Film über die „Liebig34“

„Kämpfer*innen gegen das System“

4. Jan. 2019 Michaela Dudley
Szene aus dem Film „Indoors“

Im SO36 wurde die Doku „Indoor“ über das queerfeministische Hausprojekt in der Liebigstraße und seine Bewohner*innen gezeigt

Von Hafen bis Quälgeist: der drohende Verlust queerer Räume ist momentan in aller Munde. Dabei geht es auch um Gentrifizierung und ihre Folgen für die Stadt. Die Bewohner*innen der „Liebig 34“, einem anarcho-queerfeministischen Hausprojekt, haben viel zu dem Thema zu sagen: das Projekt ist akut von Räumung bedroht, und das nicht zum ersten Mal in seiner Geschichte. 

Für die rund 40 Frauen, Lesben, inter* sowie trans* Personen aus der Liebig34, die häufig selbst Diskriminierung erlebt haben, ist das Haus an der Ecke Liebigstraße/ Rigaer Straße nicht nur eine Zufluchtsstätte, sondern auch ein kultureller Wirkungsort und politisches Zentrum. Neben dem Wohnbereich befinden sich dort der Veranstaltungsraum „L34-Bar“ und der Infoladen „Daneben“.

Das Haus wurde bereits 1990 besetzt, eine einstweilige Legalisierung erfolgte wenig später. 2007 scheiterte der Versuch, das Haus als Genossenschaft zu erwerben. Die Erbengemeinschaft, der das Haus gehört, verkaufte es an einen Immobilienspekulanten, dem die Bewohner*innen immerhin die Zustimmung zu einem zehnjährigen Pachtvertrag abringen konnte. Dieser Pachtvertrag lief jedoch zu Silvester 2018 aus. Bis jetzt ist zwar noch kein Räumungsbescheid ins Haus geflattert, der Besitzer antwortet aber seit Monaten auch nicht auf die Gesprächsangebote der Bewohner*innen.

Diese zeigen sich dennoch entschlossen, sich nicht vertreiben zu lassen. Mehrere Soli-Aktionen und Demos fanden in den letzten Monaten in Berlin bereits statt. Außerdem feiert am 9. Januar der Film „Indoor“ Premiere: Filmemacherin Lau Feldstain porträtiert darin die Liebig34 und ihre Bewohner*innen. Die exakt 34-minütige Dokumentation tangiert auch so unterschiedliche Themen wie Missbrauch in der Kirche oder BDSM und konsensbasierte Sexualität. Feldstain lässt die Bewohner*innen frei reden, anstatt sie durch die Vorgaben eines typischen Dokuformates zu beschränken.

Auch das drohende Aus des Projektes kommt dabei natürlich zur Sprache. In einer Opferrolle wollte sie ihre Protagonist*innen aber auf keinen Fall darstellen, sagt Feldstain gegenüber SIEGESSÄULE. „Ich betrachte sie als unermüdliche Kämpfer*innen gegen das System“. Sie hoffe, durch den Film ein solidarisches Zeichen zu setzen. Denn mit der Liebig „würde ein wichtiger Berliner Freiraum für marginalisierte Menschen und Lebensweisen verloren gehen“.

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