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Wer ist Candy Crash? Die SIEGESSÄULE-Kolumnistin im Interview

Sie ist Deutschlands erfolgreichste Dragqueen auf YouTube. Unter anderem spricht sie dort über LGBT-Themen oder gibt Make-up-Tutorials. Hier spricht sie über sich

© Candy Crash

Keine Trennung von Boy und Girl Persona © Candy Crash

10.12.17 – Candy, du bist ja neue SIEGESSÄULE-Kolumnistin, und wir möchten, dass unsere LeserInnen dich noch besser kennenlernen. Was hast du bisher gemacht, besser gesagt: Woher könnte man dich kennen? Danke, Frank! Ich bin in der Vergangenheit mit dem „House of Presents“ aufgetreten und war dort über drei Jahre auch das Door Girl. In Berlin dürften mich viele durch diesen Job kennen. Relativ schnell habe ich auf den meisten nennenswerten Partys Berlins auftreten dürfen. Mit steigender Bekanntheit kamen auch immer größere Aufträge. So war ich im ersten Halbjahr 2017 in der Telekom-Werbung zu sehen, bin derzeit eines der Werbegesichter für das Europa Center, durfte schon Michalsky zur Drag schminken und war in diversen Musikvideos zu sehen. Seit Herbst 2016 ist mein YouTube Kanal „Süßigkeiten Unfall“ online, auf dem ich Beauty, Drag und LGBT-Themen miteinander kombiniere.

Auf jeden Fall sind deine YouTube-Videos überregional bekannt. Welche Themen sind dir am wichtigsten? Durch das Beauty-Thema ist es mir gelungen, schnell eine größere Reichweite aufzubauen. Der Großteil meiner Zuschauer sind heterosexuelle Teenager. Ich habe aber auch viele Jugendliche, die der queeren Szene angehören. Es ist mir sehr wichtig, diese Reichweite zu nutzen und über sexuelle Vielfalt und Gender Diversity aufzuklären. Auf YouTube habe ich zum Beispiel mit Barbie Breakout über HIV gesprochen, von einem der unzähligen homophob motivierten Übergriffen, die mir immer wieder widerfahren, berichtet und von meinem Coming-out erzählt. Mein Heteropublikum kommt so mit Themen in Berührung, denen sie sonst nicht ausgesetzt sind, und meine queeren Zuschauer sehen, dass sie mit diesen Themen nicht allein dastehen.

Man konnte dich außer im Internet auch auf der Bühne sehen, beispielsweise bei Madonnamania, wirst du das weiter verfolgen? Es ist eine Ehre, immer wieder auf so große Bühnen eingeladen zu werden. Momentan konzentriere ich mich jedoch sehr auf Social Media. YouTuber und Instagramer werden gerne belächelt, doch man glaubt nicht, wie viel Zeit und Arbeit wirklich in Videos und Fotos fließen. Ich mag diese Plattformen sehr, da ich dort ein wirklich breites Publikum erreichen kann. Performances kann ich mir für die Zukunft nur noch mit meinen Schwestern Absinthia und Bambi für besondere Veranstaltungen vorstellen.

Bist du aufgrund der SIEGESSÄULE-Kolumne in Berlin noch populärer geworden? Ich glaube ehrlich gesagt, dass ich dadurch eher noch unpopulärer geworden bin. :) Vor allem in der Schöneberger Szene scheint man kein Fan von mir zu sein, wie ich immer wieder mitbekomme. Mein äußerst sarkastischer Humor, auch außerhalb der Kolumne scheint nicht von vielen verstanden zu werden. Oftmals werde ich als als arrogant und bitchy abgestempelt. Das finde ich schade, da ich eigentlich eine ganz nette, positive Person bin.

Lohnt sich die ganze Arbeit, die du in deine Internet-Präsenz steckst – auch bei Instagram etc. – nicht nur Fame-Technisch, sondern auch finanziell? Ich komme gerade an einen Punkt, an dem es anfängt sich zu lohnen. In den letzten Monaten sind immer mehr Marken auf mich zugekommen, um mit mir zu arbeiten. Sei das für Kooperationen in meinen Videos oder für Events. 2018 werde ich komplett davon leben können.

Seit wann bist du als Dragqueen unterwegs und wie hat es dich nach Berlin verschlagen? Ich bin 2011 für mein Amerikanistik- und Skandinavistikstudium nach Berlin gekommen. Vorher habe ich einige Zeit in Kalifornien gelebt. Aufgewachsen bin ich im Süden Deutschlands. Mit Drag habe ich vor circa 4 Jahren begonnen. Ich liebe es, mich zu schminken und mit der Gender Identity zu spielen. Viele Queens trennen ihre Boy und Girl Persona streng. Bei mir sind die beiden inzwischen miteinander verschmolzen und ich trenne nicht mehr zwischen Boy und Girl me. Wenn ich im Alltag Teile aus der Frauenabteilung tragen möchte, mach ich das ganz einfach. Ich glaube, dass Berlin mir bei dieser persönlichen Entwicklung sehr geholfen hat.

Deine Texte in SIEGESSÄULE sind zum Teil umstritten, wie gehst du damit um? „Haters gonna hate“, sage ich immer. Mir war klar, dass der Wechsel von Jurassica, deren Kolumne schon fast ikonisch war, zu mir nicht leicht werden würde. Es hat mir anfangs ehrlich gesagt schon zugesetzt, zu lesen, wie Menschen, die mich nicht kennen, über mich urteilten und was für Worte dabei gewählt wurden. Ich schreibe über Leute aus der Szene und deren Events oder Aktionen und stelle diese zum Teil satirisch dar. Es ist ein großer Unterschied, ob man sagt „was XY gemacht hat ist kacke“, oder ob man sagt „XY ist kacke“. Aber am Ende ist mir klar, dass man mit solchen Trollen zu kämpfen hat, wenn man sich in der Öffentlichkeit bewegt.

Interview: Frank Hermann

Instagram: The CandyCrash
YouTube: Süßigkeiten Unfall

 

 



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