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Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt

Wohnen für alle!

Bei der Suche nach Wohnraum machen Menschen in Berlin leider immer wieder Diskriminierungserfahrungen. Wir sprachen mit einer neuen Fachstelle, die hier Hilfestellung anbietet

Remzi Uyguner (zuständig für den Bereich

14.12.17 – Seit Anfang Juli gibt es in Berlin die neue Fachstelle „fair mieten – fair wohnen“, die sich für eine Gleichbehandlung auf dem Berliner Wohnungsmarkt einsetzt. Wer bei der Vergabe oder Nutzung von Wohnraum Diskriminierungserfahrungen macht, kann hier Hilfe finden. Darüber hinaus will man VermieterInnen für das Thema sensibilisieren. Für die Zukunft sind auch stärkere Vernetzungen mit der LGBTI-Community geplant. Wir sprachen mit Dr. Christiane Droste, Remzi Uyguner und Alexander Thom vom Fachstellenteam

Aus welcher Motivation ist „fair mieten – fair wohnen“ entstanden?  Christiane Droste: Der Zugang zu Wohnraum ist die Grundlage für gesellschaftliche Teilhabe. Viele Anlaufstellen gegen Diskriminierung bieten zwar gute psychosoziale Beratungen an, doch oft fehlt das Thema Mietrecht im Zusammenhang mit dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG). Wir können diese Lücke schließen. Alexander Thom: Je höher der Druck auf dem Wohnungsmarkt ist, desto wahrscheinlicher ist Diskriminierung: Der Vermieter sucht anders und schneller aus. Das grundlegende Problem ist bezahlbarer Wohnraum – das Thema, das uns alle bewegt.

Was sind Eure Ziele und Arbeitsweisen?  CD: Wir möchten die Kultur des Vermietens verändern. Deswegen organisieren wir Fachveranstaltungen und bieten Weiterbildungen an. Wir suchen den Dialog mit Wohnungsunternehmen, Institutionen, Beratungsstellen oder selbst organisierten Initiativen, um unsere Handlungsmöglichkeiten zu vergrößern. Remzi Uyguner: Wir beraten, verfassen Beschwerdebriefe oder begleiten Ratsuchende zu Gesprächen mit Vermietern. Dabei nehmen wir die Betroffenenperspektive ein. Die Fälle verwerten wir strategisch und politisch weiter, zum Beispiel um Präzedenzfälle zu schaffen. AT: Die Fälle dokumentieren wir außerdem, um eine Datengrundlage zu haben, und erforschen in Testings und Studien, wie Diskriminierung im größeren Kontext funktioniert.

Herr Uyguner, Sie sind zuständig für den Bereich Beratung und Begleitung. Wie werden Betroffene unterstützt?  RU: Im persönlichen Gespräch ordnen wir zunächst die Situation ein: Wird jemand aufgrund des Geschlechts, Alters, der Herkunft, Hautfarbe, Religion, sexuellen Orientierung oder einer Behinderung benachteiligt? Wenn dem so ist und Beweise vorliegen, können juristische Wege eingeleitet werden, um zum Beispiel einen Schadensersatz zu erreichen. Ich muss aber klarstellen, dass man sich durch diese Mittel nicht in eine Wohnung einklagen kann. Handelt es sich um einen Fall, den das AGG nicht abdeckt, wenn zum Beispiel aufgrund des sozialen Status Benachteiligungen stattfinden, können wir eine Entschuldigung vom Vermieter einfordern und bei Nachbarschaftskonflikten oder Mobbing die Hausverwaltung dazu auffordern, sich zu positionieren. Hier haben wir die Möglichkeit, eine Änderung der Hausordnung vorzuschlagen, in der dann steht, dass Diskriminierung nicht toleriert wird.

Welche Benachteiligungen erfahren LGBTI-Personen auf dem Wohnungsmarkt?  CD: Alle Beratungsstellen, mit denen wir gesprochen haben, bestätigten uns, dass Diskriminierung von queeren Menschen auf dem Wohnungsmarkt stattfindet. Allerdings können wir keine konkreten Fälle nennen und haben keine belastbaren Zahlen. Wir sind im antirassistischen Bereich bekannter und bauen zurzeit unsere Vernetzung in der LGBTI-Community aus.

Wie möchten Sie sich als Fachstelle für die queere Community engagieren?  CD: Wir werden die Zusammenarbeit mit queeren NGOs und Beratungsstellen verstärken. Es geht uns nicht nur um Wohnungssuche und Nachbarschaftskonflikte, sondern um viele andere Facetten des Wohnens, zum Beispiel darum, wie Wohnungen beworben werden. Auf den Werbefotos sind selten schwule und lesbische Paare oder Regenbogenfamilien zu sehen. Initiativen für obdachlose Frauen berücksichtigen oft Lesben und trans Frauen nicht – auch das zum Thema zu machen wäre mir ein Anliegen. Das queere Flüchtlingsheim oder queere Wohnprojekte, vor allem für SeniorInnen, finden wir sehr unterstützenswert. Perspektivisch möchten wir uns auch in diesen Bereichen bemerkbar machen.

Interview: Paula Balov

Berliner Fachstelle gegen Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt, Geusenstr. 2, 10317 Berlin,
fairmieten-fairwohnen.de



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