Kinostart am 8. Dezember

Ballett bei der Feuerwehr und explizite Sexszenen: „Irrlicht“

7. Dez. 2022 Frank Hermann
Bild: Salzgeber

Der bedeutende schwule Filmemacher João Pedro Rodrigues aus Portugal ist mit einem extravaganten Film zurück. In „Irrlicht“ erinnert sich ein sterbender König an seine Jugend und die leidenschaftliche Liebe zu einem Feuerwehrmann

„Irrlicht“ ist eine weitere Perle in der Kette der eigenwilligen Filmpreziosen („O Fantasma“, „To Die Like a Man“, „Der Ornithologe“ ...) vom Kultregisseur João Pedro Rodrigues. Ein Film wie eine Skizze, schnell (67 Minuten) und virtuos hingeworfen, und doch ist beim genaueren Hinsehen immer noch ein charmantes Detail, eine witzige Anspielung zu entdecken.

Komödiantisch und musikalisch

In Zeiten der zweieinhalbstündigen Blockbuster mit Marvel-Universums-Schinken, wo man mit Tinnitus zu kämpfen hat und auch noch kurz vor der Erschöpfung durch Langeweile steht, sind Arthouse-Filme wichtiger denn je, weil sie zeigen, was Kino eigentlich ausmacht: Verwirren, Entzücken, Erstaunen statt Zuballern mit Effekten und zu viel Personal, bei dem kaum eine Figur von der anderen zu unterscheiden ist.

Die Themen, die Rodrigues sich für seinen neuen Film auserkoren hat, sind im Bündel ein ziemlich dickes Brett: Kolonialismus, Rassismus, Sklaverei, soziale Ungleichheit, Klimawandel ... und doch kommt alles in komödiantischer und musikalisch aufgelockerter Form federleicht daher und verwirrt auch diesmal die Sinne.

König Alfredo lässt seine Jugend Revue passieren

Alles beginnt – und endet – im Jahre 2069. Portugals König Alfredo liegt im Sterben und lässt seine Jugend Revue passieren. Erinnerungen an Kindheit und Jugend tauchen auf, an seinen gutmütigen Vater, der ihm bei Erkundungstouren die Naturliebe nahegebracht hat, und schwupps singt ein Kinderchor das Lied vom Baum, der allen ein Freund ist. Alfredos Mutter ist streng und reagiert entsetzt, als der Prinz bei Tisch erklärt, Feuerwehrmann werden zu wollen. Weil er mithelfen will, die Welt vor Bränden zu schützen.

Am selben Abend zitiert er die berühmte Rede von Greta Thunberg (2019, UN-Klimakonferenz in Madrid): „How dare you ...“ Klimarettung und Umweltschutz, Alfredo sucht seinen Weg. Da ist er bei beim hiesigen Feuerwehr-Corps genau richtig. Die butchige Kommandantin ist zwar zunächst schroff. Als aber nach einer Einsatzübung die gesamten Firefighter sich zu einem Ballett zusammenfinden, lässt sie ihre Autorität in geschmeidigen Schritten für einen Tanz lang vergessen.

Wunsch nach Rebellion

Alfredo verliebt sich in seinen Ausbilder Alonso. Der junge athletische Mann entfacht die Leidenschaft des Prinzen und den Wunsch nach Rebellion. Die Leichtfüßigkeit hat für das Liebespaar jedoch bald ein Ende: Als Alfredos Vater stirbt, tritt Alfredo die Thronfolge an ... Training zu den Klängen von Mozarts „Zauberflöte“, Ballett bei der Feuerwehr, nackte Männer, die klassische Kunstwerke nachstellen.

Ja, wir sind in einem Film von Rodrigues, und da gibt es auch Sex, garniert mit echten und künstlichen Phalli, sowie einen Vortrag, bei dem Penisfotos verschiedenen Wäldern zugeordnet werden. So tupft Rodrigues sein Bild und verbindet die Vignetten auf die für ihn typische Weise, trashig und intellektuell. Wer sonst kann das?

Irrlicht, Portugal/Frankreich 2022, Regie: João Pedro Rodrigues. Mit Mauro Costa, André Cabral, Margarida Vila-Nova, Miguel Loureiro, Joel Branco, Oceano Cruz

Ab 08.12. im Kino

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