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Kommentar

Drag: Empowerment für Kinder!

2. März 2023 Thomas Schwarz
Bild: Jon Viscott/WeHoCity CC BY-NC-ND 2.0 Quelle
Dragqueens lesen Kindern vor bei der „Drag Queen Story Hour"

Per Gesetz sollen in einigen US-Bundesstaaten wie Arizona, Texas oder Arkansas öffentliche Auftritte von Drag-Queens und Kings verboten werden. Denn konservative Republikaner*innen sehen in ihnen eine Gefahr für Kinder und Jugendliche. In Tennessee wurde ein entsprechendes Gesetz bereits Mitte Februar vom Parlament verabschiedet und muss nur noch vom Gouverneur unterzeichnet werden. Thomas Schwarz vom LSVD Berlin Brandenburg, der u. a. in Berlin ein Festival für queere Jugendliche initiiert hat, kommentiert

Was haben US-Bundesstaaten wie Arkansas und Arizona gemeinsam? Die gleichen rückständigen Politiker*innen. Die gehen nämlich gerade mit mehreren Gesetzesentwürfen gegen Dragqueens vor. Dragqueens, das sind ihnen zufolge Personen, die die Unschuld von Kindern zerstören. Deswegen fordern sie, dass Dragshows erst ab 18 Jahren besucht werden dürfen und genauso behandelt werden wie Sexshops oder Escort-Agenturen: Adult-oriented Business eben.

Senator Gary Stubblefield aus dem US-Bundestaat Arkansas behauptet öffentlich, dass Dragqueens die Unschuld von Kindern stehlen würden. Diese gesamte Debatte und ihre Inhalte machen mich nicht nur traurig und wütend – sie ist schlichtweg falsch. Sie ist ein Abziehbild einer konservativen Strömung, die Menschen ausbremst statt sie zu unterstützen. Kinder und Jugendliche nehmen keinen Schaden am Anblick einer Dragqueen oder eines Dragkings. Soviel ist sicher.

„Eine rückständige und zutiefst konservative Gesellschaft möchte mit aller Macht an der Geschlechterbinärität festhalten."

Die traurige Realität ist, dass eine rückständige und zutiefst konservative Gesellschaft an der Geschlechterbinärität mit aller Macht festhalten möchte. Menschen, wie Gary Stubblefield haben Bildungslücken. Ihnen fehlt das Wissen, dass es eine Skala zwischen Mann und Frau gibt und sich mit Geschlechtsausdruck sogar ganz wunderbar spielen lässt.

Als Pädagog*innen stehen ich und mein Team hier in Berlin fast täglich vor Schulklassen, um sie für geschlechtliche und sexuelle Vielfalt zu sensibilisieren. Zusammen mit dem SchwuZ veranstalten wir als LSVD Berlin-Brandenburg das Festival QueerZ für queere Jugendliche. Dragworkshops, Performances und der Austausch mit den Drags sind dabei stets ein wichtiger Teil unserer Veranstaltung.

Es ist großartig und hoffnungsvoll zu sehen, wie auf der QueerZ junge Menschen ihre Scheu ablegen, mit Geschlechtsausdruck spielen und sich ausprobieren – geschützt und im Bewusstsein: Sie sind genau so richtig wie sie sind. Drags unterstützen sie dabei – empowern sie und zeigen, dass sie alles sein dürfen, hören zu, lassen sie auf der Bühne mitwirken und teilen ihre ganz eigene Geschichte.

„Drags zeigen, dass diese Kategorien nicht nötig sind."

Viel zu sehr ist unsere Gesellschaft auf binäre Rollenmodelle ausgelegt – vom Spielzeug bis zur Farbe - erliegen wir der Annahme, was für welches Geschlecht bestimmt ist. Drags zeigen, dass diese Kategorien nicht nötig sind. Jungs können Prinzess*innen sein, Mädchen können Superheld*innen sein. Sie regen an, sie beflügeln die Fantasie und sie sind ein wunderbares Vorbild für Emanzipation. Dragkings und Dragqueens vermitteln wichtige Werte – sie stehen für Toleranz, Respekt, Vielfalt und Antidiskriminierung.

Kinder und Jugendliche sind fasziniert von all dem Glitzer, dem schrillen Make-up und dem Humor, den viele Drags mit auf die Bühne bringen. Diese Faszination ist wunderbar. Sie zeigt jungen Menschen wie bunt und unangepasst sie sein können und entwickelt sie weiter. All das hat nichts mit Frühsexualisierung zu tun – diesen Vorwurf müssen sich nicht nur Drag-Künstler*innen aus den USA anhören, sondern aktuell auch Dragqueens aus Mecklenburg-Vorpommern, die an Schulen Aufklärungsarbeit betreiben. Er kommt von einer Partei, die alles andere als eine Alternative ist.

Mit Kindern und Jugendlichen frühzeitig über Sexualität und Diversität zu sprechen, und sie zu unterstützen die Vielfalt der Gesellschaft als wertvoll und liebenswert zu erachten, sollte in unserer aller Interesse liegen. Und es ist auch unser aller Aufgabe über den Tellerrand zu schauen und einer queerfeindlichen Politik entgegenzutreten. Eine Politik, die ausgrenzt, Hass schürt und am Ende auch Menschen verletzt.

Vielleicht sollten wir unsere Kinder mehr vor Menschen wie Gary Stubblefield und anderen konservativen Politikern schützen. Das wäre echter Jugendschutz.

QueerZ findet 2023 an folgenden Terminen statt:
Open-Air am 24. Juni in der Kinderwelt am Feld (Oderstr. 174, Neukölln)
Club-Edition am 25. November im SchwuZ (Rollbergstr. 26, Neukölln)

Bild: Thomas Schwarz
Thomas Schwarz ist Projektleiter für den Bereich „Aufklärung und Sensibilisierung zu LSBTI-Themen" beim Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg und Initiator des Festivals „QueerZ“

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