Siegessäule präsentiert

Im Zeichen von Stonewall: 20. poesiefestival berlin

13. Juni 2019
Außenaufnahme des Stonewall Inn (1969) aus der Ausstellung „Love & Resistance: Stonewall 50“ in der New York Public Library © Diana Davies/New York Public Library

Das 20. poesiefestival berlin, organisiert vom Haus der Poesie und der Akademie der Künste, macht die Stonewall-Aufstände zum Thema. Erwartet wird u. a. der schwule Starautor Edmund White

Bis heute hallen die legendären Aufstände nach, die in der New Yorker Bar Stonewall Inn am 28. Juni 1969 ihren Anfang nahmen. Ob durch Pride-Demos rund um den Globus oder eben in der wegweisenden Erkenntnis, dass es sich lohnt, für die Gleichstellung auf die Barrikaden zu gehen – selbst 50 Jahre später ist und bleibt Stonewall ein Begriff, der nicht nur in unserer Geschichtsschreibung fest verwurzelt ist, sondern dessen Narrativ bis heute die Gestaltung der Gegenwart mitinspiriert.

Grund genug für das diesjährige poesiefestival berlin, diesem Narrativ anlässlich des runden Jubiläums mit gleich mehreren queeren Programmpunkten auf den Grund zu gehen. Der Fokus liegt dabei auf den beiden von SIEGESSÄULE präsentierten Sonderevents am 17.06.: dem Podiumsgespräch „Stonewall was a riot“, das um 17:30 startet, gefolgt von der Lesung und dem Gespräch „Queer Poets. Queer Voices – 50 Jahre Stonewall“ direkt im Anschluss um 19:30. Beide Veranstaltungen werden englisch-deutsch gedolmetscht und weisen zudem eine beeindruckende Liste von teilnehmenden Autor*innen auf.

So ist Edmund White einer der Gäste beim Podiumsgespräch. Er erlebte als 29-Jähriger die Aufstände per Zufall hautnah mit, nahm sie aber damals – in ihrem Verlauf beteiligten sich bis zu rund 1.000 Menschen daran – gar nicht als so bedeutsam wahr. Dennoch, wie er im Interview mit L-MAG sagt, fing er nach Stonewall an, schwule Literatur zu schreiben. Keine schlechte Idee, denn heute gilt er als der bedeutendste Chronist des homosexuellen Lebens in den USA. Neben ihm nimmt Eileen Myles auf dem Podium Platz. Die US-amerikanische Punk-Poetin beschreibt sich selbst als „wütende, weiße Lesbe, die die brennenden Straßen durchwandert“, und mischt sich seit Jahrzehnten immer wieder ins politische Treiben ihres Heimatlandes ein. Dritter und zugleich jüngster im Talk-Bunde ist der mehrfach ausgezeichnete Autor Jericho Brown, der in seinen Werken sein Leben als Schwarzer Schwuler thematisiert. Zusammen reden sie darüber, welche Bedeutung Stonewall für die nachfolgende Generation an Autor*innen hatte. Oder was vom Geist der Revolte überhaupt übrig geblieben ist. Die Moderation übernimmt Peter Rehberg.

Bei der Lesung und dem Gespräch im Anschluss dreht sich wiederum alles um die Gegenwart: Wie sich nämlich trotz wichtiger Meilensteine in Sachen Akzeptanz eine immer regressivere Politik gegenüber LGBTI in zig Ländern herauskristallisiert. Dafür wurden die Journalistin Angélica Freitas aus Brasilien, der Slam-Poet Lee Mokobe aus Südafrika, der gebürtige Puerto Ricaner Urayoán Noel sowie der polnische Dichter Eugeniusz Tkaczyszyn-Dycki eingeladen. Moderator ist hier Matthias Frings.

Natürlich sind diese beiden Events nur ein kleiner Ausschnitt aus dem Programm des Festivals, das dieses Jahr unter dem Motto „Endlich Zeit für Sprache“ steht. Seien es die zahlreichen Poesiegespräche, die teils ebenso queere Inhalte haben (zum Beispiel am 19.06. um 18:00 mit einem Walt-Whitman-Schwerpunkt), der Lyrik-Markt oder die „Poets-Corner: Lyrik in den Bezirken“ – das poesiefestival zelebriert ganz die Macht des Wortes.

rob

SIEGESSÄULE präsentiert
20. poesiefestival berlin,
14.–20.06., Akademie der Künste
haus-fuer-poesie.org