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Ausstellung

Nackt in Moskau

Die Fotoausstellung „Naked Moscow“ widmet sich der Frage, was es bedeutet, in Zeiten von Putins homophober Politik als Schwuler in Russland zu leben. Wir sprachen mit Künstler Fedya Ili

„Naked Moscow“ © Fedya Ili

11.01.19 – Heute eröffnet die Ausstellung „Naked Moscow“ des Fotokünstlers Fedya Ili in der Galerie „The Ballery“. Für seine Bilder haben schwule Männer nackt in der russischen Hauptstadt posiert und in Interviews von ihren Erfahrungen erzählt

Fedya, die politische Situation in Russland wird für LGBTI immer schwieriger. Was hat dich dazu motiviert, „Naked Moscow“ zu machen? Moskau ist meine Heimatstadt. Ich wollte dorthin zurück, um zu sehen, wie sich Moskau entwickelt, wie sich das schwule Leben verändert hat. 2013 hat die Regierung Putins ein Anti-Homosexuellengesetz erlassen, das „Propaganda für Homosexualität“ verbietet. Was in Russland passiert, kann als beispielhaft für die Entwicklung in vielen Ländern gelten. „Naked Moscow“ ist außerdem ein Teil meines größeren Projekts „Naked Cities“. Ich habe bereits Fotos in Berlin, Paris, Tel Aviv, St. Petersburg und Buenos Aires gemacht. Großstädte sind in der Regel sehr diverse und offene Orte. Die sozialen Verschiebungen, die hier passieren, haben später Einfluss auf das ganze Land. Insofern ist mein Projekt eine Studie über das Leben von LGBTI weltweit.

Welche Erfahrungen haben die Menschen gemacht, die du für das Projekt fotografiert hast? Zuallererst: Homophobie gibt es überall, und jeder wird irgendwann damit konfrontiert. Sie zeigt sich aber in verschiedenen Städten in unterschiedlichen Formen. In Moskau geht sie vor allem von der Regierung aus. Meiner Erfahrung nach lässt sich das aber nicht einfach auf die Gesellschaft dort übertragen – ein Großteil der Menschen fühlt sich der Regierungspolitik nicht verbunden.

Warum stellst du die Models nackt auf deinen Bildern dar? Nacktheit ist nicht gleichbedeutend mit Sex. Menschen nackt in einer Stadt darzustellen, hat für mich eine andere Aussage: Es bedeutet, dass dieser Ort mein Zuhause ist, und ich mich darin bewegen kann wie in meinem Zuhause. Entsprechend geht es bei „Naked Moscow“ auch gar nicht darum, einfach nur nackte Menschen in Moskau zu zeigen, sondern die Seele der Stadt einzufangen, die Stadt „auszuziehen“ – einen intimen Moment einzufangen, der dann entstehen kann, wenn man sich gut kennt und Vertrauen zueinander hat.

Was ist deine eigene Geschichte – wo lebst du und inwiefern bist du mit der LGBTI-Community verbunden? Ich bin in Russland geboren und aufgewachsen und habe mich mit 24 Jahren als schwul geoutet. Ich verließ Moskau vor 10 Jahren aufgrund der wirtschaftlichen Lage, dannach lebte ich in Paris, München, Kiew, Lissabon, Thailand und nun, seit 3 ​​Jahren, in Berlin. Ich fotografiere Menschen auf der ganzen Welt, spreche mit ihnen und höre von ihren  Träumen, glücklichen Momenten oder auch Kämpfen. Dies ist für mich eine erstaunliche Erfahrung: verschiedene Kulturen und Lebensstile in einer Art Erzählbuch zusammenzubringen, mit Geschichten aus dem wirklichen Leben darin.

Interview: fs

Naked Moscow – Fedya Ili
11.01.–13.02., The Ballery
Vernissage 11.01., 19:00

Foto aus der Ausstellung „Naked Moscow" © Fedya Ili



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