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FILM

„Call Me by Your Name“ feiert die Liebe

Die überaus gelungene Verfilmung der Liebesgeschichte von Elio und Oliver – nach einem Roman von André Aciman – war ein Publikumsfavorit bei der Berlinale 2017. Am 1. März kommt sie ins Kino

Spannende Annäherung ... © 2017 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

28.02.18 – Die großartige Liebesgeschichte zwischen Elio und Oliver in „Call Me by Your Name“ war das Highlight der Berlinale 2017, auch wenn sie dort eher unter dem Radar lief. Mittlerweile ist um den oscarnominierten Film ein regelrechter Hype ausgebrochen

Die polyglotte Familie Perlman verbringt den Sommer in Italien. Man parliert in Englisch, Französisch, Italienisch und Deutsch. Das Bildungsbürgertum erholt sich im flirrenden Südwind. Der 17-jährige Elio (Timothée Chalamet) platzt beinah vor Tatendrang und Lebenslust. Wohin mit all der unkanalisierten Sexualität? Die erste Erfahrung mit einem Mädchen aus dem Dorf ist kurz und unbefriedigend. Da tritt der amerikanische Austauschgelehrte Oliver (Armie Hammer) auf den Plan, ein paar Jahre älter als Elio, blond, attraktiv und zunächst spröde, was den Jüngeren zunehmend herausfordert. Die Inszenierung ihrer Annäherung ist spannend, nimmt sich Zeit und lässt mitfiebern. Hammer gelingt es dabei vorzüglich, seine Rolle vom Pin-up zum Menschen aus Fleisch und Blut zu entwickeln und seinem amerikanischen Sonnyboy Gefühl und Tiefe zu verleihen.

Gern redet man bei Filmen vom „Herzstück“. Aber hier gibt es nicht die eine bestimmte Einstellung oder Szene, die herausstechen würde. Die dichte Atmosphäre, die der Regisseur kreiert, führt von Highlight zu Highlight. Sei es die Szene, wenn Elio an Olivers Wäsche schnüffelt, besinnungslos vor Verlangen ... Oder wenn aus lauter Geilheit ein Pfirsich zum Platzhalter für Oliver wird. Vom ersten Mal und all den anderen intimen Momenten zwischen den beiden ganz zu schweigen. Ergreifend ist die Szene, in der Elios Vater ihn ermutigt, zu seinem Verlangen zu stehen. Denn er hat es einst versäumt und trauert diesem ungelebten Moment in seinem Leben nach. Seinem Sohn macht er Mut, zu lieben, wie und wen er will ... Ein melancholischer, trauriger Moment, der doch viel Lebensklugheit offenbart.

„Call Me By Your Name“ ist ein Fest für Schöngeister. Verfilmte
Literatur nach dem Roman von André Aciman, die das Gefühl vermittelt, man hätte das Buch gelesen, während der Film abrollt. Sehnen, Bangen, Erfüllung, Verlust … Sehenswert dank der überzeu- genden Leistung von Armie Hammer, aber vor allem wegen der hinreißenden Performance des Jungstars Timothée Chalamet: Nicht nur dessen Changieren zwischen Hemmungslosigkeit, jugendlicher Unsicherheit und Trotz, wenn es mal nicht nach seinem Lockenkopf geht, seine Authentizität allgemein ist von ungeheurer Intensität. Ihm gehört dann auch das minutenlange Finale, wenn er in einer einzigen Einstellung den gesamten Sommer Revue passieren lässt. Die Palette, die er allein mit seinem Mienenspiel in allen erdenklichen emotionalen Färbungen auspinselt, ist das Resümee nicht nur der Handlung, sondern zeigt ein Spektrum von ersehnten, erlebten und verlorenen Träumen, Wünschen, Sehnsüchten. Der andere war ihm alles, ist fort, und doch wird der Junge ihn niemals in seinem Leben vergessen. Bei der letztjährigen Berlinale lief der Film in der Sektion Panorama. Warum die Teddy-Jury ihn ignorierte, ist rätselhaft.

Frank Hermann

Call Me by Your Name, I/F/USA/BR 2017, Regie: Luca
Guadagnino, mit Armie Hammer, Timothée Chalamet
ab 01.03. im Kino



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