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Kommentar

Mehr Solidarität! Mehr Feminismus!

Zum Internationalen Frauentag am 8. März erklärt SIEGESSÄULE- und L-MAG-Verlegerin Gudrun Fertig, warum die #metoo-Debatte, Feminismus und die politischen Anliegen lesbischer Frauen uns alle angehen

Frauenkampftag in Berlin, 2017 © jackielynn

08.03.18 – Noch nicht mal Streit, sondern pure Interesselosigkeit kennzeichnen zu oft das LGBTI-Verhältnis. Lesbische und feministische Themen werden als vermeintlich überholte Partikularinteressen einfach überhört. Hier tickt die Szene nicht anders als die übrige Gesellschaft. Eine Frage, die abseits von Community-Kreisen oft zu hören ist: „Gibt es eigentlich genau so viele Lesben wie Schwule?” Aus irgendwelchen Gründen wird gemutmaßt, dass es sehr viel mehr Schwule als Lesben geben müsse. Eine ernsthaft gestellte Frage, die dennoch schmerzt.

Für diese Frage gibt es natürlich Gründe, geschenkt. Im Monat März besinnen wir uns auf ein paar grundlegende Fakten: Es gibt in etwa gleich viel Männer wie Frauen auf der Welt, in der Bundesrepublik sind es sogar etwas mehr Frauen als Männer. Vermutlich gibt es damit mehr Lesben als Schwule in Deutschland.

Unerhört, dass das noch niemand aufgefallen ist! Nein, im Ernst: Die Einteilung in Mann und Frau gehört immer noch zu DEN zentralen gesellschaftlichen Kategorien. Eine, die Wahrnehmung, Machtzugang, Relevanz und Verhalten immens beeinflusst. Eine, die auch unser aller Leben, als lesbisch, schwul oder trans*, bestimmt. Auch alle, die sich keinem Geschlecht zuordnen wollen, sind davon nicht frei, abgesehen davon, dass sie bisher keine strukturell relevante Menge darstellen. Eine Kategorie, die, wie auch die #metoo-Debatte zeigt, immer noch und sehr massiv Machtverhältnisse und Rollenverhalten zementiert. Und das obwohl Frauen, genau wie Lesben, wahrlich keine Minderheit im zahlenmäßigen Sinne sind.

Atemberaubend wie Zuschreibungen funktionieren. Wie man Geschlecht lernt, ob man will oder nicht. Die #metoo-Debatte ist ein kleiner Realitycheck für alle, die glauben, Feminismus brauche es nicht mehr, und sich weder für feministische noch für lesbische Fragen interessieren. Mann-Frau-Kategorien existieren nicht nur, sondern greifen viel nachhaltiger in das Leben von Menschen ein, als viele glauben. Wir alle sind in der ein oder anderen Weise davon betroffen. Nicht zuletzt, was uns als LGBTI zugestanden oder abverlangt wird, hängt damit zusammen.

Wir sehen anhand der #metoo-Debatte auch, wie Opferrollen erzeugt und wie sie akzeptiert werden. Wir lernen, dass Solidarität stärkt und dass es dennoch eigene Räume oder Hashtags braucht, um die darüber hinaus gehende Verständigung mit anderen zu ermöglichen. Strukturen sind offenbar unfassbar zählebig und schwer zu verändern, selbst wenn keine klassische „Minderheit“ einer Mehrheit gegenübersteht. #metoo geht uns alle an. #lesbische und #feministische Fragen gehen die ganze LGBTI-Community an. #internationaler Frauentag!

Gudrun Fertig

Gudrun Fertig ist Verlegerin und neben Manuela Kay Geschäftsführerin der Special Media SDL GmbH, in der unter anderem SIEGESSÄULE und L-MAG erscheinen.



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