Szene

Die Gewalterfahrungen von Lesben sichtbar machen! Interview mit L-Support

27. März 2017
Katrin Salloch ist Mitarbeiterin und Vorständin von L-Support © Emmanuele Contini

L-Support bietet gewaltbetroffenen lesbischen und queeren Frauen Hilfe an. Doch die Initiative steht vor dem Problem, dass viele Frauen mit ihren Gewalterfahrungen nicht nach außen gehen wollen

Ziel von L-Support ist es, lesbenfeindlicher Gewalt wirksame Strategien entgegenzusetzen. Im Mai 2016 wurde eine Hotline gegründet, unter der betroffene Frauen Gewaltvorfälle und Übergriffe melden sowie Hilfe und Beratung in Anspruch nehmen können. Leider zeigte sich bisher, dass Frauen ihre Gewalterfahrungen eher für sich behalten. Damit das Projekt wachsen kann, braucht es aber belegbare Zahlen, wie Katrin Salloch von L-Support im Interview erklärt

Katrin, wie gestaltete sich eure bisherige Arbeit? Wir sind ein zehnköpfiges Team Ehrenamtlicher und arbeiten schon seit 2014 an der Idee. Schließlich haben wir in Maneo einen Kooperationspartner gefunden, der uns Räume zur Verfügung stellt. Unser Anspruch ist es, eine unbürokratische und niedrigschwellige Anlaufstelle zu sein. Jede Art von Übergriff kann uns per Telefon oder Mail mitgeteilt werden, ganz gleich ob er auf offener Straße oder am Arbeitsplatz passiert. Wenn eine Situation sehr komplex ist, empfehlen wir einen Beratungstermin mit uns zu vereinbaren. Wir können die Frauen an Fachstellen weiterleiten, z. B. an die Opferhilfe oder an Rechtsanwälte. Wir werden nicht gefördert und finanzieren uns bislang über Mitgliedsbeiträge und Spenden. Um L-Support bekannter zu machen, sind wir in die Szene gegangen und haben auf Partys Infostände organisiert.

Welche Resonanz erzielte eure Öffentlichkeitsarbeit?
Das Angebot wurde sehr positiv aufgenommen. Fast jede dritte Frau, mit der wir auf Partys ins Gespräch kamen, vertraute uns Gewalterfahrungen an. Das ist ein großer Kontrast zu den wenigen E-Mails und Anrufen, die wir bislang erhalten haben. Daher wissen wir, dass in Berlin auf jeden Fall Übergriffe auf Lesben und bisexuelle Frauen stattfinden, allerdings immer noch nicht, wie viele.

Warum ist es so wichtig, dass Fälle gemeldet werden und Zahlen vorliegen? Wir brauchen Meldungen, auch um Förderstellen besser davon überzeugen zu können, dass unsere Arbeit wichtig ist. Erst wenn wir gefördert werden, können wir die Sprechzeiten der Hotline erweitern und Empowerment- oder Präventionskurse anbieten. Außerdem hören wir immer wieder, dass die Zeiten härter werden. In Hinblick darauf braucht es Fakten, um sich besser gegen Diskriminierung starkzumachen und mutige Frauen, die sagen: „Das ist nicht okay, was da passiert!“

Woran liegt es, dass Frauen mit ihren Erfahrungen nicht nach außen gehen? Daran hat Scham einen großen Anteil. Frauen denken oft: „Bin ich vielleicht mitverantwortlich?“ Das ist natürlich der völlig falsche Gedankengang. Sie bagatellisieren schnell die Übergriffe, was ein Schutzmechanismus ist: Man ist sehr erschrocken und möchte es nicht wahrhaben. Ich finde aber, dass sich nichts verändern kann, wenn jede so damit umgeht.

Was muss geschehen, damit L-Support in Zukunft wächst?
Wir müssen bekannter werden. Deshalb möchten wir an queere Frauen appellieren, die Information weiterzutragen, Freundinnen L-Support ans Herz zu legen, einander zu ermutigen Erfahrungen sichtbar und zählbar zu machen. Du kannst anderen damit helfen, dass du deinen Fall meldest, denn du verbreitest die Botschaft: So lass ich nicht mit mir umgehen!

Interview: Paula Balov


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