Schock und Trauer

Update: Attentat beim Berliner CSD – Berliner Community trauert

26. Juli 2026 jano/pb/fab
Bild: Jano

UPDATE: Montag, 27.7.2026, 12 Uhr

SIEGESSÄULE war gestern bis Redaktionsschluss vor Ort und fasst die Ereignisse des gestrigen Abends zusammen:

Bewegendes Gedenken im Herzen Berlins

Nach einem zutiefst emotionalen Gottesdienst zog die Trauergemeinde auf einen gemeinsamen Schweigemarsch über die Karl-Liebknecht Straße und Unter den Linden zurück zum Brandenburger Tor. Dort zündeten Vertreter*innen der Community, Politiker*innen, Betroffene, Geistliche und Trauernde Kerzen an und legten zahlreiche Kränze, Blumen und Banner nieder. Im Zentrum eine Regenbogenfahne mit der hoffnungsvollen Botschaft: „Love always wins." Unter den Amtstragenden, die der Community vor Ort ihr Beileid bekundeten, gehörten unter anderem der amtierende Bürgermeister Kai Wegner, Senator für Kultur und Finanzen Stefan Evers, der Queerbeauftragte Alfonso Pantisano und die Frauenrechtlerin Seyran Ateş.

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Trauerbekundung vor dem Brandenburger Tor nach Anschlag auf CSD

Am späten Abend wurde das Brandenburger Tor schließlich in Regenbogenfarben angestrahlt – auf dem Berliner Wahrzeichen prangte in weißen Lettern der Schriftzug: „Berlin, Stadt der Freiheit“.

Täter im Spandauer Kleingarten erschossen

Während des Gedenkens überschlugen sich die polizeilichen Ereignisse am Sonntagabend: Gegen 18:00 Uhr spürten Spezialeinsatzkräfte (SEK) den flüchtigen Attentäter in einer leerstehenden Gartenlaube in Berlin-Spandau auf. Als der Mann die Beamten mit einer Stichwaffe angriff, eröffneten diese das Feuer, der 21-Jährige wurde tödlich getroffen. Bei dem Getöteten handelt es sich um den in Deutschland geborenen Abdul Ballout mit libanesischen Wurzeln, der den Behörden bereits seit Längerem als islamistischer Gefährder und Sympathisant der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) bekannt war. Ballout hatte am Samstagabend das Attentat verübt, indem er einen angemieteten weißen Transporter im Großen Tiergarten gezielt in eine Menschenmenge steuerte und anschließend mit einer Stichwaffe auf die friedlich Demonstrierenden losging. Laut Bundeskanzler Friedrich Merz handelte es sich bei der Tat um einen „terroristischen islamistischen Anschlag". Die Generalbundesanwalt hat die Ermittlungen übernommen.

Ermittlungen zu Mittätern

Ein zweiter Verdächtiger, der im Zusammenhang mit dem Anschlag auf den CSD in Berlin gesetzt wurde, ist laut Angaben der ZEIT inzwischen wieder aus dem Polizeigewahrsam entlassen wurden. Der gegen den Mann bestehende Verdacht habe sich im Laufe der Ermittlungen nicht erhärtet, teilte die Pressesprecherin der Bundesanwaltschaft auch gegenüber dem SPIEGEL mit.

Zustand der Opfer

Der TAGESSPIEGEL meldete unterdessen, dass die Berliner Krankenhäuser, darunter die Charité Berlin, leichte Entwarnung zum Zustand der Opfer geben: Bei den insgesamt 29 Verletzten und Betroffenen des Attentats wurden vor allem schwere Stichverletzungen und Knochenbrüche behandelt. Neben einer Frau, die noch direkt am Tatort ihren schweren Verletzungen erlag, befinden sich laut Angaben der Polizei mittlerweile alle weiteren Opfer außer Lebensgefahr.


UPDATE: Sonntag, 26.7.2026, 17 Uhr

Im Anschluss an die Mahnwache auf dem Pariser Platz begann ein Gottesdienst in der St. Marienkirche am Alexanderplatz, zu dem auch Bundeskanzler Friedrich Merz erschien, kurz zuvor hatte er sich vor den Mikrofonen geäußert. Auch die Bundesjustizministerin Stefanie Hubig gab ein Interview: „Dieser Anschlag erschüttert uns”, sagt sie, betont aber auch, die Demokratie werde jetzt zusammenstehen.

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Bundeskanzler Merz vor dem Trauergottesdienst

Im Rahmen des Gottesdienstes kamen verschiedene weitere Stimmen zu Wort. Unter anderem Seyran Ates von der liberalen Ibn Rushd-Goethe-Moschee. „Wir müssen den islamistischen Missbrauch unserer Religion benennen und bekämpfen,“ sagte sie. „Liebe ist halal und erlaubt. Gib uns die Kraft für Frieden und Freiheit einzustehen.“

Der Gottesdienst dauert zur Stunde noch an. Im Anschluss soll ein Schweigemarsch, organisiert von Maneo, von der St. Marienkirche zum Brandenburger Tor ziehen. Unter anderen daran teilnehmen sollen der Regierende Bürgermeister Kai Wegner sowie der Vorstand des CSD e. V.

UPDATE: Sonntag, 26.7.2026, 16 Uhr

Laut Veranstalter*innen kamen am Sonntag, den 26. Juli um 14:00 um die 8–10.000 Menschen zu einer Mahnwache an den Pariser Platz. Dazu aufgerufen hatte der FLINTA*-Chor D-Dur Dykes*. Die Orgas bekundeten in ihrer Rede Dankbarkeit für jede einzelne Person, die trotz der großen Verunsicherung nach dem Terroranschlag vom vergangenen Abend gekommen war: „Wir alle tragen dazu bei, dass wir eine Zukunft haben können, die lebenswert ist. Und wenn ihr euch mal gefragt habt, was ihr als einzelne Person überhaupt machen könnt. Dann möchte ich sagen: Jede einzelne Person ist wichtig und trägt dazu bei, dass wir überleben.“

Auch Dragqueen und Aktivistin Barbie Breakout appellierte in ihrer emotionalen Rede an den Zusammenhalt in der Community, betonte, dass die Feinde der Community nicht innerhalb, sondern außerhalb zu suchen seien und erhielt insgesamt viel Applaus für ihre Worte: „Wir Queerlinge haben ein Talent für Magie, wenn wir zusammen sind. Wenn wir am gleichen Strang ziehen, wenn wir unsere Unterschiede mal hintenan stellen und uns stattdessen auf unsere Gemeinsamkeiten konzentrieren. Wir haben Zugang zu etwas, das uns eine ungeheure Kraft gibt, wenn wir es zulassen. We can literally move mountains und we‘ve done it before. Denkt an die verdammte Aidskrise. Doch diese Magie stellt sich nur her, wenn wir tatsächlich zusammenstehen.“

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Mahnwache vor dem Brandenburger Tor

Ebenso machte sie ihren Standpunkt zur möglichen Instrumentalisierung dieses Attentats durch rechte Kräfte deutlich: „Nach allem, was wir bisher wissen, scheint es ein islamistischer Terroranschlag gewesen zu sein. Durchgeführt von einem Täter, der bei der Polizei bereits aktenkundig war. Dass das natürlich Wasser auf die Mühlen verschiedener politischer Strömungen ist, ist uns glaube ich allen klar. Gerade so kurz vor den Wahlen. Lasst uns auch da bitte wachsam sein. Die möglichen Täter zu benennen ist das eine. Islamismus ist per se queerfeindlich, freiheitsverachtend. Islamismus tötet. Das sind Fakten. Daraus darf aber keine Islamophobie entstehen. Kein Argwohn gegenüber unseren muslimischen Mitmenschen.“

Viele bekannte Gesichter aus der LGBTIQ*-Community sind gekommen, alle eint der entschiedene Wille, gerade jetzt zusammenzustehen, und sich im Vorfeld der Wahlen im Herbst nicht zum Teil einer möglichen politischen Ausschlachtung dieser Tragödie zu machen. So betont es beispielsweise Aktivist Nasser El-Ahmad im Gespräch mit SIEGESSÄULE: „Sowas hat überhaupt keinen Platz für mich. Egal ob rechts oder links, das ist mir scheißegal. Es geht hier um einen Menschen, der sein Leben verloren hat. Es geht darum, dass eine Demonstration, die für Liebe und Vielfalt steht, angegriffen wurde. Da hat Politik absolut nichts zu suchen. Man kann mittrauern, man kann mitfühlen, aber man darf das nicht instrumentalisieren.“

Nasser selber war zum Zeitpunkt des Anschlags bzw. des Abbruchs des CSDs mit Freunden hinter der Bühne. „Und plötzlich gab es ganz groß die Mitteilung, ruhig und geordnet nach Hause zu gehen und wir sind dann Richtung Alexanderplatz gelaufen, ohne zu wissen, was eigentlich passiert ist. Bis dann irgendwann die Nachricht kam, dass ein Auto in eine Menschenmasse gefahren ist,“ schildert er seine Eindrücke. Seinem Empfinden nach, sei die Evakuierung ruhig und geordnet abgelaufen. „Da haben Polizei und Veranstalter sehr gut interagiert.“

Aktivistin Annett Audehm betont im Gespräch ebenfalls die Notwendigkeit, in der Tragödie zusammenzustehen: „Aus der Trauer wird manchmal Wut. Lasst uns das W umdrehen, dann wird es Mut. Und diesen Mut brauchen wir jetzt alle, um zusammenzustehen, um zu sagen: Jetzt erst recht. Wir stehen zusammen, wir bleiben sichtbar, wir lassen uns nicht vereinnahmen oder wegradieren. Wir sollten uns jetzt auf unsere Community konzentrieren.“

Bild: picture alliance / dts-Agentur | dts Nachrichtenagentur GmbH

Sonntag, 26.7.2026, 11 Uhr

Der CSD wurde gestern Abend abgebrochen und das Gelände evakuiert. Ein Fahrzeug ist nach Polizeiangaben im Tiergarten in eine Menschenmenge gerast. Eine Person kam ums Leben, 15 weitere wurden verletzt

Der Berliner CSD musste abgebrochen werden. Gegen 22:15 Uhr wurde die Abschlusskundgebung am Brandenburger Tor unterbrochen. Auf den LED-Screens wurde das Wort „Evakuierung“ eingeblendet, und die Besucher*innen wurden aufgefordert, das Gelände ruhig und geordnet zu verlassen.

Wie die Berliner Polizei auf X vermeldete, ist offenbar ein Fahrzeug – laut Bild-Informationen ein weißer Transporter – auf Höhe der Lennéstraße in den Tiergarten in die Menschenmenge gerast. Polizei und Rettungskräfte sind im Einsatz. Nach Angaben der Polizei kam eine Person ums Leben, 15 wurden verletzt.

Die Fahndung nach den flüchtigen Tatverdächtigen läuft. Mehr offizielle Informationen zur aktuell gesuchten Person finden sich hier.

Hinweise können über das Hinweisportal der Polizei Berlin, das Hinweistelefon 030 54024111 oder jede andere Polizeidienststelle gegeben werden.

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