Anklage gegen Jurassica Parka – Queerbeauftragter kritisiert Täterschutz
Die Berliner Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen Mario O., bekannt als Jurassica Parka, wegen des Verdachts auf Besitz von Kinderpornografie erhoben. Der Dragqueen droht eine Freiheitsstrafe. Der Queerbeauftragte Alfonso Pantisano kritisiert sowohl die Instrumentalisierung des Falls durch rechte Akteur*innen als auch Täterschutz innerhalb der LGBTIQ*-Community
Die Überschrift der Pressemitteilung der Berliner Generalstaatsanwaltschaft ist deutlich: „Anklage wegen des Verdachts von Kinderpornographie“. Darin heißt es, dass „gegen einen inzwischen 46-Jährigen, der unter anderem als Dragqueen tätig war wegen Besitzes von kinderpornografischen sowie jugendpornografischen Inhalten Anklage erhoben wird.“ Gemeint ist damit Jurassica Parka alias Mario O.
Wie der Tagesspiegel als erstes meldete, wurden bei Jurassica Parka 131 Videodateien mit mutmaßlich kinderpornografischem Material von insgesamt 5 Stunden und 25 Minuten Länge, sowie 28 Bilder gefunden. Darüber hinaus wurden Datenträger mit 17 Videodateien mit mutmaßlich jugendpornografischem Inhalt von insgesamt 56 Minuten Länge sowie fünf Bilder bei einer Hausdurchsuchung im Juli des letzten Jahres beschlagnahmt. Jugendpornografie wird dadurch definiert, dass sie Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren abbildet, Kinderpornografie hingegen Menschen unter 14 Jahren.
Auf Nachfrage der SIEGESSÄULE bestätigte der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft die Berichterstattung des Tagesspiegels. Sollte der zuständige Strafrichter des Amtsgerichts einen hinreichenden Tatverdacht sehen und die Wahrscheinlichkeit einer Verurteilung höher sein als ein Freispruch, wird es zu einer Verhandlung kommen. Im Jahr 2023 wurde Mario O. bereits wegen Verbreitung, Erwerbs und Besitzes kinderpornografischer Schriften rechtskräftig verurteilt, wie SIEGESSÄULE im Oktober 2025 exklusiv berichtete.
Pressesprecher Alan Bauer im Gespräch mit SIEGESSÄULE: „Die Mindeststrafe beträgt sechs Monate, kann jedoch bis zu 10 Jahre Freiheitsstrafe reichen.“ Die Auswertung der Dateien habe fast ein Jahr gedauert, doch „vermutlich wird die Hauptverhandlung noch in diesem Jahr eröffnet“, so Bauer. Es gilt weiterhin die Unschuldsvermutung für Mario O.
Sorge um Instrumentalisierung von rechts
Sollte der Prozess noch vor den Wahlen im September beginnen, könnte er von rechten und rechtsspopulistischen Akteuren instrumentalisiert werden. Davor warnt der Queerbeauftragte des Berliner Senats Alfonso Pantisano in einem Statement an SIEGESSÄULE: „Wir müssen sehr klar benennen, was rechte und religiös-fundamentalistische Akteure aus solchen Fällen machen. Sie nutzen Kinderschutz als Vorwand, um gegen Drag, gegen queere Sichtbarkeit, gegen queere Menschen und gegen Vielfalt zu hetzen. Wer diesen Fall nutzt, um pauschal gegen queere Menschen Stimmung zu machen, missbraucht das Leid von Kindern für einen politischen Kulturkampf.“
„Wer diesen Fall nutzt, um pauschal gegen queere Menschen Stimmung zu machen, missbraucht das Leid von Kindern für einen politischen Kulturkampf.“
Pantisano spricht sich zugleich deutlich gegen eine Solidarisierung mit Täter*innen aus, auch wenn wenn diese queer sind. „Bei der strafrechtlichen Verfolgung von Pädokriminalität darf es kein Zögern, kein Relativieren und keine falsche Rücksichtnahme geben.“
Der Besitz, das Sammeln, Teilen oder Verbreiten von Darstellungen sexualisierter Gewalt an Kindern und Jugendlichen sei „nicht irgendein abstraktes Delikt“, betont Pantisano. „Hinter solchen Bildern und Videos stehen reale Kinder, reale Jugendliche, reale Gewalt und reale Verletzungen. Diese Gewalt wird durch jede Speicherung, jede Weitergabe und jeden Konsum fortgeschrieben. Das muss eine Gesellschaft klar verurteilen. Und das muss auch die queere Community klar verurteilen.“
Nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe im Oktober 2025 zeigte sich in der Berliner LGBTIQ*-Community eine große Überforderung mit dem Thema. Die Reaktionen reichten von Ablenkung auf Nebenschauplätze und Gerüchte bis zur Verdrängung von Fakten, Teile der Szene solidarisierten sich zudem mit Jurassica Parka.
„Pädokriminalität ist kein Missverständnis, keine private Angelegenheit und kein Thema, bei dem Loyalität zu einer bekannten Person wichtiger sein darf als Solidarität mit Betroffenen.“
Pantisano fordert deutlich: „Sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche darf in unseren Räumen keinen Platz haben. Pädokriminalität ist kein Missverständnis, keine private Angelegenheit und kein Thema, bei dem Loyalität zu einer bekannten Person wichtiger sein darf als Solidarität mit Betroffenen.“
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