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Türkei

In Ankara verbotene Ausstellung wird in Berlin gezeigt

In Ankara wurde die Ausstellung „Colony“ verboten. Jetzt ist sie in Berlin im Schwulen Museum* zu sehen. Wir sprachen mit den Kuratorinnen

Videoinstallation Raskol's Axe (2013), die im Rahmen der Ausstellung zu sehen ist © Coşkun Aşar

09.03.18 – Derya Bayraktaroğlu und Aylime Aslı Damir sind im Verein Kaos GL aus Ankara aktiv, der sich für die Rechte der türkischen Community einsetzt. Die wichtige LGBTI-Institution initierte auch die Gruppenausstellung „Colony“, die von Ende Dezember bis Anfang Februar in Istanbul zu sehen war - trotz der schwierigen politischen Lage. Auch eine Eröffnung in Ankara war geplant, doch Mitte November erließ der Gouverneur ein grundsätzliches Verbot von LGBTI-Veranstaltungen in der türkischen Hauptstadt.

Als Zeichen der Solidarität mit Kaos GL wird „Colony“ jetzt, vom 9. März bis zum 15. April, im Schwulen Museum* gezeigt. Im Mittelpunkt der künstlerischen Arbeiten steht die kritische Auseinandersetzung mit Vorstellungen von Weiblichkeit und Männlichkeit. Dies wird u. a. in Verbindung gebracht mit Diskussionen um Sprache und Gender. SIEGESSÄULE-Autor Milan Ziebula traf Derya und Aylime zum Gespräch

Derya und Aylime, welche Schwierigkeiten hattet ihr bei der Organisation der Ausstellung? Aylime: Die Ausstellung sollte in den Städten Ankara und Istanbul gezeigt werden. Im November 2017 wurde sie aber von den Regierenden in Ankara verboten. Es wurde dann eine Eröffnung in Istanbul geplant. Uns war bewusst, dass, wenn wir das dort als Kaos GL organisieren, wir eine Gefahrensituation herstellen. Also haben wir uns dazu entschlossen, die Ausstellung geheim zu halten. Sie fand dann in einem Gebäude im historischen Kern der Stadt statt. Es waren draußen keine Plakate zu sehen, die die Ausstellung ankündigten, und auch sonst wurde keine Werbung gemacht. Es gab nur Mund- zu Mund-Propaganda.

Was wird die ZuschauerInnen bei der Ausstellung in Berlin erwarten? Derya: 16 Aktivist*innen und Künstler*innen waren daran beteiligt. Es gibt Filme, Zines und Collagen, die eine Utopie formulieren, die weit über den menschlichen Körper hinausgeht. Als wir die Ausstellung in Istanbul gezeigt haben, hatten wir sogar Bakterien dabei. Bakterien sind sehr queer. Leider konnten wir sie wegen rechtlicher Bestimmungen nicht mit nach Berlin bringen.

Warum habt ihr als Titel „Colony“ gewählt? Derya: Normalerweise wird das Wort „Colony" in Kontexten wie der schwarzen Widerstandsbewegung verwendet. Wir wollen dieses Wort aufnehmen und für die queere Community benutzen. Es geht darum, ein Kollektiv zu sein.

Wie ist die aktuelle Situation der LGBTI-Community in der Türkei? Aylime: Seit 2008 sind die RechtspopulistInnen an der Regierung und gewinnen immer mehr an Macht. Seitdem wurde den LGBTI-AktivistInnen immer mehr Rechte weggenommen. Es ist schwerer, Lesungen, Konferenzen und Demonstrationen zu organisieren. Wenn jemand offen zeigt, dass er oder sie lesbisch oder schwul ist, kann das ok sein. Aber als AktivistIn hat man es schwer. Viele fürchten sich davor, auf eine Demonstration zu gehen, weil es in der Vergangenheit Bombenangriffe des IS gab. Die Menschen organisieren immer noch Treffen, Partys zum Beispiel – aber im Geheimen.

Milan Ziebula

Übersetzung vor Ort: Aykan Safo
ğlu

„Colony”-Kuratorin Aylime Aslı Demir © Juan Carlos Rosa

Ausstellung „Colony“, 09.03. – 15.04., Schwules Museum*



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