#schwulefürlesben

Schwule für Lesben: Queersprecher der Grünen und Geschäftsführer des SchwuZ

20. Dez. 2018
Sebastian Walter © Barbara Dietl/ Grüne Fraktion Berlin, Marcel Weber © Nadine Seidler

SIEGESSÄULE ruft schwule Männer unter dem Hashtag #schwulefürlesben auf, mehr lesbische Teilhabe von der Politik zu fordern. Statements dazu von Sebastian Walter und Marcel Weber!

Der Streit zwischen Schwulenberatung und der Lesbeninitiative RuT scheint einen tiefen Riss in der Berliner Community hinterlassen zu haben. Dass sich aber auch Schwule für die Interessen von Lesben starkmachen, zeigten auf SIEGESSÄULE.DE bereits einige schwule Player: Frank Wilde, Maurus vom Ludwig, Johannes Kram, Folsom Europe, Travestie für Deutschland (TfD) und Ficken 3000.

Heute folgen Statements von Sebastian Walter, Queersprecher der Grünen, und Marcel Weber, dem Geschäftsführer des SchwuZ!

Und auch ihr seid aufgerufen, euch zu beteiligen: zeigt unter #schwulefürlesben auf Twitter (@GaySiegessaeule) eure Solidarität. Was kann eurer Meinung nach für Gleichberechtigung von Lesben getan werden? Fordert die Politik mit eurem Post auf, endlich für mehr lesbische Teilhabe und Sichtbarkeit in Berlin zu sorgen!

Sebastian Walter
Stellvertr. Fraktionsvorsitzender und Sprecher für Queerpolitik bei den Grünen

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© Barbara Dietl/ Grüne Fraktion Berlin

Die „Ehe für alle“ war in den letzten 20 Jahren das zentrale politische Ziel, hinter dem sich die Regenbogencommunity versammelt hat. Nach dessen Einlösung tritt nun umso deutlicher zu Tage, welche queerpolitischen Forderungen und Themen hintenanstanden. Etwa die Rechte von Trans* und Inter* – und von Lesben. Ist es Zufall, dass bei der Einführung der „Ehe für alle“ ausgerechnet die Gleichstellung von lesbischen Co-Müttern „vergessen“ wurde? Ist es Zufall, dass noch immer kein würdiges Gedenken an die lesbischen NS-Opfer im KZ Ravensbrück ermöglicht wird?

Weil lesbische Frauen nun öffentlich ihre Rechte einfordern, behaupten manche Schwule, dass ihre Diskriminierungserfahrungen relativiert werden sollen. Das ist Unfug! Richtig ist vielmehr, dass gerade schwule Männer sich kritisch mit der Verteilung von Privilegien und mit ungleichen Zugängen zu Politik, Ressourcen und medialer Aufmerksamkeit auseinandersetzen müssen. Differenz macht die Community vielfältig – erst aber Solidarität und gleichberechtigte Teilhabe machen uns stark. Daher gilt: gemeinsam als LSBTIQ für ein Grundstück für das RuT-Wohnprojekt, für lesbisches Gedenken und für mehr lesbische Sichtbarkeit!


Marcel Weber

Geschäftsführer des SchwuZ

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© Nadine Seidler

Wenn wir bedenken wie „jung“ die Frauen*- und LSBTIQ*-Bewegung ist und was schon alles erreicht wurde, denke ich, dass es mehr als notwendig ist, dass schwule und vornehmlich weiße cis-Männer ihre Privilegien nutzen, um bei Themen von und für Lesben* solidarisch einzustehen. Denn Privilegien bringen auch Verantwortung mit sich und Verantwortung bedeutet nicht nur eine Bürde zu tragen, sondern auch Chancen zu nutzen. Wir können Solidarität zeigen, Räume anbieten, Sichtbarkeit schaffen, Stigmatisierung entgegentreten, Aufklärung vorantreiben, Vorurteile bekämpfen, Schubladen ausräumen und Kategorien abbauen. Keinem Schwulen wird etwas weggenommen, wenn Lesben* bekommen was ihnen selbstverständlich zusteht.

Und darüber hinaus vergessen wir nicht, dass uns auch Belange von Trans* und Inter Personen, Bi‘s, sowie Queers* of Color, Schwarzen Queers*, Menschen mit Migrationsgeschichte oder Menschen mit Behinderung etwas angehen. Denn es ist noch lange nicht so, dass wir in einer Idealen Welt leben. Zusammen können wir sie jedoch Stück für Stück idealer werden lassen. Wir sollten keine Angst haben, denn es gibt mehr zu Gewinnen für alle, als etwas zu Verlieren für Einzelne.