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Wie sexuelle Erfahrungen ausradiert werden: „Der verlorene Sohn“

Mit großer Starbesetzung (u. a. Nicole Kidman, Troye Sivan) nimmt sich „Der verlorene Sohn“ des Themas „Homoheilung“ an. Am 19.02. zeigen wir den Film exklusiv für SIEGESSÄULE-Leser*innen

© 2019 Universal Pictures International

05.02.19 – Für eine langsame Annäherung an sein Thema lässt sich „Der verlorene Sohn“ keine Zeit. Er wirft uns direkt ins Geschehen: Gleich in den ersten Filmminuten befinden wir uns mittendrin in einer Art Bootcamp für jugendliche Homosexuelle, die ihre „unheilige Orientierung“ hier loswerden sollen.

Dieses Vorgehen des Regisseurs Joel Edgerton, der selbst die Rolle des „Homo-Heilers“ Sykes spielt, ist geschickt und sorgt für Identifikation mit den Insassen dieser „Besserungsanstalt“, denn man wird als Zuschauer*in genauso unvorbereitet mit der Situation konfrontiert wie der 18-jährige Jared (vielversprechend: Lucas Hedges), der umgepolt werden soll.

Die Story folgt seinem Weg durch diverse Torturen. Er ist der Sohn eines strenggläubigen Ehepaars, der Vater Autohändler und Prediger (Russell Crowe), die Mutter (Nicole Kidman) Gattin und ... Gattin. Die Erziehung ist rigide: „Zeig Respekt vor deiner Mutter!“, vor dem Vater erst recht. Nach dem mehr oder weniger erpressten „Geständnis“ seines Schwulseins nach einer sexuellen Gewalterfahrung mit seinem Collegeschwarm Henry folgt die Entscheidung für seine Einweisung – unter Hinzuziehung weiterer Kirchenangehöriger.

Die Methoden im Lager von „Love in Action“, einer christlich-fundamentalistischen Organisation, beruhen auf Scham, ständigen Schuldzuweisungen und Demütigungen der jungen Leute. So sollen sexuelle Erfahrungen und selbst Gedanken ausradiert werden. Die Aufseher folgen den Kids auch beim Toilettenbesuch. „Das klingt nach Morsezeichen“, wird der verhaltene Harnstrahl kommentiert, „schickst du mir ‘ne Botschaft, Schwuchtel?“ Natürlich wird aus der Bibel zitiert und über allem thront ein strafender Gott.

Unter den anderen Jungs (u. a. Xavier Dolan und Troye Sivan) gibt es Mitläufertum und wenig Rebellion. Jared lässt sich zunächst widerwillig auf alles ein, bis er das Lügengebäude und die kriminellen Vorgehensweisen nicht mehr aushält und sich von seiner Mutter abholen lässt. Diese macht einen seltsam drastischen Sinneswandel durch und stellt urplötzlich das Wohlergehen ihres Sohnes über alles andere und riskiert sogar eine Ehekrise.

Als Zuschauer ist man erleichtert, dass Jareds Passion endet. Wunderschön zu sehen, wie er sich emanzipiert, und spannend, auf den Zeitpunkt seines Aufbegehrens zu warten. Die Story basiert auf wahren Begebenheiten, die in dem Buch „Boy Erased: Autobiografische Erzählung“ des Autors Garrard Conley geschildert werden. Er war selbst Opfer der Umpolungsversuche und lebt mit seinem Ehemann heute als Schriftsteller in New York. Der „Homo-Heiler“ Victor Sykes verließ „Love in Action“ und hat mittlerweile ebenfalls geheiratet – übrigens einen Mann.

Der Film mag eher für ein heterosexuelles Publikum als Augenöffner gemacht sein, er zeigt aber dem Homosexuellen, welche Welten jenseits von CSD und Schwulenclub existieren. Er ist ein wichtiger Beitrag zur Auseinandersetzung mit diesem leider immer noch so aktuellen Thema. Dabei zeichnet er sich durch seine packende Handlung und eine intensive, bedrückende Atmosphäre aus.

Derartige Einrichtungen gibt es in den USA bis heute, im Hintergrund stehen streng religiöse Organisationen bzw. Kirchen. US-Präsident Barack Obama hatte sich für ein Verbot der Konversionstherapie zumindest bei Jugendlichen eingesetzt. Doch die Konversions- oder Reparativtherapie wird erlaubterweise in mehr als 30 Bundesstaaten der USA bis heute durchgeführt. Das Europäische Parlament hatte im März 2018 mehrheitlich gefordert, derartige Methoden zur „Heilung“ von Homosexualität gesetzlich zu verbieten.

Frank Hermann

Der verlorene Sohn, USA 2018, Regie: Joel Edgerton,
mit Lucas Hedges, Nicole Kidman, Russell Crowe u. a.,
ab 21.02. im Kino

SIEGESSÄULE präsentiert
Preview: „Der verlorene Sohn“,
19.02., 20:00, Xenon
Exklusiv für SIEGESSÄULE-Leser*innen!

Wir verlosen 40 x 2 Freikarten!

Tickets gibt es ausschließlich über unsere Verlosung.
E-Mail an: preview@siegessaeule.de
Teilnahmeschluss: 13.02.



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