Film

Hochglanzporno: „Below Her Mouth"

12. Apr. 2017
© Salzgeber

Das lesbische Drama „Below Her Mouth" von April Mullen mit Supermodel Erika Linder setzt vor allem auf explizite Sexszenen

Allein die Namen der Hauptfiguren in „Below Her Mouth“ klingen schwer nach Porno, ganz zu schweigen von der Ausgangskonstellation: Die androgyne Dachdeckerin Dallas (Supermodel Erika Linder in der ersten Kinorolle) umwirbt die kurvige, stets perfekt gekleidete Jasmine, ihres Zeichens Modejournalistin, die verlobt ist mit dem zwar ansehnlichen, im Bett jedoch ziemlich öden Rile. Als der übers Wochenende wegfährt, beginnen die beiden Frauen eine heiße Affäre. Und hier traut sich der Film tatsächlich was: Wer schon immer wissen wollte, was frau mit Strap-ons, Kühlschränken, Trucks und Badewannen so alles anstellen kann, ist hier genau richtig. Leider bleiben die Dialoge hölzern und auch die wachsende Verbindung zwischen den beiden wird eher behauptet als gezeigt. Dallas gibt die coole Herzensbrecherin („No one will ever catch me“), Jasmine die verstörte Hete („I’ve never done anything like this before“) – auf eine Entwicklung der Figuren wartet man vergeblich. Stattdessen konzentriert sich der Plot auf Jasmines Ängste, aus ihren heteronormativen Strukturen auszubrechen – ein Dilemma, das man einer erwachsenen Frau, die in der Modewelt Torontos arbeitet, nicht wirklich abkauft. Schade! Als Hochglanzsoftporno ohne dramaturgische Ansprüche hätte „Below Her Mouth“ aber durchaus Potenzial gehabt.

Anja Kümmel


Below Her Mouth, CDN 2016,
Regie: April Mullen, mit Erika Linder,
Natalie Krill, Sebastian Pigott,
ab 13.04. im Kino,
in diesen Berliner Kinos läuft der Film

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