Berlinale

40. Teddy Award: „Iván & Hadoum“ brilliert – Special Teddy für Céline Sciamma

23. Feb. 2026 Annabelle Georgen
Bild: picture alliance / Geisler-Fotopress | Brigitte Dummer/Geisler-Fotopres
Gast, Kai Stänicke, Brydie O'Connor, Céline Sciamma, Ian de la Rosa und Gael Kamilindi (v.l.n.r)

Auf dem Programm der 40. Preisverleihung des Teddy Awards am vergangenen Wochenende in der Volksbühne standen vier preisgekrönte Filme, eine kraftvolle Rede der französischen Regisseurin Céline Sciamma, ein energiegeladener Auftritt der Rapperin Ebow und eine schöne Hommage an den verstorbenen Regisseur Rosa von Praunheim. Wir waren dabei!

Dieses Jahr hat das Team des Teddy Awards alle Hebel in Bewegung gesetzt. Anlässlich seines 40-jährigen Jubiläums hat sich der queere Filmpreis der Berlinale eine Retrospektive gegönnt. Zu den Teddy-Filmen, die im Rahmen von „TEDDY 40“ während des Festivals gezeigt wurden, gehörten der bewegende Film „Tunten lügen nicht“ (2002) von Rosa von Praunheim über die Berliner Polittunten Ovo Maltine, Bev Stroganov, Ichgola Androgyn und Tima die Göttliche, die clevere Mockumentary über die Unsichtbarkeit schwarzer Lesben „The Watermelon Woman“ (1996) der Amerikanerin Cheryl Dunye sowie „Tomboy“, das feinfühlige trans Coming-of-Age-Drama von Céline Sciamma (2011).

Die Zeremonie stand unter der symbolischen Schirmherrschaft von Rosa von Praunheim, der im vergangenen Dezember verstorben ist und an diesem Abend auf der Bühne fehlte. Zu einem Zeitpunkt wurde der Saal beleuchtet und das Publikum gebeten, aufzustehen, um dem Filmemacher Tribut zu zollen.

Bild: Annabelle Georgen
Preisträger*innen, Laudator*innen und Show-Acts in der Volksbühne

Bester Film: „Iván & Hadoum“

In diesem Jahr gewann ein spanischer Film den Teddy Award für den besten Film: „Iván & Hadoum“, die Geschichte einer aufkeimenden Liebe zwischen einem jungen spanischen Vorarbeiter und einer marokkanischen Landarbeiterin in einer andalusischen Gemüsefabrik. Er ist trans und sie verliebt sich in ihn. Aber die Familie und vor allem der Chef des jungen Mannes betrachten diese Idylle mit Argwohn. Mit seinem ersten Langfilm hat der spanische trans Regisseur Ian de la Rosa ein einfühlsames, sinnliches Drama geschaffen.

Wie es die Tradition will, zeigt MonGay heute, am Montag nach der Berlinale, den Gewinnerfilm: 21:30 Uhr im Babylon Kreuzberg.

Bester Dokumentarfilm: „Barbara Forever“

In der Kategorie „Bester Dokumentarfilm“ gewann „Barbara Forever“ den Teddy. Brydie O'Connors Film ist ein Porträt der lesbischen amerikanischen Filmemacherin Barbara Hammer, einer Pionierin des experimentellen Kinos, die (sich) ihr ganzes Leben lang filmte. Aus Hammers reichhaltigem Filmarchiv schöpfte O'Connor ein feinfühliges und poetisches Porträt.

Bild: The Estate Of Barbara Hammer

Bester Kurzfilm: „Taxi Moto“

Der Preis für den besten Kurzfilm ging an den Regisseur Gaël Kamilindi für seinen Film „Taxi Moto“. Der Film ist eine Reflexion über ein Filmprojekt, das er nie fertigstellen konnte. Der aus Ruanda stammende Kamilindi wollte dorthin zurückkehren, um einen Film über eine Liebesgeschichte zwischen zwei Männern zu drehen, erhielt jedoch nie die Genehmigung dafür. Heute lebt er in Frankreich und versucht, das Projekt zu Ende zu bringen.

Teddy Jury Award für „Der Heimatlose“

Mit seinem Debütfilm „Der Heimatlose“, gedreht auf Sylt und Norderney, holte der deutsche Regisseur Kai Stänicke den Teddy Jury Award. In diesem schwulen Drama kehrt ein Mann nach langer Abwesenheit auf seine Heimatinsel in der Nordsee zurück. Niemand erkennt ihn. Es kommt zu einem Prozess, um seine Identität zu klären. Laut SIEGESSÄULE-Kollegen Frank Hermann, der den Film sehen konnte, ist die Inszenierung von Kai Stänicke „spröde und eigenwillig, aber effektiv“.

Special Teddy Award an Céline Sciamma

Ein weiterer bewegender Moment des Abends war die Verleihung des Special Teddy Award an Céline Sciamma für ihr filmisches Gesamtwerk durch Tricia Tuttle, die lesbische Direktorin der Berlinale, die die Laudatio hielt. Sichtlich berührt davon, einen zweiten Teddy zu erhalten, nachdem sie den ersten vor 15 Jahren mit „Tomboy“ gewonnen hatte, hielt Sciamma eine lange und schöne Rede über das Kino und seine Kraft: „Als queeres Publikum sind wir uns der Wirkung, die das Kino haben kann, sehr bewusst. Denn unser Begehren hat sich oft zuerst auf der Leinwand manifestiert, bevor es Wirklichkeit wurde. Ein Kuss musste erst auf der Leinwand gezeigt werden, damit er möglich wurde.“

„Unser Begehren hat sich oft zuerst auf der Leinwand manifestiert, bevor es Wirklichkeit wurde.“

Unter den Künstler*innen, die an diesem Abend auf der Bühne auftraten, lieferte die Rapperin Ebow eine energiegeladene und kraftvolle Performance mit starken Texten, etwa mit dem Song „Lesbisch“.

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