Musik

Heavy Metal: The xx im Interview

23. Feb. 2017
The xx © Alaisdair McLellan

Am 25.02. tritt die Indiepopband The xx in der Arena auf. SIEGESSÄULE sprach mit Sänger Oliver über die neue Platte der Band und warum er es nicht mag, über seine Homosexualität zu reden

Die Karriere der Londoner Indiepop-Band The xx ist außergewöhnlich. Schon das Debütalbum wurde gefeiert und 2010 mit dem renommierten Mercury Prize ausgezeichnet. Der Nachfolger „Coexist“ ging durch die Decke und landete weltweit in den Top 5 der Albumcharts. Nach einer längeren Pause meldet sich das Trio nun mit „I See You“ zurück. Wir sprachen mit Sänger Oliver Sim

Oliver, das neue The-xx-Album ist an vielen verschiedenen Orten entstanden: Island, New York, L.A., Texas. Ihr wart ganz schön unterwegs. Ja. Viele fragten uns, warum eigentlich? Ich denke, der Hauptgrund ist schlicht: Weil wir es konnten. Und wir haben aus den Erfahrungen mit unserem letzten Album „Coexist“ gelernt. Ich meine, ich bin stolz auf die Platte, aber ich will mir so was wie diesen Aufnahmeprozess nicht noch mal geben. Wir waren ziemlich isoliert. Durch unser Debüt hatten wir bereits ein Publikum, und unsere Reaktion darauf war, uns nach innen zu wenden und total zurückzuziehen. Wir waren während der Aufnahmen quasi die ganze Zeit allein in einem Zimmer. Erst ganz am Schluss haben wir andere Leute dazugeholt. Ich glaube, dadurch haben wir den Durchblick verloren hier und da. Es fühlte sich jedenfalls klaustrophobisch an. Seitdem haben wir aber eine Menge gelernt, sind selbstbewusster geworden und nicht mehr so sensibel, wenn es um unsere Musik geht. Dadurch hat die Arbeit an der neuen Platte echt viel mehr Spaß gemacht.

Das hört man „I See You“ auch an. Das Album ist sehr bunt geworden: Piano, Keyboards, Streicher. Es passiert eine ganze Menge und jeder Song ist anders. Deshalb war es auch spannend, die erste Single auszuwählen. Meiner Meinung nach gibt es keinen Song, der die Platte zusammenfassen kann. Sie ist wirklich ein bisschen eklektisch geworden. (lacht)

Das Titelstück scheint eine Art Liebesbrief an euch selbst als Trio. Kann man das so sagen? Ja. Uns wurde klar, dass wir schon ein wenig an unserer Beziehung zueinander arbeiten müssen.

Warum? Ist sie abgekühlt? Nein! Sie ist überhaupt nicht abgekühlt. Ich denke aber, dass Beziehungen grundsätzlich auch Arbeit bedeuten. Manchmal gehen wir davon aus, dass wir uns ohne Worte verstehen müssten, dass die anderen doch spüren müssten, wie es einem jeweils geht. „I See You“ beschreibt unseren gegenwärtigen Zustand. Uns geht es gut, und wir haben uns vorgenommen, ein bisschen sichtbarer, ein bisschen zugänglicher und offener zu sein. Der Song ist quasi eine Message an uns selbst: „Vielleicht sehe ich deine Verletzlichkeit, deine Unsicherheit. Es ist okay.“

Wie kommt es eigentlich, dass ihr nie über eure sexuelle Identität sprecht, die ja ganz offensichtlich homosexuell ist ... Vielleicht gerade weil es so offensichtlich ist – zumindest für uns selbst. Und natürlich weil unsere Homosexualität nichts mit unserer Musik zu tun hat. Wir machen keine Homo-Musik, ich könnte noch nicht mal sagen, was das überhaupt sein, wie das klingen soll. So als ob es ein bestimmter Stil wäre, ein Genre mit bestimmten Merkmalen ...

Und was ist mit Bronski Beat? (lacht) Gut, die sind schon ziemlich unverkennbar. Aber davon mal abgesehen: Wie klingen homosexuelle Bands? Gibt es etwas, das alle diese Gruppen gemeinsam haben, eine Art Markenzeichen? Ich glaube kaum. Und wo wir schon dabei sind: Spielt es eine Rolle? Ich bin mir sicher, wir würden die gleiche Musik machen, wenn wir Heteros wären. Oder vielleicht würden wir dann auch Heavy Metal machen. Keine Ahnung. Ist eh wurscht, weil wir ohnehin keiner Szene angehören. Wir wollen uns da vor keinen Karren spannen lassen, für uns ist das kein Thema. Wir sind einfach, wer wir sind.

Ich hab gehört, dass Romy und du früher Coverversionen von Wham!-Songs und so’n Zeug aufgenommen habt. Wurden die veröffentlicht?
Ja, Wham! Nee, die haben wir nie veröffentlicht. Die liegen irgendwo auf einem alten Computer in South West London. Wir haben Songs von den Pixies, von den Yeah Yeah Yeahs und eben auch von Wham! gecovert. Es gibt da eine ganz hübsche Auswahl. (lacht)

Interview: Marcel Anders

The xx live, 25.02., 20:00, Arena Treptow

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Oliver Sim, Sänger von The xx © Laura Coulson