Der vergessene Prinz: Heinrich von Preußen
Heinrich von Preußen gilt als einer der geschicktesten Diplomaten und erfolgreichsten Feldherren des 18. Jahrhunderts, blieb aber vor allem wegen seiner Zuneigung zu Männern in Erinnerung. Wer war dieser Prinz, der am 18. Januar vor 300 Jahren im Berliner Schloss geboren wurde?
Dieser Hohenzollern-Prinz war das 13. Kind des „Soldatenkönigs“ Friedrich Wilhelm I. und seiner Gemahlin Sophie Dorothea von Hannover und somit ein jüngerer Bruder des Kronprinzen Friedrich, der als Friedrich II. ab 1740 ein gutes halbes Jahrhundert die Geschicke des preußischen Staates lenken sollte. Genau genommen steuerte dieser sie jedoch nicht alleine, sondern unter maßgeblicher Beteiligung, aber auch massiver Kritik seines 14 Jahre jüngeren Bruders, der nicht nur als Politiker, Diplomat und Feldherr außergewöhnlich erfolgreich war, sondern als Feingeist und Liebhaber der schönen Künste Schloss Rheinsberg, das er fünf Jahrzehnte seinem Palais Unter den Linden (heute: Humboldt Universität) vorzog, zu einem bedeutenden Musenhof entwickelte.
Dass Rheinsberg derzeit immer noch nur mit den glücklichen Kronprinzenjahren Friedrichs II. assoziiert wird, offenbart das Dilemma der Bruderrolle, auf die Heinrich schon zu Lebzeiten festgelegt war, sodass er selbst historisch nahezu unsichtbar blieb. Friedrich, der all seinen Geschwistern den königlichen Willen aufzwang, hielt niemanden so klein wie Heinrich, wohl auch, weil er mit ihm eine Vorliebe für junge Männer teilte – neben der politischen eine persönliche Rivalität, die eine der essenziellen Ursachen für das lebenslange Zerwürfnis der beiden Brüder war.
„Im Moment schmachtet er nach Liebe und dichtet Ihnen zu Ehren Elegien voller heißer Küsse.“
1746 zeigt sich der König in einem Brief unverhohlen eifersüchtig auf einen Pagen namens Marwitz, der sich dem 20-jährigen Heinrich zugewandt hatte: „Ihrem kleinen Liebling geht es sehr gut, und wenn er schön brav bleibt, sehen Sie ihn bald wieder. Im Moment schmachtet er nach Liebe und dichtet Ihnen zu Ehren Elegien voller heißer Küsse.“ Heinrich, von Zeitgenossen wiederholt als reizend und charmant bezeichnet, war im Schatten des Bruders offenbar wesentlich erfolgreicher im Werben um Favoriten, die ihm als Kammerherren oder Adjutanten nicht nur emotionale, sondern auch körperliche Nähe schenkten. Einige nutzten die Zuneigung des Prinzen, um ihre Karriere voranzutreiben, andere spekulierten auf materielle Vorteile, nur wenige wurden zu echten Vertrauten. Der Letzte unter ihnen erbte die privaten Papiere des Prinzen, der 1802 im Rheinsberger Schloss starb.
2026 wird nun in Rheinsberg das Jubiläumsjahr „h300“ gefeiert. Die Auftaktveranstaltung findet am 18.01. im Schlosstheater statt. Leider ist keine Neuauflage von Eva Zieburas vergriffener Biografie geplant, die 1999 erstmals offen übers Sexleben Heinrichs berichtete. Dafür eröffnet im Mai im Haus der Stadtgeschichte eine neue Ausstellung, die dezidiert auch auf Heinrichs Liebesleben eingeht.
Jubiläumsjahr „h300“
Heinrich von Preußen (1726–1802)
300jahreheinrich.de/
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