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Szene

Was macht eigentlich Nasser?

Nachdem Anfang letzten Jahres ein Theaterstück über sein Leben Premiere feierte, ist es um den Berliner LGBTI-Aktivisten Nasser El-Ahmed ruhiger geworden. Wir trafen ihn zum Gespräch

Nasser El-Ahmad (21) lebt in Berlin

24.01.18 – Beginnend mit einer Demo in 2014, trat LGBTI-Aktivist Nasser immer wieder mit Aktionen und in diversen Medien in Erscheinung. Auch außerhalb der Szene wurde seine Geschichte bekannt: Von seiner Familie sollte er zwangsverheiratet werden, nachdem er sich vor ihnen als schwul geoutet hatte. Später kam es zu einer Entführung – Nasser sollte in den Libanon verschleppt und dort umgebracht werden. Er entkam und zeigte, zurück in Berlin, seinen Vater an. SIEGESSÄULE.de befragte ihn dazu im Interview. Der Prozess endete mit einer Geldstrafe. 2015 erhielt Nasser den „Respektpreis“ des Bündnisses gegen Homophobie. 2017 wurde sein Leben zum Vorbild für ein Stück des Grips Theaters: „Nasser #7Leben“, das ab März wieder im Grips Podewil zu sehen ist. Um Nasser selbst ist es etwas stiller geworden. Wir trafen ihn zum Interview und fragten, was ihn jetzt bewegt und was er weiter vorhat

Nasser, womit beschäftigst du dich gerade hauptsächlich? Ich bin jetzt im dritten Lehrjahr meiner Ausbildung zum Hotelfachmann. Nächstes Jahr will ich mein Abi nachholen, weil ich gerne Lehramt studieren will.

Wie findest du das Theaterstück über dein Schicksal?
Unglaublich. Meinen größten Respekt für die Autorin und die Regie! Ich sehe mich nicht selber in der Figur des Nasser – klar ist das mein Leben –, aber ich betrachte den jugendlichen Mann immer aus Sicht des Publikums.

Was hat das mit dir gemacht, deine Geschichte auf der Bühne nachgespielt zu sehen? Es war sehr emotional. Ich musste, ganz am Anfang, vor der Premiere, ganz ehrlich mit den Tränen kämpfen. Irgendwann, als ich das Stück das zweite oder dritte Mal gesehen hatte, wusste ich, dass das eine Vergangenheit ist, mit der ich schon längst abgeschlossen habe.

Wie bist du mit dem Medienrummel um deine Person umgegangen? Als ich 2014/2015 die ersten Demos gegen Homophobie organisiert habe, ging der Rummel los. Als dann der Prozess gegen meine Familie lief, haben sich die Medien draufgestürzt. Nach der großen Demo in Neukölln, die ja absichtlich an dem Haus, in dem meine Familie wohnt, vorbeiführte, habe ich dann versucht mich zurückzuhalten. Und mir wieder so ein bisschen Privatsphäre aufzubauen. Es gab dann viele Anfragen, für einen Film, für ein Buch, und ich wurde eben auch gefragt, ob ein Theaterstück über mich gemacht werden kann.

Hast du als LGBTI-Aktivist Pläne für die Zukunft?
Eine Aktion, die ich vielleicht 2020 machen will, ist eine Veranstaltung, ein Straßenfest oder eine Demo zum Thema Religionen und LGBT*IQ. Die soll dann jährlich stattfinden. In Neukölln oder Friedrichshain/Kreuzberg.

Rassismus und queere Community – ist das ein Thema für dich? Auf jeden Fall. Ich merke, dass ich manchmal von queeren Leuten für einen „Flüchtling“ gehalten werde. Wegen meiner Hautfarbe vielleicht. Das kommt aber in einem halben Jahr nur etwa zweimal vor, wenn jemand meinen Hintergrund nicht kennt. Dann ist das aber ein sehr komisches Gefühl.

Interview: Milan Ziebula



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