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Musik

Tash Sultana: „Ich hatte schon immer das Gefühl, im falschen Körper zu sein“

Tash Sultana, queerer Shooting-Star aus Australien, ist nächste Woche für zwei Konzerte in Berlin. Im Interview spricht Tash offen über Identität, psychische Probleme und die Bezeichnung als nicht-binär

@ Dara Munnis

10.09.18 – Von Null auf Hundert, so in etwa könnte man Tash Sultanas Karriere beschreiben. Früher noch als StraßenmusikerIn unterwegs, wurde Tash, nachdem der Song „Jungle“ 2016 millionenfach auf Facebook geteilt wurde, weltberühmt.

Seitdem ist der australische Star non-stop auf Tour, die Konzerte sind stets ausverkauft. Nächste Woche stellt Tash das neue Album „Flow State“ in Berlin vor. Unser Schwesternmagazin L-MAG hat das Multi-Talent im Vorfeld interviewt

Tash, gerade kam dein neues Album „Flow State“ raus. In welcher Stimmung hast du die Platte aufgenommen? Ich wollte etwas Neues kreieren, eine Mischung aus psychedelischem Rock und instrumental. Ich mag sehr viele verschiedene Musikstile und passe nicht in ein bestimmtes Genre. Deshalb wollte ich etwas schaffen, das einfach anders ist.

Letztes Jahr musstest du einige Konzerte aufgrund von Erschöpfung und Depressionen absagen. In einem Instagram-Post dazu schreibst du: „Ich hatte Angst um mein Leben, weil meine Gedanken so düster wurden.“ Hilft dir deine Musik aus dieser Stimmung rauszukommen? Ja, ich habe ziemlich Glück, dass ich das für mich gefunden habe und mich in meine Musik hineinfallen lassen kann. Wenn ich mich nicht gut fühle, schreibe ich Musik, skate, surfe, fahre Fahrrad oder lerne verschiedene Instrumente. Ich brauche einfach positive Anreize.

Um auf das Thema psychische Gesundheit aufmerksam zu machen, bist du BotschafterIn von „beyondblue“, einer Organisation, die Menschen mit psychischen Problemen unterstützt. Warum ist dir das wichtig? Weil psychische Probleme etwas ganz Natürliches sind. Viele Menschen sind davon betroffen. Manche denken, es sei ein „kranker“ und unnormaler Teil ihres Lebens, aber das ist es nicht. Wir sind alle unterschiedlich, haben verschiedene Strukturen in unseren Körpern. Diese machen uns manchmal stark, schwach, wütend, traurig oder verrückt – und das ist alles total normal.

Auf Instagram bezeichnest du dich als nicht-binär. Was heißt das für dich? Seit ich denken kann, habe ich das Gefühl, im falschen Körper zu stecken. Meine Mutter meinte immer zu mir, ich solle aufhören Leuten zu sagen, dass ich ein Junge sei (lacht). Aber ich konnte einfach nicht verstehen, warum ich kein Junge war. Ehrlich gesagt verstehe ich es bis heute nicht. Mein Geist, meine Seele und jeder Teil meiner Persönlichkeit, alles was ich tue, ist nicht weiblich – sondern männlich. Viele Menschen teilen dieses Gefühl und ich wusste nicht, wie ich es anders ausdrücken soll. „Nicht-binär“ ist meine Art, das zu zeigen.

Du nennst dich also lieber nicht-binär statt trans, weil es nicht so eindeutig ist? Ich glaube, ich bin noch nicht an dem Punkt (einer körperlichen Transition, Anm. der Red.) angelangt. Als ich jünger war, habe ich es in Betracht gezogen. Ich denke auch heute noch darüber nach, und wenn ich mich immer noch so fühle, wenn ich 25 bin, dann werde ich es tun. Aber ich muss daran denken, dass es auch meine Art zu singen verändern würde.



Stimmt, deine Stimme würde sich verändern, wenn du Testosteron nehmen würdest. Ja. Gerade geht es mir gut, deswegen belasse ich es erstmal dabei. Und widme mich dem, wenn es soweit ist. 



Interview: Hannah Geiger

© Dara Munnis

Eine längere Version des Interviews mit Tash findet ihr in der aktuellen Ausgabe der L-MAG!


Tash Sultana
10.09., 20:00, Columbiahalle (bereits ausverkauft)
11.09., 20:00, Columbiahalle (bereits ausverkauft)



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