Berlin

Let's Talk About Gender, Baby!

24. Feb. 2014

Das neue Album von Jam Rostron alias Planningtorock bringt Gender-Theorie auf die Tanzfläche. Siegessäule präsentiert das Release-Konzert im SchwuZ, am 26.2.

24.2. – Siegessäule: Jam, dein Look auf deinem letzten Album „W” war sehr grotesk: Du hattest ein modelliertes Gesicht mit dicken Augenbrauen und einer buckligen Nase. Auch deine Stimme war sehr verfremdet. Nun kehrst du zurück mit einem eher alltäglichen Look und etwas weniger düsteren Songs. Ist diese Veränderung auch ein Spiegel deiner Texte, die auf der neuen Platte „All Love's Legal” sehr geradeheraus sind?

PTR: Der Inhalt meiner neuen Platte ist sehr eindimensional, wenn man das so sagen kann. Es geht um das, was ich sage. Ich wollte weg von dieser übermäßigen Betonung meiner visuellen Identität, ohne dabei optisch an Reiz zu verlieren. Mir ging es darum, etwas zu schaffen, was man schwerer in eine Schublade stecken kann. Mein Image auf der letzten Platte war großartig, es hat auch total Spaß gemacht, aber irgendwann kam ich an einen Punkt, wo ich das Gefühl hatte, dass es mehr um mein Äußeres als um meine Musik geht. „W“ war genau das Gegenteil meiner neuen Platte „All Love's Legal”, es ging mir darum, zweideutig zu sein. Ich dachte, dass die Leute so mehr Möglichkeiten hätten, ihre eigene Interpretation zu finden, sich hinein zu fühlen und zu denken. Aber das hat für mich überhaupt nicht funktioniert. Deshalb musste ich auf meinem neuen Album viel direkter sein.

Auf einen der neuen Songs hört man Einflüsse von House-Musik heraus. Abgesehen davon, dass du diesen Stil musikalisch verfremdest, lädst du ihn auch wieder politisch auf.

DJ-ing ist so ein tolles Ausdrucksmittel, mit dem ich mich mehr befasst habe. Ich finde es immer noch toll, Songs zu schreiben und live zu performen, aber mit Dance-Music kann man einfach so viel direkter sein. Ich bin noch recht neu in diesem Bereich, habe Jahre gebraucht, um Dance-Music für mich zu entdecken. Ich kenn mich gar nicht so aus in all den unterschiedlichen Genres, mit all den Labels. Ich benutze einfach, was mir gefällt. Ich spiele damit rum und es macht Spaß, darüber Zeilen wie „Misogyny drop dead“ („Frauenhass, fall tot um!“) zu singen.

Auf deiner neuen Platte gibt es den Song „Let's Talk About Gender, Baby“. Der erschien schon mal als Planningtorock-Remix von The Knife's „Full Of Fire“. Aber eigentlich war das kein Remix, sondern eine völlige Neuinterpretation von dir, in der du immer wieder die titelgebenden Zeilen aus dem The-Knife-Song wiederholst. Jetzt erscheint dieser Song mit neuem Titel auf deinem Album. Ging es dir bei diesem Vorgehen um Identitätspolitik oder um die patriarchale Idee des Urhebers?

Total. Mein Verständnis von Schaffen ist mehr horizontal und nicht vertikal bzw. hierarchisch. Urheberrecht? Gerade wenn wir von Kreativität sprechen, ist das ein lächerliches Konzept. Wenn man einfach offen bleibt und Dinge geschehen lässt, dann kann man viel kreativer sein – frei von all diesen Regeln, diesen Fallen und Grenzen. Ich muss allerdings gestehen, dass ich mir während des kreativen Prozessen überhaupt keine Gedanken über solche Fragen gemacht habe.

Interview: Joey Hansom, Übersetzung: Jan Noll


Planningtorock: All Love's Legal (Human Level), jetzt erhältlich

Siegessäule präsentiert: Planningtorock Album-Release-Konzert, 26.02., 21:00, SchwuZ