Boiler und Clubsauna: Wellness und sexpositive Events für LGBTIQ*
Das SchwuZ macht dicht, der Boiler kocht über. Anders als viele Szeneorte hat Berlins einzige Schwulensauna mehr Gäste als je zuvor. Seit einem Jahr organisiert sie auch noch die queere Clubsauna nebenan. Ein Gespräch über Wellness und sexpositive Events für LGBTIQ* mit dem Boiler-Gesellschafter Tim Vogler
Tim, über zu wenige Gäste könnt ihr nicht klagen. Nach der Pandemie warst du nicht so optimistisch ... Nein, damals wussten wir noch nicht, dass die Corona-Delle so schnell vorübergehen würde. Wir sind sehr dankbar, denn wir sehen, wie unsere Kolleg*innen anderswo kämpfen müssen, um queere Spaces zu sichern. Diese Not haben wir nicht. Ich weiß nicht, ob das wirklich nur an unserem Monopol liegt. Ich möchte auch glauben, dass wir unsere Sache richtig machen.
Vor einem Jahr habt ihr die Clubsauna eröffnet. Da schwitzen zum Beispiel FLINTA* und TIN*. Wie stark hat das den Boiler verändert? Die Clubsauna ist ja ein zusätzlicher Raum mit zusätzlichen Angeboten. Wir hatten vor 15 Jahren einfach das Glück, einen Ort zu finden, den wir schon in Reserve erweitern konnten. Das hilft uns jetzt, weil unsere Zielgruppe diverser wird. Es gab einfach immer öfter Nachfragen. Und unsere neuen Angebote zeigen uns: Da ist ein Bedarf.
Welche der beiden Saunen lockt mehr Leute an? Also, die Clubsauna ist erst mal ein Experimentierfeld. Sie hat eine Kapazität von rund 100 Gästen, das ist nur ein Drittel vom Boiler. Wir machen sie aus Berufung heraus und weil wir sehen möchten: Wie könnten Saunaangebote in Zukunft aussehen? Wir sehen das Potenzial. Das merke ich auch, wenn mir unsere Gäste nach einem Besuch schreiben: „Wir haben noch nie so einen offenen und wertschätzenden Umgang mit Sexualität und Körperlichkeit erlebt.“
„Wir sehen, wie viel Bewegung gerade in der queeren Szene ist – und wie viel Lust auf Sex da ist!“
Könnte es sein, dass die klassische Schwulensauna in 20 Jahren zur Queer Sauna geworden ist? Das ist eine schwere Frage. Mit der Clubsauna öffnen wir uns ja gerade für die vielen Gruppen der queeren Community. Warum? Weil wir sehen, wie viel Bewegung gerade in der queeren Szene ist – und wie viel Lust auf Sex da ist! Ich sehe aber auch einen soliden Nachwuchs an Männern, die sich als männlich identifizieren und auf Menschen stehen, die sie ebenfalls als männlich lesen. Eine gewisse Maskulinität ist also Teil der Attraktivität. Deswegen würde ich sagen: Die schwule Sauna hat ihren Zenit noch lang nicht überschritten. Aber es kann gut sein, dass die queere Clubsauna in 20 Jahren genauso groß ist.
Braucht es bei Sauna-Events für unterschiedliche queere Szenen eine strenge Türpolitik? Wer kommt bei euch rein – und wer nicht? Ich glaube, im Großen und Ganzen kriegen wir das relativ gut hin. Bei der Clubsauna haben wir sowieso bei jedem Event eine spezielle Zielgruppe. Die weiß schon durch die Werbung, für wen das jeweils ist. Unsere Mitarbeiter*innen fragen dann höchstens nach, ob die Menschen wissen, auf was sie sich einlassen. Und der Boiler ist eben eine Männersauna. Das heißt, alle Menschen, die vorn an der Kasse ein männliches Passing haben, kommen rein – unabhängig davon, was in ihrem Ausweis steht. Ich habe auch von vielen trans Männern die Rückmeldung bekommen, dass das in der Regel gut funktioniert und vor allem: dass sie sich im Boiler willkommen und sicher fühlen. Wenn eine Beschwerde-Mail kommt, dann eher von einem Gast, der an einem vollen Youngsters-Abend eine Person offensichtlich weiblich gelesen hat und das nicht gut findet. Dann denke ich mir auch: Also davon geht die Welt nicht unter …
„Es geht darum, gesehen zu werden, sich nah zu sein und sich gegenseitig durch die Nacht zu begleiten.“
Bei all euren Events geht’s um Wellness. Wie wichtig ist der Sex dabei? Wie sollen wir das messen? (lacht) Als Betreiber und passionierter Saunagänger weiß ich, dass für viele Gäste Körperkontakt und Kuscheln mindestens genauso wichtig sind. Es geht darum, gesehen zu werden, sich nah zu sein und sich gegenseitig durch die Nacht zu begleiten. Genauso kann es aber auch sein, dass du in der Mittagspause horny bist, in den Boiler kommst – und nach einer Dreiviertelstunde und einem tollen Orgasmus stehst du wieder auf dem Mehringdamm. Das Schöne ist ja: Du kannst an sexpositiven Orten wie diesen beides finden!
Boiler
Mehringdamm 34 (Kreuzberg)
täglich von 12:00 – 6:00
Wochenende/ feiertags: durchgängig, Eintritt ab 26 Euro (Frühkommer/Nachtschwärmer/unter 28: 19 Euro)
boiler-berlin.de
Clubsauna
Mehringdamm 32 (Kreuzberg)
Eingang beim Metropol-Hostel
Ticket: 23 Euro (unter 28: 18 Euro)
clubsauna.berlin
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