Kino

Anders L(i)eben: Das Berlin Lesbian Non-Binary Filmfest

5. Dez. 2019
„No Box For Me“ © Andana Films

Nach der erfolgreichen Premiere vor einem Jahr lädt das Berlin Lesbian Non-Binary Filmfest nun zur zweiten Ausgabe ins Sputnik Kino

Freddy McConnel plant seine Schwangerschaft: Ein System fürs Co-Parenting ist ausgetüftelt, der Spendersamen steht parat, das Wunschkind kann auf den Weg gebracht werden. Doch dann schicken die körperlichen Veränderungen und ein ordentlicher Schwung Hormone den 30-Jährigen auf eine emotionale Achterbahnfahrt. Und die gesellschaftlichen Reaktionen auf einen schwulen trans Mann mit Schwangerschaftsbauch sind auch nicht immer leicht zu verdauen. Die Dokumentarfilmerin Jeanie Finlay hat Freddy von der Familiengründung bis zur Geburt begleitet und diese intensive Reise in poetischen Bildern eingefangen. „Seahorse“ (08.12.) ist Teil des diesjährigen Berlin Lesbian Non-Binary Filmfestes. An drei Tagen werden über 18 Langfilme mit lesbischen, non-binary-, trans* und inter* Perspektiven gezeigt, dazu kommen zwei Kurzfilme.

Highlights gibt es einige. Der Eröffnungsfilm von Alex Thompson, „Saint Frances“, (06.12.) erzählt von Bridget, die zwischen diversen Heteroaffären, prekären Beschäftigungsverhältnissen und nach einer Abtreibung durchs Leben mäandert, bis sie einen Job als Nanny bei einem lesbischen Ehepaar antritt. In der sich langsam entspinnenden Beziehung zur sechsjährigen Frances und ihren kriselnden Müttern stellen sich die großen Fragen: Was ist wichtig? Welcher Lebensentwurf ist der „richtige“, welche Identität? „Saint Frances“ schlägt dabei eher leise, suchende Töne an. Schön ist, der Solidarität unter den Frauen zuzuschauen – und dem Selbstbewusstsein, mit dem auch ihre Körperlichkeit auftreten darf.

Nichtbinäres Coming-of-Age mit einer cool-verletzlichen Hauptfigur bietet Margherita Ferris Spielfilmdebüt „Zen in the Ice Rift“ (07.12.). Maia spielt Eishockey in der Jungsmannschaft eines konservativen italienischen Bergdorfes und nennt sich von nun an Zen. Als Zen die beliebte Vanessa kennenlernt, kommen sich die beiden überraschend näher. Eine in wunderbarer Schneelandschaft angesiedelte Geschichte gegen die Heteronormativität.

Ergänzend dazu beleuchtet der Dokumentarfilm „Uferfrauen – Lesbisches L(i)eben in der DDR“ (07.12.) ein bislang eher unsichtbares Kapitel (ost)deutscher Geschichte. Barbara Wallbraun porträtiert unterschiedliche Frauen, die zu DDR-Zeiten ihr Coming-out hatten – mit manchmal drastischen Folgen. Es ist spannend zu sehen, wie die lesbischen Lebenswege teils immer politischer werden und auf die Revolution von 89 zusteuern. 30 Jahre nach dem Mauerfall wirft der Film die hochaktuelle Frage auf, was von den Aufbruchenergien geblieben ist.

1999 war die Hamburger Regisseurin Monika Treut („Von Mädchen und Pferden“) eine der ersten, die sich filmisch mit nicht normativen Geschlechtsidentitäten beschäftigte. 20 Jahre nach ihrem Klassiker „Gendernauts“ (08.12.) ist sie mit Kamerafrau Elfi Mikesch erneut nach San Francisco geflogen, um die damals porträtierten Gendernauten wiederzutreffen. Der Film läuft als Retrobeitrag, dazu bringen Treut und Mikesch aktuelles Material von ihrer Reise mit.

Wem nach einem polyamourösen Feelgood-Movie ist, kann in Wendy Jo Carltons Spielfilm „Good Kisser“ (08.12.) die Irrungen und Wirrungen von Erotik und Beziehungsdrama bei einem Frauen-Dreierdate verfolgen. Zuletzt sei noch das beste Shirt des Filmfests erwähnt. Es taucht in der Intersex-Documentary „No Box For Me“ (08.12.) auf. „Too cute to be binary“ steht darauf.

Kittyhawk

Berlin Lesbian
Non-Binary Filmfest,

06.12.–08.12., Sputnik Kino

Festivalprogramm: blnfilmfest.org