Älterwerden mit HIV: Lebensqualität sichern, Wechselwirkungen im Blick behalten

Menschen mit HIV werden heute glücklicherweise immer älter – vor allem dank der Fortschritte in der HIV-Therapie. Moderne Therapien ermöglichen ein langes Leben mit hoher Lebensqualität. Studien zeigen, dass Menschen mit HIV in der Regel eine ähnliche Lebenserwartung erreichen können, wie Menschen ohne HIV.¹
Gerade, wenn im Laufe der Jahre weitere Erkrankungen und Medikamente dazukommen, ist es wichtig, diese gut aufeinander abzustimmen, um Wechselwirkungen zu vermeiden. Daher lohnt es sich auch, die eigene HIV-Therapie aktiv mitzudenken. Allerdings zeigt eine aktuelle europäische Befragung: Gespräche über eine mögliche Optimierung der HIV-Therapie finden nicht bei allen regelmäßig statt – und ein Teil der Befragten berichtet sogar, solche Gespräche noch nie geführt zu haben.²
Wenn mehrere Medikamente eine Rolle spielen: Wechselwirkungen beachten
Verschiedene Substanzen können sich gegenseitig beeinflussen – sie können sich in ihrer Wirkung verstärken, abschwächen oder sich in bestimmten Fällen aufheben. Hilfreich ist deshalb eine einfache Routine im Gespräch mit deinem/r Schwerpunktärzt*in:
- Alles nennen, was du einnimmst (auch frei verkäufliche Mittel, pflanzliche Präparate, Nahrungsergänzungsmittel).
- Nachfragen, wenn sich bei dir etwas verändert (z. B. neue Begleitmedikation, neue Beschwerden, neue Routinen im Alltag).
Moderne HIV-Therapien: hochwirksam und weiterentwickelt
Weil moderne Therapien sehr wirksam sind, wurde in den letzten Jahren auch an der Anzah der notwendigen Wirkstoffe in den HIV-Medikamenten gearbeitet. Weniger Wirkstoffe können das Potenzial für Wechselwirkungen mit anderen Substanzen verringern – besonders dann, wenn im Laufe der Jahre mehr Medikamente für weitere Erkrankungen dazukommen.
Hat man für die HIV-Therapie ab Mitte der 1990er-Jahre mindestens drei oder vier Wirkstoffe miteinander kombiniert, so empfehlen die aktuellen deutschen Leitlinien zur HIV-Therapie – an denen sich die Ärzt*innen bei der Auswahl der Medikamente orientieren – zudem auch moderne Kombinationen mit zwei Wirkstoffen.³
Gerade mit Blick aufs Älterwerden ist es daher hilfreich, die eigene Therapie einmal bewusst zu verstehen: Wie viele Wirkstoffe enthält sie und was bedeutet das im Zusammenspiel mit anderen Medikamenten?

Die eigene Lebensqualität stärken: Therapieoptionen aktiv ansprechen
Wenn sich Routinen verändern oder weitere Medikamente dazukommen, kann es sinnvoll sein, im Termin mit dem/r Ärzt*in auch über unterschiedliche Therapieoptionen und Darreichungsformen zu sprechen. Während einige mit einer täglichen Pille bestens klarkommen, kann für andere eine Therapie mit einer langwirksamen Spritze die bessere Lösung sein.
Dein nächster Schritt: 3 Fragen für das nächste Arztgespräch
- Wie viele Wirkstoffe enthält meine aktuelle Therapie?
- Was bedeutet das mit Blick auf das Älterwerden langfristig hinsichtlich möglicher Wechselwirkungen, wenn ich noch weitere Medikamente einnehmen muss?
- Welche Therapieoptionen kommen für mich infrage, wenn ich die HIV-Therapie noch besser in meinen Alltag integrieren möchte?
Nimm dir beim nächsten Termin bewusst Raum für diese Fragen und finde gemeinsam mit deinem/r Ärzt*in die Therapieoption, die am besten in deinen Alltag passt.
Weitere Informationen zum Leben mit HIV sowie persönliche Geschichten von HIV-positiven Menschen findest du unter www.livlife.de
Quellen:
1 Trickey et al., Lancet HIV 2017; 4: e349–356
2 Devonald M et al., 20th European AIDS Conference (EACS) 2025. Poster MeP09.5.LB.
3 Deutsch-Österreichische Leitlinien für Diagnostik und Therapie der HIV-Infektion, Version 10 vom 15.09.2025
NP-DE-HVU-ADVR-260006 – Feb 26
