Nightlife

Die Letzte ihrer Art: Die Serene Bar schließt

7. Dez. 2015
Serene-Betreiberin Mona © Tanja Schnitzler

Mit der Serene Bar macht Berlins letzte Lesbenbar dicht. Die große Abschlussparty ist für den 16.01. geplant

– Was wird über Berlin nicht überschwänglich schwadroniert, in welch internationaler Metropole wir hier angeblich leben: Sie ist die Homo-Hauptstadt, das Zentrum der Queer Community … Für viele mag das richtig sein, doch es gibt eine gar nicht mal so kleine, aber dafür offensichtlich sehr unscheinbare, geradezu unsichtbare Gruppe der LGBTI-Szene, die nach und nach verschwindet. Sie ist das „L“ der Megaabkürzung: die Lesbe.

Wir alle kennen die Mythen über die Goldenen Zwanzigerjahre in Berlin, mit Hunderten von Szenetreffpunkten, Dutzenden von Lesbenbars, Lesbenbällen, Lesbenvereinen, Zeitschriften und so weiter. Auch wenn diese Zeiten unwiederbringlich vorüber sind, so waren doch in den 1980er- und 90er-Jahren im Programmteil der SIEGESSÄULE viele dauerhafte Treffpunkte, Bars und Partys verzeichnet. Die Lesbenszene boomte, man traf sich, feierte, flirtete und zelebrierte sich ein bisschen selbst – wenn auch nie so extrovertiert wie der schwule Teil der Szene. Was gab es nicht alles für Etablissements: das legendäre Lipstick zum Beispiel, das noch legendärere Pour Elle, das Die 2, das Pelze, das Paramount, das Freizeitheim – um nur einige zu nennen.

Im Jahr 2015 hat Berlin noch genau einen Club zu verzeichnen, in dem Lesben regelmäßig tanzen gehen können: die Serene Bar. Und diese schließt zum Ende des Jahres! Wie kann das möglich sein, fragt sich die Großstadtlesbe? Fragen wir sie doch mal umgekehrt: Wann warst du das letzte Mal lesbisch aus und hast dein sauer verdientes Geld in die Szene getragen, damit diese weiterexistierten kann? „Das ist so eine Tragik, dass hier alles rausgerissen wird“, sagt Betreiberin Mona, die die ganz in Rot gehaltene Bar mit langem Tresen, Tanzfläche und vielen Winkeln und Ecken zum gemütlichen Abhängen vor 13 Jahren angemietet und eingerichtet hat. Von einer eher „normalen“ Bar wurde aus der Serene eine, die nur noch samstags, und dann für die Lesbenparty „Girl’s Dance“, geöffnet hatte. Und das seit über zehn Jahren. „Wir konnten uns halten, weil die Miete wirklich sehr moderat war“, erzählt Mona, doch nun wurde das Haus verkauft und die Bar wird zugunsten von edlem, überteuertem Wohnraum weggentrifiziert. Mona ist nicht nur traurig, sondern auch ohne Plan für ein Nachfolgeprojekt: „So ist das nicht mehr stemmbar“, erklärt sie. Zum Glück hat sie selbst noch andere berufliche Standbeine.

Doch was wird aus den Lesben? Sitzen die tatsächlich alle nur zu Hause, daten im Internet, heiraten das beste der Dates und gehen dann nicht mehr aus? Mona hat noch Hoffnung: „Das ist eine Generationssache, die Jüngeren sind eher mal in Partylaune und die geben auch mal Geld aus.“ Den Laden über all die Jahre am Leben zu halten sei, so Mona, „hart an der Grenze“ gewesen, denn auch Frauen, die normal bezahlte Jobs haben, hätten sich den ganzen Abend nur an einem Getränk festgehalten, schildert sie das Phänomen, das viele lesbische Gastwirtinnen ins Aus befördert hat.

Geiz, Desinteresse der Gäste und die Arroganz zu glauben, andere halten die Szene schon am Leben, während man selbst auf dem Sofa sitzen bleibt, haben ein Stück originäre Lesbenkultur ausgelöscht. Bars und Clubs waren sichtbarer Teil der Berliner Lesbenszene, eine Anlaufstelle für Coming-outlerinnen, Attraktion für Gäste von außerhalb und Wohnzimmer für Einheimische. Dieser Teil der Szene ist mit dem Schließen der letzten Lesbenbar endgültig zum Erliegen gekommen. Da fragt man sich doch: Wie lange wollt ihr eigentlich noch auf euren Sofas verrotten?

Manuela Kay

Girl's Dance immer samstags, 22:00
Girl's Dance Silvesterparty, 31.12., 22:00
Abschlussparty, 16.01., 22:00

Serene Bar