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Party

Room 4 Resistance aus politischen Gründen abgesagt

Das about blank hat sich dazu entschieden, die für Samstag geplante Party „Room 4 Resistance“ abzusagen, da sie den Veranstalter*innen „strukturellen Antisemitismus“ vorwerfen

© about blank

14.09.18 – Die „Room 4 Resistance“-Party am 15.09. im about blank wurde abgesagt. Der Club begründet seine Entscheidung damit, dass das Room 4 Resistance-Kollektiv Boykottaufrufe gegenüber Israel verbreite und unterstütze. Man wolle keine Plattform für „strukturellen Antisemitismus" bieten. Patsy l’Amour laLove sprach mit dem about blank über deren Entscheidung. SIEGESSÄULE bat auch die Organisator*innen der „Room 4 Resistance"-Party zum Interview. Da sie bereits in einem bei Facebook veröffentlichten Statement in englischer Sprache ihre Gründe dargelegt hätten, wollten sie sich nicht erneut dazu äußern. Dieses Statement haben wir dem Interview beigefügt

Gab es schon vor der aktuellen Diskussion Differenzen mit „Room 4 Resistance“? Uns und dem R4R-Kollektiv war immer bewusst, dass es zwischen uns nicht in allen Fragen Einigkeit gibt. Wir schätzen die Zusammenarbeit mit R4R und ihr Empowerment für queere, nicht-binäre, nicht-weiße Menschen sehr – das ist auch für uns seit Beginn ein wichtiges Anliegen. Wir haben im Austausch zugleich versucht deutlich zu machen, warum einseitige Statements über Israel für uns nicht tragbar sind. Daher waren wir bestürzt, dass das Kollektiv drei Tage vor der Party zum Boykott gegen Israel aufruft.

Kann man davon ausgehen, dass der ganze Club diese Distanzierung mitträgt? Das ://about blank war nie nur ein Club, sondern immer auch ein Ort für Debatten und unterschiedliche Positionen. Gleichzeitig wollen wir nicht hinter uns wichtige Grundsätze zurückfallen. Ganz sicher gibt es auch unter uns unterschiedliche Sichtweisen. Wir hoffen aber, einen konstruktiven Dialog darüber führen zu können.

Auf Facebook entspannt sich gerade eine große Debatte um die abgesagte Party. Unter anderem schrieb dort jemand in einem Kommentar, dass ihr R4R abgesagt hättet, weil ihr euch als Deutsche schuldig für den Holocaust fühlt ... Für uns kann es keine Normalisierung geben, die die nationalsozialistischen Judenvernichtung wegsortiert und einen Schlussstrich zieht – vor allem nicht vor dem Hintergrund der aktuellen autoritär-völkischen Formierung. Der Boykottaufruf stellt eine Dämonisierung Israels dar, die bei der Schuldfrage im Israel-Pälastina-Konflikt die Verantwortung palästinensischer Akteure ausblendet oder als Widerstand verherrlicht. Nicht die Solidarität mit Menschen in Gaza und der Westbank ist für uns das Problem, sondern die einseitige Schuldzuweisung an Israel und die Ausblendung des djhadistischen Antisemitismus der Hamas.

Viele Schwule, Lesben und Trans verbringen im blank ihre Wochenenden – fällt für sie jetzt eine queere Party weg? Das hoffen wir nicht, aber wir wissen auch nicht, wie sich die aktuelle Dynamik weiterentwickelt. Mit der R4R und der progressiven Clubkulturszene möchten wir trotz der auseinanderjagenden Statements und Shitstorms den Dialog aufrechterhalten.

Was plant ihr als Ersatz für Samstag? So traurig wir über die aktuellen Umstände sind, so wichtig ist es uns, nicht in Handlungsunfähigkeit zu verfallen. Deshalb möchten wir den Club zum gemeinsamen Feiern und politischer Verständigung offenhalten. Samstag werden wir das unter dem Titel „Shit Is Fucked!“ mit langjährigen Freund*innen und Residents tun.

Interview: Patsy l'Amour laLove


Statement des Room 4 Resistance-Kollektivs:

We, Room 4 Resistance, are here to bring politics back to the dancefloor, and we stand in solidarity with the Palestinians. In addition to being queer, femme and non-binary forward, trans-positive, and sex-positive, we are anti-racist, anti-fascist, anti-colonialist, anti-apartheid and therefore opposed to the violent oppression of the Palestinian people. Since they suffer this oppression at the hands of the state of Israel, we understand why Palestinian rights groups are calling for a peaceful protest and cultural boycott.

Room 4 Resistance is also opposed to ethno-nationalism. This ideology, which defines the nation in terms of ethnicity, is pervasive among extreme right-wing political groups, including neo-Nazis, the ‘alt-right’ movement, and many anti-immigrant parties in Europe such as the AfD (Alternativ für Deutschland). Considering Germany’s history (and present!) of ethno-nationalism, it is especially important for R4R to take a clear and consistent stance against this ideology, since we organise our events in Germany’s capital city, Berlin.

Some groups consider any criticism of the state of Israel to be tantamount to anti-semitism. This is a logical fallacy. Equating an ethnicity with the state — such that resisting the state is deemed to be racism — is itself ethno-nationalist logic. It is possible to be both anti-racist (and therefore, opposed to anti-semitism) AND critical of a state that targets an ethnicity for oppression. Considering that the state of Israel recently passed a “Jewish Nation-State Law”, it’s hard to imagine how one could be anti-ethnonationalist and *not* critical of the state of Israel’s policies.

We - Room 4 Resistance - refuse the ethnonationalist logic that confuses the state with its citizens. It is possible to oppose a state without persecuting its citizens. Room 4 Resistance welcomes all citizens of the world to our events, as long as they respect our safer space policy. Israeli citizens are just as welcome as Palestinians, Syrians, Tunisians, Somalis, Turks, Lebanese, and all the other immigrants and refugees who are at constant risk of violence in Europe.
Room 4 Resistance is here to bring politics back to the dancefloor, and we stand in solidarity with the Palestinians.

We extend our apologies to our partner for this event, Cómeme, and all of the artists affected. The queer, femme, non-binary, trans, and POC artists that we book are especially financially vulnerable, and the loss of a Saturday night booking is immense for them. It is frustrating that they must pay the price for this conflict.

To our beloved crowd of dancers and unicorns: we are so grateful for your support and so sorry that this has happened. You’ve supported us for almost four years now, and we’re overwhelmed with all the kind messages we’ve received. We’ll make this up to you somehow.

Please stay tuned for more news. All these dope DJs are in town, so they might as well play somewhere!



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