Masters of the Universe
Wenn’s um LGBTIQ*-Superheld*innen geht, hatte Berlin schon immer die Nase vorn. Hier gab‘s 2016 im Schwulen Museum die deutschlandweit erste Ausstellung zu „SuperQueeroes“. Gezeigt wurde damals, wie vorsichtig Mainstream-Comicverlage damit umgehen, ihren kommerziellen Schwergewichten offen queere Storylines zuzugestehen. Wenn überhaupt, dann passiert das nur in Paralleluniversen – oder in Fanfiction.

Jetzt kehrt ausgerechnet einer der größten Gay-Camp-Helden der Popkultur zurück: Am 4. Juni startet „Masters of the Universe“ im Kino – mit Nicholas Galitzine als Prinz Adam aka He-Man. Jenem halbnackten Muskelkrieger also, der in der Verfilmung von 1987 mit Dolph Lundgren aussah wie ein direkt aus dem Falcon-Studios-Katalog entsprungener Pornogott – und damit für viele queere Fans zu einem frühen sexuellen Erweckungsmoment wurde.
Die neue Version stammt von Regisseur Travis Knight und bringt nicht nur ordentlich Nostalgiebonus mit, sondern auch bemerkenswert präzises Casting. Denn Galitzine hat sich längst als Gay Favorite etabliert: In „Red, White & Royal Blue“ spielte er den „gay as a Maypole“-Prinz Henry, in der Serie „Mary & George“ den Lover von König James I., und schon in „Handsome Devil“ verkörperte er 2016 einen jungen Rugby-Spieler, der ein spektakuläres Outing meistern muss. Kurz gesagt: Das Casting-Department wusste sehr genau, welche Fanbase hier abgeholt werden soll. Und das ist auch gut so. Der neu antrainierte Powerbody von Galitzine wird übrigens demnächst auch in Teil 2 von „Red, White & Royal Blue“ zu sehen sein. So dass man sich fragt, was wohl Alex Claremont-Diaz in der Hochzeitsnacht dazu sagen wird?

Interessanterweise war es bei He-Man nie nur der hypermaskuline Körper, der queere Identifikation ermöglichte. Es war gerade der Kontrast: diese absurde Mischung aus Barbarentorso und seltsamer Topschnitt-Frisur. Irgendwo zwischen Fantasy-Held und Drag-Queen. Dolph Lundgren trug die Frisur damals zwar anders als die originale Mattel-Actionfigur, und auch Galitzine verzichtet 2026 auf den ikonischen, Joan-Crawford-esken Kreuzritter-Bob in Weizenblond. Trotzdem blieb He-Man immer ein Held, der sich traute, „anders“ zu sein, ohne dass seine Männlichkeit darunter litt. Ein zentraler Topos der Gay Culture.
Und die neue Verfilmung weiß sehr genau, was sie tut. Im ersten Trailer sitzt Prinz Adam alias He-Man als Büroangestellter im Exil auf der Erde am Schreibtisch – inklusive Namensschild mit der Aufschrift „Pronomen: He/Him“. Konservative US-Kommentator*innen liefen daraufhin erwartbar Sturm. Doch genau solche Details zeigen, dass Regie und Drehbuch die aktuellen Debatten innerhalb der Community nicht nur kennen, sondern sie auch augenzwinkernd in den Film einbauen.
Wenn He-Man später sein XXL-Schwert gen Himmel reckt, um seinen Heimatplaneten Eternia zu retten, bewegt sich das Ganze ohnehin wieder gefährlich nah an Falcon-Studios-Ästhetik. Diesmal allerdings in State-of-the-Art-Optik statt unfreiwilligem 80er-Jahre-Trash. Und genau darin liegt der Spaß. Was die vielen ersten Reaktionen auf den Film belegen, die sich teils begeistert überschlagen.

Besonders spannend: Jared Leto übernimmt die Rolle des Bösewichts Skeletor. Derselbe Leto, der für seine Rolle als trans Frau in „Dallas Buyers Club“ einen Oscar gewann. Ebenfalls dabei sind Camila Mendes aus dem queeren Serienhit „Riverdale“ sowie Idris Elba. Und dann wäre da noch Fisto, gespielt von Jóhannes Haukur Jóhannesson. Ganz ehrlich: Wenn ein He-Man-Film einen Sidekick namens Fisto hat, wissen Queers, dass sie hier absolut richtig sind. Und die Action beginnen kann!
