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Unsichtbare Schwule und Sex mit Monstern: Richard Jenkins über „The Shape of Water“

Guillermo del Toro thematisiert in seinem großartigen Fantasymärchen „The Shape of Water – Das Flüstern des Wassers“ sowohl Rassismus als auch Homophobie. SIEGESSÄULE-Autor Lawrence Ferber sprach mit Schauspieler Richard Jenkins über die Homosexualität seiner Filmfigur

Sally Hawkins mit Creature © 20th Century Fox

19.02.18 – „The Shape of Water – Das Flüstern des Wassers“, der neue Film des mexikanischen Regisseurs Guillermo del Toro („Pans Labyrinth“), erzählt von der stummen Elisa (Sally Hawkins), die in einem Hochsicherheitslabor als Putzfrau arbeitet. Sie entdeckt eine monströse amphibische Kreatur, die dort gefangen gehalten und gequält wird. Sie verliebt sich in das Wesen und kommt ihm auch körperlich näher. Mithilfe ihres schwulen Freundes Giles (Richard Jenkins) und ihrer Kollegin Zelda (Octavia Spencer) verhilft sie ihm zur Flucht. Doch das Militär und der Sicherheitschef des Labors sind ihnen auf den Fersen …
Del Toro hat ein großartiges Fantasymärchen über Außenseiter inszeniert, das sowohl Rassismus und Homophobie als auch Liebe, Sexualität und Erotik von Wesen, die von der Gesellschaft als Monster markiert werden, thematisiert. SIEGESSÄULE-Autor Lawrence Ferber sprach mit Schauspieler Richard Jenkins über die Homosexualität seiner Filmfigur

Mr. Jenkins, in „The Shape of Water“ spielen Sie einen schwulen Mann. Inwieweit ist die sexuelle Identität der Figur für den Film wichtig?
Der Film spielt 1962. Elisa ist stumm, Giles ein älterer, schwuler Mann und Zelda eine Schwarze Frau. Die Hauptfiguren des Films sind Menschen, über die damals nicht gesprochen wurde. Sie waren vollkommen unsichtbar. 1962 war eine fantastische Zeit für weiße, heterosexuelle Männer. Wer nicht dazugehörte, hatte es ziemlich schwer. Ich denke, genau das wollte Guillermo zeigen. Nachdem die Kreatur aus dem Labor geflohen ist, verhört der Sicherheitschef Zelda und Elisa. Dabei wirft er sich selbst vor, seine Zeit zu vergeuden, weil er sich dazu herablässt, mit diesen Leuten zu sprechen, die für ihn nur die Scheiße wegwischen. Er kann sich nicht vorstellen, dass sie irgendetwas mit der Flucht zu tun haben könnten. Für ihn sind sie vollkommen bedeutungslos, als wären sie gar nicht existent.

In einer Schlüsselszene flirtet Giles mit einem jungen gut aussehenden Kellner. Wie war es, diese Szene zu spielen?
Es war eine der ersten Szenen, die wir aufgenommen haben. Wahrscheinlich schon am zweiten Drehtag. Es war spannend für mich, das zu spielen. Wie gesagt, 1962 war eine harte Zeit für Schwule und ein Flirt zwischen Männern ausgesprochen schwierig: Auf der einen Seite ist da die Angst, „enttarnt“ zu werden, auf der anderen Seite geht es darum herauszufinden, wie weit du gehen kannst, um deinem Gegenüber einen Hinweis zu geben, dass du interessiert bist. Wobei es Spaß machte vorzutäuschen, dass die Kuchen, die der Kellner servierte, vorzüglich seien. Dabei schmeckten die schlimm nach Füßen.

Vorbild für die Filmfigur war Howard London. Ein schwuler Mann, den Sie sehr gut kannten. Können Sie etwas über ihn erzählen? Er war Schauspieler und hat sich immer um andere Menschen gekümmert. Er hatte keine Angst, offen schwul zu sein zu einer Zeit, als das noch deutlich gefährlicher war. Ich denke immer an seine Großzügigkeit, Rücksichtnahme. Nie vergaß er die Geburtstage oder wichtigen Tage unserer Kinder. Er lebte allein, hatte viele Freunde, die er verwöhnte, und er war ein unglaublich schöner Mann. Wie Giles liebte er Filmmusicals. Als er in den frühen 2000er-Jahren starb, rief mich sein Expartner an und sagte, Howard habe gewollt, dass ich seine Plattensammlung bekomme. Viele Showtunes und Filmmusicals aus den 30er- bis 60er-Jahren. Meine Frau und ich kauften dann einen Plattenspieler. Jeden Abend spielen wir Howards Musik. Es ist ein unglaubliches Geschenk.

Wie war es mit Doug Jones, der die Kreatur spielt, zusammenzuarbeiten? Doug musste zwölf Stunden in diesem Anzug sitzen. Er war im Grunde lebendig in diesem Ding begraben. Wenn sie für den Dreh die künstlichen Augen in den Anzug legten, konnte er nicht einmal mehr etwas sehen. Er verbreitet aber einen wirklich tollen Spirit. Ich fragte ihn, wie lange er für die Maske braucht. Er sagte, es wären nur drei Stunden. Nur?? Ich dachte, er will mich veräppeln.

Haben Sie selbst schon Jobs angeboten bekommen, bei denen Sie so viel Make-up hätten tragen müssen? Ja, und ich habe sie alle abgelehnt. Ich frage immer, wie lange ich in der Maske sitze. Wenn jemand drei Stunden sagt, dann bin ich nicht verfügbar.            

Interview: Lawrence Ferber


Richard Jenkins © 20th Century Fox

The Shape of Water, USA 2017, Regie: Guillermo del Toro, mit
Doug Jones, Sally Hawkins, Richard Jenkins (Foto), Michael Shannon, Octavia Spencer, jetzt im Kino

 



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