FASHION

Traumurlaub im Dschungelcamp

31. Jan. 2017
Rolf Scheider© Hubert Kudlinsk

Casting-Direktor Rolf Scheider plaudert über das Berliner Nachtleben, Reality-TV-Formate und die perfekten Modelmaße

Bekannt geworden ist Rolf Scheider als Jurymitglied bei „Germany’s next Topmodel“ und durch die Reality-Show „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!" alias "Das Dschungelcamp“. Rolf betreibt die Agentur Casting Company Berlin die mittlerweile auch Ableger in Paris und Barcelona hat. Wir haben ihn zum Interview während der Berlin Fashion Week gebeten.

Berlin ist eine Partymetropole und auch dich kann man immer wieder im Nachtleben antreffen, zum Beispiel auf den Partys von Nina Queer. Was reizt dich daran?
Ach so oft gehe ich eigentlich gar nicht aus. Ich bin ja auch immer auf vielen Presseevents, die zu meinem Job gehören, und arbeite ja im Prinzip sieben Tage die Woche 12 Stunden am Tag. Doch wenn ich dann mal privat unterwegs bin, genieße ich das sehr ausgiebig. Berlin ist kreativ, sexy und durchgeknallt und immer noch sehr billig für eine internationale Stadt. Außerdem liebe ich Drag queens und Berlin ist da sehr ausgeprägt. Nina sehe ich allerdings nicht in erster Linie als Transe, die große Partys schmeißt. Für mich ist sie ein guter Kumpel, und unsere Freundschaft hat sich über die letzten vier Jahre entwickelt. Wir haben den gleichen Humor, und sie hat eine mitreißende Energie, die mich sehr positiv inspiriert. Außerdem wohnen wir nicht weit voneinander entfernt und gehen manchmal zusammen schwimmen oder kochen gemeinsam.

Du bist viel in der Welt unterwegs und lebst teilweise in Paris. Ist Berlin für dich eine Modemetropole?
In Frankreich ist Mode einfach ein Kulturbestandteil. Deutschland ist leider noch kein Modeland. Denn für die Deutschen steht der praktische Aspekt an erster Stelle. Man kleidet sich hier selten, um sich selbst oder anderen zu gefallen. Außerdem gibt es hier kaum Förderungen in diesen Bereichen und Designer werden selten unterstützt. Berlin ist deshalb zwar gerne die deutsche Aushang-Modemetropole, aber im Grunde nicht internationaler Trendsetter.

Für die Berlin Fashion Week hast du mit deiner Casting Company auch wieder Models gecastet. Welche drei Eigenschaften muss ein gutes Model mitbringen?
Das richtige Alter. Bei Frauen ist das von 16 bis 25 und bei Männern 16 bis 30. Die richtigen Maße. Frauen sollten mindestens 1,78 m groß sein und eine Kleidergröße von 34 haben und Männer sollten mindestens 1,85 m mitbringen und in eine XS bis S passen. Das dritte ist der richtige Look. Entweder klassisch schön oder ausgefallen mit außergewöhnlicher Persönlichkeit.

Dein Lieblingsmodel?
Kate Moss. Eigentlich ist sie mit 1,68m viel zu klein aber mit ihrer starken Persönlichkeit zieht sie alle in ihren Bann. Trotz aller Skandale hält sie sich seit 20 Jahren oben. Egal ob sie Drogen nimmt oder sturzbesoffen auf Partys rumtorkelt. Es kann ein Shitstorm über sie hinwegziehen und sie schafft es immer wieder, wie Phönix aus der Asche empor zu steigen.

Du bist seit 40 Jahren in der Modebranche. Woran erinnerst du dich besonders gerne?
An die Zeit vor Internet und Handykameras. Damals war die Atmosphäre bei den großen Modenschauen noch ganz persönlich und man konnte die Models und Designer hautnah erleben. Ich habe unzählige von ihnen getroffen: Sonja Rykiel, Gianni Versace, Karl Lagerfeld, Yves Saint Laurent, Thierry Mugler, Claudia Schiffer, Nadja Auermann, Linda Evangelista, Naomi Campell, Gisele Bündchen. Für mich fühlte sich das auch immer wie eine große Familie an. Ich habe die Mädels nackt im Backstage rumspringen sehen, mit ihnen auf Partys gefeiert und bin mit Giseles Hündchen Gassi gegangen. Das war alles irgendwie magisch und das gibt es heute in der Form nicht mehr. Das ist sehr schade.

Du hast in einigen Fernsehformaten mitgemacht. Welches hat dich am nachhaltigsten beeinflusst?
„Germany's Next Topmodel“, „Let‘s Dance“ und „Dschungelcamp“. Mit Heidi habe ich das erste Mal zusammen vor der Kamera gestanden und bin sozusagen vor acht Jahren durch ein goldenes Tor in die Branche gekommen. Ich bin ihr unheimlich dankbar, weil mir dadurch unzählige Türen geöffnet wurden. Und mit ihr zusammenzuarbeiten war ein Traum. „Let's Dance“ war für mich superhart und körperlich anstrengend. Doch mit Motsi Mabuse zu tanzen war wirklich toll. Und das „Dschungelcamp“ war für mich fast wie ein Traumurlaub. Ich kam direkt aus einer einmonatigen Gesundheitskur aus Indien und war extremst relaxed zu diesem Zeitpunkt. Im Camp hatte ich nie, dass Gefühl, das sich verhungere und auch die widerlichen Essensprüfungen blieben mir erspart. Ich habe mich mit allen super verstanden und mich köstlich mit all den ekligen Tieren, die dort so rumkrochen amüsiert.

Werden wir dich in diesem Jahr wieder in einem TV-Format sehen?
Wer weiß?! Allerdings werde ich mich intensiv um meine Casting Company kümmern. Es gibt jetzt auch einen Agenturableger in Barcelona und ich besuche dort Sprachkurse und lerne Spanisch, damit ich im nächsten Winter, wenn es mir in Berlin zu kalt ist, dort Leben kann.

Interview: Kaey

www.castingcompany.com

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