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Mahide Lein im Interview

Bemalte Mösen und Frauenpower: Läsbisch TV im Schwulen Museum*

Anlässlich des Frauenjahrs werden im Schwulen Museum* alle Folgen von Läsbisch TV gezeigt. Mahide Lein war maßgeblich am weltweit ersten Lesben-TV-Format beteiligt und erzählt, wie's war

© LÄSBISCH TV / Schwules Museum Berlin*

Die Moderatorinnen Mahide Lein und Heidi_Kull © LÄSBISCH TV / Schwules Museum Berlin*

14.02.18 – Zwei Jahre lang lief LÄSBISCH-TV auf dem ehemaligen Berliner Kabelsender FAB, bevor die Programmmacher die Lesbensendung, gleichzeitig mit dem schwulen Magazin „andersrum“, wieder aus der Glotze verbannten. Die lesbische Aktivistin und Mitbegründerin des TV-Magazins, Mahide Lein, rettete damals die Masterbänder der 27 Sendungen. Dank der Magnus-Hirschfeld-Stiftung wurden nun alle Folgen von LÄSBISCH-TV  digitalisiert und katalogisiert. Vom 15.02. bis 16.03. erleben sie ihr Comeback im Schwulen Museum*

Mahide, du hast 1991 das erste lesbische TV-Magazin der Welt mit ins Leben gerufen. Wie kam das? Unser Slogan war: Das erste lesbische Fernsehmagazin auf diesem Planeten! Erst gab es das schwule Magazin „andersrum“, das zweiwöchentlich gesendet wurde. Dann fragte Rosa von Praunheim, ob ich Lust hätte, so etwas auch für Lesben zu organisieren. Das sollte abwechselnd mit dem schwulen Magazin laufen. Es fand sich ein Startteam, unter anderem mit Ira Kormannshaus, Sharron Sawyer und Susu Grunenberg. Und wir haben alle möglichen Frauen aus der Filmbranche eingeladen, mitzumachen. Insgesamt waren über die zwei Jahre 133 Frauen dabei.

Vermutlich gab es kein Geld für die Sendungen? Nicht für die tägliche Arbeit, die war ehrenamtlich. Aber das Goldrausch hat uns eine S-VHS-Kamera gespendet. Und wenn wir zu queeren Filmfestivals ins Ausland gefahren sind, wurden die Reisekosten von öffentlichen Mitteln, z. B. des Referats für gleichgeschlechtliche Lebensweisen, unterstützt. Am Ende jeder Sendung haben wir zwar auf unser Spendenkonto hingewiesen, aber da kam nur ganz wenig. Ich bin immer rumgelaufen und habe mühsam in der Szene gebettelt, um wenigstens die Kassettenkosten reinzubekommen.

Habt ihr euch als politisch verstanden? Auf jeden Fall! Als feministisch und politisch. Wir haben von feministischen Kongressen berichtet oder Themen wie HIV behandelt. Als es 1992 den rechtsradikalen Brandanschlag auf türkische Familien in Mölln gab, haben wir einen Beitrag dazu gemacht. Es gab aber auch Tipps, wo frau ausgehen konnte. Die Sendungen hatten keine inhaltlichen Schwerpunkte.

Es liefen viele Kurzfilme bei LÄSBISCH-TV ... Ja, das war geil. Es gab eine schöne Solidarität von Filmemacherinnen, die uns ihre Kurzfilme gaben, Nathalie Percillier und Susu Grunenberg zum Beispiel. Oder Gerda Grossmann, deren erotischen Film „Schöne Stunden“ wir zeigen durften. Da wird eine Möse mit Pinsel und Farbe bemalt. Wir haben aber auch viele Regisseurinnen zu Interviews eingeladen und dann Ausschnitte aus ihren Langfilmen gezeigt. Dabei habe ich mir große Mühe gegeben, dass auch die Schwarzen Frauen mit dabei sind und der Blick international ist.

Aber die Erotik stand im Gegensatz zum schwulen Magazin „andersrum“ bei euch nicht im Vordergrund? Sie kam schon vor. Dr. Laura Méritt von Sexclusivitäten hat immerhin mitgemacht, Guy St. Louis und andere – wie ich eben auch. Es gab also einige, die viel mit Erotik zu tun hatten. Aber dazu muss ich sagen: Die damalige Zeit ist ja von heute aus betrachtet unglaublich gewesen. Es gab in Berlin 44 Treffpunkte, die „Ladies Only“ waren. Wir hatten tagsüber Frauen-Buchläden, -Galerien und Lesben-Zentren oder Cafés und nachts jede Menge lesbische Subkultur zum Ausgehen. Wir konnten uns in einer ganzen Frauenwelt voller Power komplett entfalten. Und jetzt machten wir plötzlich Fernsehen für eine anonyme Masse da draußen. Da bekam ich schon Hemmungen. Denn wenn Hinz und Kunz jetzt in unsere Lesbenszene reingucken: Was zeigst du da, wie weit kannst du gehen? Wie sexy machst du eine Sendung? Wie weit darfst du auch das eigene Nest beschmutzen?

Hätte heute ein Experiment wie LÄSBISCH-TV eine Chance? Ich könnte mir das sehr gut vorstellen. Gerade weil in der queeren Bewegung die Lesben wieder mehr rauskommen. Nachdem ich mir alle 27 Sendungen jetzt öfters angeguckt habe, bekomme ich manchmal Lust, so etwas wieder zu machen. Deshalb freue ich mich auch so darauf, einen Best-off-Zusammenschnitt herzustellen und damit herumzutingeln.

Warum eigentlich LÄSBISCH mit Ä? In den ersten Sendungen wird der Titel noch mit „E“ geschrieben. Das fanden wir irgendwann doof und haben es auf „Ä“ umgetauft. Aber das Wort lesbisch ist sehr bewusst gewählt. Viele Lesben finden den Begriff ja scheiße und nennen sich lieber Tribaden oder schwul oder homosexuell. Und weil viele das Wort nicht mögen, wollten wir es extra betonen. Als Provokation.

Interview: Kittyhawk

Vom 15.02. bis 16.03. laufen im Rahmen der feministischen Filmreihe „12 Monde“ alle 27 Sendungen in der Filmlounge des Schwulen Museums*

Das Logo des weltweit ersten lesbischen TV-Magazins



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