spannender Themen zeigten die unterschiedlichsten Perspektiven von Lesben in ganz Europa. Insgesamt nahmen 500 Lesben aus 45 Ländern und 148 Städten teil.

Gesprochen wurde zum Beispiel über Gewalt in lesbischen Beziehungen, Online-Aktivismus, Sex und Coming-out am Arbeitsplatz. In der Diskussion mit dem Publikum wurden auch konkrete Vorschläge entwickelt: So solle die entstandene Vernetzung genutzt werden, um eine digitale Plattform zu schaffen. Der Ruf nach einem europäischen L-Netzwerk wurde laut. Evginia Giakoumopoulou, Beraterin in Europa für LGBT-Belange, sagte am Ende: „Ich hoffe, die EL*C hat Zukunft, denn das ist es, was wir brauchen, um etwas zu ändern.“

Konny Gerhardt, Gründerin von Lesben.org, fand die Konferenz großartig, kritisierte aber auch: „Es gab zu wenig breite Diskussionen, um das L-Sternchen und die Frage, wie es mit LGBTIQ weitergeht. Es geht doch einfach auch darum, wie Lesben sichtbar bleiben und nicht in den vielfältigen Bedürfnissen untergehen.“

Absolutes Highlight war der Lesbians* March am Samstag. Rund 500 Lesben zogen mit bunten Bannern und lauten Parolen durch die Gassen der Innenstadt hin zum Stephansplatz. Die Trommelgruppe sorgte für die Stimmung, Passantinnen und Passenten standen staunend am Weg, fotografierten und filmten. So etwas hat Wien noch nicht erlebt – lustige, laute, singende Lesben, die durch die Straßen ziehen und der Stadt entgegenbrüllen: „Lesben sind immer und überall“ oder „Sexismus, Rassismus, Krieg und Kapital bekämpfen Lesben international!“

Insgesamt legte die Konferenz einen wahrlich guten Grundstein für eine lesbische internationale Vernetzung und sorgte mit dem Lesbians* March zugleich für eine praktische Umsetzung lesbischer Sichtbarkeit. Da bleibt zu hoffen, dass die russische Aktivistin Recht behält, die bei der Abschlussdiskussion aus dem Publikum verkündete: „Ich bin mir sicher, in 40 Jahren erzähle ich jungen Lesben: ,Ich war schon 2017 in Wien bei der ersten EL*C dabei!“

Dana Müller

https://europeanlesbianconference.org/



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