Kinostart 02. April

Coming-of-Age-Drama an der Cote d'Azur: „Enzo“

2. Apr. 2026 Axel Schock
Bild: Salzgeber
Eloy Pohu als Enzo erlebt unerfülltes Begehren im sommerlichen Südfrankreich

In Robin Campillos Coming-of-Age-Drama sucht der 16-jährige Auszubildende Enzo seinen Platz im Leben – und verliebt sich auf einer Baustelle in einen älteren Kollegen aus der Ukraine

Irgendwas stimmt mit dem Jungen nicht. Anders können sich Enzos fürsorgliche Eltern nicht erklären, weshalb ihr 16-jähriger Sohn (Eloy Pohu) sich einer akademischen Karriere und damit einem großbürgerlichen Leben verwehrt und stattdessen eine Maurerlehre anfängt. Es ist eine diffuse Unruhe, die den wortkargen und introvertierten Teenager antreibt, sich den familiären Erwartungen entgegenzustellen und seinen eigenen Weg ins Erwachsenenleben zu finden. Für seine Arbeitskollegen auf der Baustelle ist es wiederum nicht nachvollziehbar, weshalb ein Sohn aus besserem Hause, der in einer modernen Villa mit Swimmingpool und Meerblick aufwächst, sich beim Sandschippen und Steineschleppen schindet.

Tatsächlich tut sich Enzo schwer mit diesem Job, doch dann nimmt ihn der ukrainische Kollege Vlad (Maksym Slivinskyi) unter seine Fittiche. Für Enzo ist der 25-jährige Charmeur bald mehr als nur ein zugewandter Mentor. Er verkörpert für den Jugendlichen all das, was er bei sich selbst vermisst: Entschlossenheit, Selbstbewusstsein und eine klare Identität. Und anders als Enzo verfügt sein Leben über eine existenzielle Dringlichkeit, steht dieser doch vor dem Dilemma: in Frankreich bleiben oder in die Ukraine zurückkehren und dort im Krieg kämpfen? Seine Zukunftsaussichten sind weitaus fragiler als die des letztlich privilegierten Enzo.

Vor allem aber weckt Vlad eine wachsende Sehnsucht nach Zuneigung und körperlicher Nähe. Es sind Empfindungen, die den Jugendlichen noch weiter verunsichern.

Vor allem aber weckt Vlad eine wachsende Sehnsucht nach Zuneigung und körperlicher Nähe. Es sind Empfindungen, die den Jugendlichen noch weiter verunsichern, zumal sie von Vlad freundlich, aber bestimmt zurückgewiesen werden. „Enzo“ erzählt wahrlich keine neue oder überraschend anders umgesetzte Geschichte. Berührende, die Verwirrung der Gefühle auslotende queere Coming-of-Age-Dramen hat insbesondere das französische Kino schon eine ganze Reihe hervorgebracht. Erinnert sei nur an Regisseure wie André Techiné („Wilde Herzen“, „Mit siebzehn“), François Ozon („Sommer 85“) oder Christophe Honoré („Der Gymnasiast“).

Laurent Cantets letztes Projekt

Das wachsende Begehren bleibt in „Enzo“ jedoch unerfüllt. Die körperliche Nähe beschränkt sich auf das erotisch aufgeladene Weiterreichen einer Zigarette, verstohlene Blicke auf den muskulösen Körper und heimliche Berührungen des schlafenden Vlad. Es gibt hier weder das sonst obligatorische sexuelle Erweckungserlebnis, noch das große Coming-out-Moment. Was in dem in sich gekehrten Jugendlichen vorgeht, wird eher subtil angedeutet, als dramatisch nach außen getragen. Gleiches gilt für die Konflikte und Differenzen, die sich für Enzo aus seiner Herkunft aus besseren Verhältnissen und den damit verbundenen Klassenunterschieden ergeben.

In der bewegenden Schlusssequenz prallen schließlich Enzos jugendliche Sehnsucht und Vlads existenzielle Nöte in einem schicksalhaften letzten Telefonat noch einmal aufeinander. Ungeachtet dessen verströmt „Enzo“ Leichtigkeit und die Hitze und das Licht des sommerlichen Südfrankreichs bestimmen die Bilder dieses letzten Projekts von Laurent Cantet. Der 2024 verstorbene Filmemacher („Die Klasse“) hat es nicht mehr selbst inszenieren können und die Umsetzung deshalb in die Hände seines langjährigen Freundes und Co-Autors Robin Campillo gelegt, dem wir „120 BPM“, einen der besten und ergreifendsten Filme zur Aids-Krise, verdanken.

„Enzo“, F/B/I 2025
Regie: Robin Campillo
Buch: Laurent Cantet und Robin Campillo
Mit Eloy Pohu, Maksym Slivinskyi, Élodie Bouchez, Pierfrancesco Favino u. a.
Ab 02.04. im Kino

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