Szene

Kino Moviemento ist gefährdet

5. Nov. 2019
Das Kino Moviemento in Kreuzberg

Das Kreuzberger Traditionskino Moviemento – auch ein Anziehungspunkt für die queere Filmszene – soll verkauft werden. Jetzt kämpft die Geschäftsführung um den Erhalt

Es ist eines der ältesten Kinos Deutschlands, eine Berliner Szeneinstitution und ein Treffpunkt für Künstler*innen. Hier arbeitete u. a. Regisseur Tom Tykwer („Lola rennt", „Babylon Berlin") als Filmvorführer und Blixa Bargeld, Frontmann der Einstürzenden Neubauten, stand hinter der Kasse. Und es ist leider von der Schließung bedroht, obwohl es derzeit sehr gut läuft.

Doch warum ist dann seine Existenz gefährdet? „Vor zwei Jahren wechselte das Gebäude, in dem sich das Moviemento befindet, seinen Besitzer – und Oktober 2019 standen dann auf einmal Immobilienmakler vor unserer Tür,“ berichtet Wulf Sörgel, der zusammen mit Iris Praefke das Kino leitet. Die Räume des Moviementos sollen für rund zwei Millionen Euro verkauft werden. Ob das Gebäude weiterhin als Kino erhalten bleiben soll, sei unklar.

Um die Existenz des Filmtheaters langfristig zu sichern, sind Iris und Wulf entschlossen, die Räume selbst zu kaufen. Mithilfe ihres Teams trieben sie 400.000 Euro auf – der Rest soll hoffentlich durch SponsorInnen und eine Crowdfunding-Kampagne erreicht werden, die am 5. November startet. In zahlreichen Gesprächen sicherte sich das Kino außerdem die Unterstützung des Kreuzberger Bezirksstadtrat Florian Schmidt und Kultursenators Klaus Lederer.

Gegründet wurde das Moviemento 1907 von dem Gastronomen Alfred Topp.
Mit der Zeit entwickelte sich das Kino nicht nur zu einem Treffpunkt für Künstler*innen wie David Bowie oder Nina Hagen, sondern auch für ein queeres Publikum.

In den 1970ern leitete der Filmemacher und schwule Aktivist Manfred Salzgeber das Kino unter dem Namen „Tali“. Nach ihm übernimmt ein Kollektiv, unter anderem mit Wieland Speck, Regisseur von „Westler“ und langjähriger Leiter der Berlinale-Sektion „Panorama“, die Leitung. Diesem gelingt mit Aufführungen der „Rocky Horror Picture Show“ im Programm ein großer Erfolg.

In der bewegten Geschichte des Kinos gab es viele Namens- und Besitzer*innen-Wechsel und auch Krisen. Als die aktuellen Leiter*innen Iris Praefke und Wulf Sörgel das Kino 2007 übernehmen, ist es so stark heruntergewirtschaftet, dass es nur knapp einer Schließung entgeht. Die neue Geschäftsführung nimmt eine Renovierung vor und kurbelt den Spielplan mit neuen Ideen an – darunter ein Kinder- und Jugendprogramm und jede Menge Filmfestivals.

„Wir haben großen Spaß daran, mit engagierten Menschen zusammenzuarbeiten, die sich trauen, die Filmkunst mit Vielfalt und mutigen Projekte zu bereichern,“ erzählt Wulf Sörgel gegenüber SIEGESSÄULE. Dazu zählt unter anderem das  Pornfilmfestival, dessen dritte Ausgabe im Jahr 2008 erstmals im Moviemento stattfand. Auch das Female Filmmakers Festival feierte Juni 2019 im Moviemento seine erste Ausgabe.

Duch die gewonnene Aufmerksamkeit hoffen sie vor allem auf eine Preisminderung der Immobilienkaufleute. Aufgeben kommt für Wulf und Iris nicht in Frage: „Wir haben für die nächste Zeit schon tolle und spannende Veranstaltungen geplant. Es steht also gar nicht zur Debatte, dass wir unser Ziel nicht erreichen.“ Im November starten unter anderem das Philippinische Filmfestival (6.-10. Nov.) und das Bulgarische Dokumentarfilm Festival (14.-17. Nov).

Elliot Zehms

www.moviemento.de

Crowdfunding-Kampagne:
www.startnext.com/moviemento