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Kommentar

Sorge um Brexit: Was bedeutet der EU-Austritt für britische LGBTI?

Der Brexit bedroht die Stabilität der LGBTI-Community in Großbritannien. Carrie Lyell, Chefredakteurin des britischen Lesbenmagazins Diva, kommentiert

Carrie Lyell, Chefredakteurin des Lesbenmagazins „Diva“ © Talie Eigeland

13.03.19 – Als 2016 eine Mehrheit der Briten für einen Austritt aus der EU stimmte, waren viele queere Menschen in Großbritannien verängstigt, verwirrt und überwältigt. Jetzt, da das offizielle Austrittsdatum – der 29. März – immer näher rückt, ohne dass ein Deal auf dem Tisch liegt, und unser Land gespaltener ist als je zuvor, hat sich an dieser Verunsicherung nichts geändert.

Viele hatten auf etwas mehr Klarheit darüber gehofft, wie eine Zukunft nach dem Brexit aussehen könne. Doch stattdessen gibt es viele unbeantwortete Fragen. Neben der Sorge um die Arbeitsplatzsicherheit, der Furcht vor einer potenziellen Nahrungsmittelknappheit und einer harten Grenze quer durch Irland sind einige queere Menschen vor allem tief besorgt darüber, was der Brexit für unsere Rechte und unsere Sicherheit bedeutet.

Natürlich haben nicht alle LGBTI bei dem Mitgliedschaftsreferendum gleich abgestimmt. Es gibt viele, die für einen Austritt aus der EU geworben haben, und auch einige queere Politiker*innen sind für den Brexit. Sie glauben, dass die Rechte und Freiheiten, die wir heute genießen, gesetzlich verankert und durch den Austritt nicht gefährdet seien.

Andere sind sich da nicht so sicher. Die Stimmung unter queeren Leuten ist vor allem von Angst geprägt. Ein Großteil der Community befürwortet die Kampagne „People's Vote“, die eine öffentliche Abstimmung über den endgültigen Brexit-Deal fordert... und das aus gutem Grund. Schließlich haben wir, als queere Menschen, von der Mitgliedschaft in der EU erheblich profitiert. Sie hat dazu beigetragen, dass die Gleichstellung gesetzlich durchgesetzt wurde – und es gibt keine Garantie dafür, dass dies von einer erzkonservativen Regierung nicht wieder rückgängig gemacht werden könnte.

Auch wird sich die Frage der EU-Finanzierung für LGBTI-Projekte stellen. Wir wissen zum Beispiel, dass queere Menschen stärker von Suchtproblematiken und psychischen Problemen betroffen sind. Was wird, ohne die finanzielle Unterstützung der Europäischen Kommission, aus all den Projekten, auf deren Arbeit wir uns verlassen?

 

Über diese Bedenken hinsichtlich der Gesetzgebung und der Finanzierung hinaus, fürchten viele queere Menschen schlichtweg auch um ihre körperliche Sicherheit. Wir leben in einem zunehmend feindseligeren Klima. Unmittelbar nach der Abstimmung im Juni 2016 stiegen die gemeldeten Hassverbrechen gegen LGBTI-Menschen stark an. Und die bittere Ironie ist, dass ohne den Zugang zu EU-Mitteln viele Organisationen, die sich für die Unterstützung der Opfer einsetzen, ihre Projekte wahrscheinlich werden kürzen müssen.


Ich weiß nicht, inwieweit der Brexit mich persönlich oder beruflich beeinflussen wird. Aber ich weiß, dass meine Freundschaften keine Grenzen haben. Die Leute, die ich liebe, sind französisch, schwedisch, polnisch, spanisch, norwegisch oder deutsch. Ich weiß auch, dass Diva nach wie vor ein europäisches, weltoffenes Magazin bleiben wird. Was auch immer nach dem 29. März passieren wird – ich werde mich als Chefredakteurin weiterhin für mehr Mitgefühl und Solidarität in Großbritannien, in Europa und weltweit einsetzen. Als Queers haben wir bereits größere Schlachten geführt als diese, und wir werden es wieder tun. Zusammen!

Carrie Lyell



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