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HIV-Prävention

Zehn Jahre IWWIT: Deutliche Worte aus dem Sexleben

Die Präventionskampagne „Ich weiß was ich tu“ der Deutschen Aids-Hilfe feiert heute im SchwuZ ihr Zehnjähriges – und ringt mehr denn je damit, allen Facetten der Szene Raum zu geben

Foto: (v. l. n. r.) Karl-Heinz Bruns, Ronny Schmidt, Tim Schomann, Matti Seithe und Manuel Hofmann vom IWWIT-Team © Hassan

12.10.18 – Vor zehn Jahren war die Welt eine andere, eine einfachere, würden heute viele sagen. Als die Deutsche Aids-Hilfe am 13. Oktober 2008 in der Beletage von Clärchens Ballhaus in der Auguststraße den Start der Präventionskampagne „Ich weiß was ich tu“ (IWWIT) feierte, war das Hauptziel so klar definiert wie die Zielgruppe: schwule Männer dazu zu bringen, sich selbst und andere vor einer HIV-Infektion zu schützen. Und das ging nur mit Kondomen und regelmäßigen Tests.

Die Botschaft war nicht neu, dafür aber die Methode: IWWIT sprach die Sprache derer, die sich angesprochen fühlen sollten. Statt trockener Kondombedienungsanleitungen gab es deutliche Worte aus dem Sexleben echter Menschen. „Ich hab immer ein Gummi dabei. Meinen Schwanz vergess’ ich ja auch nicht!“ verkündete plötzlich etwa ein gewisser Fabian, 23, in schwarzem Tank Top von unzähligen Plakaten, Postkarten und Anzeigen. Andere redeten von Sperma, Lecken, Blasen, Ficken. An so viel Offenheit musste sich die Öffentlichkeit erst gewöhnen.

Heute kann man sagen: Das hat sie wohl. Wer in der Szene unterwegs ist, queere Magazine liest oder sich auf entsprechenden Websites rumtreibt, kennt die vielen Sprüche, die verschiedenen Gesichter, die markante Schrift, das fehlende Komma zwischen „weiß“ und „was“. IWWIT ist zur Instanz geworden. Aus dem Anfangsteam von drei Leuten sind sieben Hauptamtliche und zwei Minijobber geworden, dazu sind bundesweit 35 Ehrenamtliche unterwegs. „Es ging immer um mehr als um Präventionsbotschaften“, sagt Tim Schomann, der seit 2013 die Kampagne leitet. „Wir wollen schwules Leben sichtbar machen und für alle ansprechbar sein, die sich informieren und schützen möchten.“

Das wichtigste, aber auch schwierigste Wort dabei ist „alle“. Denn um die zu erreichen, musste und muss sich IWITT immer so verändern und anpassen, wie sich eben auch die ganze Szene verändert. Längst nicht jeder Mann, der Sex mit Männern hat, definiert sich heute als schwul; Chemsex und Drogen sind ein immer größeres Thema geworden; nach langem Zögern stellt IWWIT neben Kondomen heute auch Schutz durch Therapie und die PrEP als gleichwertige Schutzstrategien vor („Safer Sex 3.0“); und auch schwule trans Männer wollen gezielt angesprochen und abgebildet werden. „Wir hatten von verschiedenen trans Männern gehört, dass sie sich deutlicher in der Kampagne wiederfinden möchten“, sagt Schomann. „Das haben wir uns zu Herzen genommen.“

Trotzdem gibt es nach wie vor Kritik, dass die Kampagne die Diversität der Szene nur in Teilen abbilde – denn die große Mehrheit der vorgestellten Rollenmodelle besteht immer noch aus weißen cis Männern. Auch Schomann sieht das als Problem. „Wir haben zum Beispiel viel zu wenige sichtbare Menschen mit Migrationsvordergrund“, sagt er. „Wir behandeln die Themen, aber es ist schwer, aus allen Bereichen auch Leute zu finden, die mit ihrem Gesicht für die Kampagne stehen wollen.“

Wer sich nicht repräsentiert fühle, solle unbedingt das Team ansprechen, sagt Schomann. Beste Gelegenheit dazu bietet sich Freitag Abend, den 12. Oktober im SchwuZ, da gibt es die offizielle IWWIT-Geburtstagsparty. Ab 19:00 beglücken sich Verband, Ehrenamtliche und geladene Gäste mit entsprechenden Reden und Showprogramm, danach kann und soll im Rahmen der „Tasty“-Party die ganze Szene mitfeiern. Aber so richtig. Und irgendwann sieht dann auch die Welt von heute wieder ganz einfach aus.

Daniel Sander

10 Jahre IWWIT, 12.10., ab 23:00 offen für alle im Rahmen der SchwuZ-Party „Tasty“

iwwit.de



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