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Debatte

Umgang mit rechter Hetze im Netz - Die wichtigsten Tipps!

Wie soll man rechten Hasskommentaren und verhetzenden Botschaften im Internet am besten begegnen? Lisa Gutsche von der Gruppe „Gegenargument“ gab uns einige hilfreiche Hinweise

12.11.17 – Diskriminierende oder verhetzende Posts in sozialen Netzwerken, in Online-Kommentaren und Foren: von Facebook-Vereinbarungen bis hin zu neuen Gesetzen werden momentan verschiedene Wege des Umgangs diskutiert.

Wie aber soll ich, als Einzelperson, reagieren, wenn mir beim Surfen im Netz hetzerische Botschaften begegnen? Lieber ignorieren - oder doch etwas entgegnen? Und welche Art der Einmischung bringt wirklich was? 

Die Gruppe „Gegenargument“ mit Sitz in Berlin führt seit 2008  Argumentationstrainings gegen Rechts durch. Wir haben Lisa Gutsche, eine der TrainerInnen der Gruppe, zu Tipps und Tricks im Umgang mit rechter Hetze im Internet befragt

Die Gruppe  „Gegenargument“ vertritt, in Bezug auf diskriminierende Hasskommentare im Netz, den Standpunkt: „Jede klare Reaktion ist besser als keine!“ Was meint ihr damit? Rechte, rassistische und menschenverachtende Positionen dürfen nicht unkommentiert bleiben, weil sie ohne Widerspruch Raum in der öffentlichen Diskussionen einnehmen und dadurch normalisiert werden. Online-Hasskommentare sind außerdem, durch ihre dauerhafte Veröffentlichung, immer wieder verletzend für die betroffenen Menschen. Dem gilt es, etwas entgegen zu setzen. Dies muss nicht zwangsläufig der Beginn einer Diskussion sein. In sozialen Netzwerken habe ich die Möglichkeit, Posts zu melden und löschen zu lassen, wenn diese andere Menschen verletzen, angreifen oder im schlimmsten Fall zu Straftaten aufrufen. Ich kann mich auch einfach durch kurze Statements positionieren, um eine andere Sichtweise klar zu machen. Oder ich kann Freund*innen darauf aufmerksam machen und sie bitten, mich zu unterstützen.

Was muss ich beachten, wenn ich im Netz argumentieren will? Online-Diskussionen laufen viel enthemmter ab als „offline“, weil der soziale Ausgleich fehlt – ich spreche nicht direkt mit einer Person, sondern poste Dinge, die für alle lesbar sind. Dabei ist auch die Grenze des Verletzens und Beleidigens schneller erreicht. Für uns bedeutet das: auf Selbstschutz achten! Wenn ich mich gegen rechte Positionen online stark mache, dann ist es relevant, beispielsweise die Privatsphäre-Einstellungen des sozialen Netzwerks zu kennen und meine eigenen Informationen zu schützen.

Ihr sagt auch, dass es in der Diskussion wichtig ist, eine Zielsetzung zu haben ... Ja, es ist gut, sich zu fragen: was möchte ich mit meiner Reaktion erreichen? Werden andere Menschen dadurch bestärkt, sich ebenfalls zu äußeren? Durch solche strategischen Überlegungen entwickle ich auch eine emotionale Distanz zu dem, was geschrieben wird.

Wo ist die Grenze – wann bringt es nichts mehr, zu diskutieren? Das lässt sich allgemein nicht sagen, jede Situation und jede Person ist unterschiedlich. Wenn keine Gesprächsbereitschaft des Gegenübers da ist, ist aber meist keine Diskussion möglich. Ähnliches gilt, wenn strafbare Inhalte geteilt werden, oder Menschen Mitglieder in extrem rechten Organisationen sind, da sie in diesen auch lernen, argumentativ gegen „demokratische GegnerInnen“ vorzugehen, bis hin zur Veröffentlichung persönlicher Daten. Auch die eigene emotionale Verfasstheit kann Grund sein, eine Diskussion abzubrechen. Wenn es zu viel wird, gilt: Bildschirmpausen einlegen und sich Unterstützung bei FreundInnen holen.

Aktuell werden seitens der extremen Rechten im Internet auch zunehmend LGBTI-feindliche Ressentiments geschürt. Welche Argumente sind hier hilfreich? LGBTIQ*s werden, laut einer Umfrage des Europarates, am häufigsten Ziel von Hasskommentaren online, nicht nur durch die extreme Rechte, sondern auch durch „normale“ UserInnen. Hier kann es hilfreich sein, Fakten zu erfragen oder selbst mit Fakten zu antworten („Welche Studie zitieren sie da zum Zusammenhang zwischen queeren Eltern und Kindeswohl? Ach, die gibt es gar nicht?“). Ein andere Möglichkeit ist es, Empathie einzufordern („Würden Sie sich ihre Liebe verbieten lassen?"). Wenn Menschen, die ich kenne, oder die mit Freund*innen von mir befreundet sind, solche Sachen teilen, kann es auch helfen, denen die Konsequenz des Geteilten vorzuhalten („Du möchtest also, dass Menschen wie mir und Freund Y ihre Grundrechte abgesprochen werden?“).

Einer eurer Tipps ist, sich gegen eine „Opferkonkurrenz“ zu stellen. Was heißt das? Das rechte Argumentationsmuster der Opferkonkurrenz sieht man beispielsweise in Bezug auf muslimisch geprägte Geflüchtete und MigrantInnen. Da wird dann argumentiert, dass diese Sexismus, Homo- und trans* Feindlichkeit importieren. Damit wird versucht, LGBTIQ*s zu spalten – und das meist von Personen, die davor nicht unbedingt für ihre progressiven Geschlechterpolitiken aufgefallen sind. Hier sollte diese Spaltung und Pauschalisierung ganz klar zurück gewiesen werden. Homo- und trans* Feindlichkeit ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, und auch muslimische Queers sind davon betroffen – dem gilt es, sich gemeinsam entgegen zu stellen und füreinander einzustehen.

Interview: FS

gegen-argument.de

 



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