Die Geschichte der Sendung „Eldoradio“

Queere Radiorebellen der 80er – „Eldoradio“ als Podcast

1. März 2021
Bild: SIEGESSÄULE/J.AEVERMANN
Das Eldoradio-Team 1987, fotografiert für die SIEGESSÄULE

Politik, Kultur, Sex oder HIV und Aids – dies waren die Themen von „Eldoradio“. In der wilden 80er-Jahre Aufbruchstimmung in West-Berlin ging kurz nach Gründung der SIEGESSÄULE (1984) auch Berlins erstes queeres Radiomagazin im Jahr 1985 auf Sendung, existierte aber nur bis 1991. Bis heute sind SIEGESSÄULE und Eldoradio eng personell und thematisch miteinander verbunden, was in diesem vom SIEGESSÄULE-Verlag Special Media SDL durchgeführten Geschichtsprojekt deutlich wird

Lesben und Schwule nahmen sich in Eldoradio bissig, witzig und immer kritisch, der brennenden Themen der Zeit an. Zunächst im Kabel, dann (von 1987 bis 1991) frei über Antenne zu empfangen, beim ersten Berliner Privatsender Radio 100, schrieb Eldoradio Medien- und LGBT-Geschichte. Mit Ausschnitten aus den Sendungen des Radiomagazins und Talk-Gästen geht der neue „Eldoradio Podcast“ auf Zeitreise. Mit 7 Folgen, die ihr euch über Deezer, Soundclod und Spotify anhören könnt, entführt er in das rebellische Berlin der 1980er-Jahre.

Pornografische Kurzhörspiele, verrückte Jingles oder die unerwartete Stimme der Ex-Freundin: Im „Eldoradio Podcast“ hören ehemalige Moderator*innen, Redakteur*innen und andere Gäste teilweise erstmals seit Jahrzehnten Ausschnitte aus „Eldoradio“. Die von 1985 bis 1991 ausgestrahlte lesbische-schwule Radiosendung, die seit 1987 zunächst einmal, später zweimal wöchentlich auf Berlins erstem privaten, links-alternativen Radiosender Radio 100 zu hören war, prägt bis heute die queere Medienlandschaft sowie die LGBTI-Szene der Stadt. Über die alten Sendungsausschnitte kommen die Gäste mit den Podcast-Moderator*innen Manuela Kay und Tobias Sauer ins Gespräch darüber, was seinerzeit unter den Nägeln brannte. Politik, Sex, HIV und Aids, Kultur oder das Verhältnis von Schwulen und Lesben in der Szene. Was hat die Macher*innen damals motiviert? Was waren die Hindernisse und Herausforderungen, Erfolge und Niederlagen? Eine Podcast-Serie über eine rebellische und lautstarke Minderheit, über das Berlin der 1980er, und eine Radiosendung, die heute völlig undenkbar wäre.
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Das Eldoradio-Team, stets gut gelaunt und tanzend, an einem Straßenstand vor Wandas Kleiner Philharmonie – und schon damals unterstützt von SIEGESSÄULE

Eldoradio Podcast #1 – Was war Eldoradio?

Eines ist klar: Ohne Eldoradio würde die queere Medienlandschaft in Berlin heute ganz anders aussehen. Auch Manuela Kay war seit 1986 Teil des Eldoradio-Teams. In dieser ersten Folge des siebenteiligen „Eldoradio-Podcasts“ berichtet die Verlegerin von SIEGESSÄULE und L-MAG, welche todesmutigen Schritte sie unternahm, um bei Eldoradio vors Mikrofon zu kommen und wie ihr die Sendung anschießend Gelegenheit bot, sich tabu- und respektlos auszuprobieren. Für Manuela Kay war das eine lebensverändernde Erfahrung: „Der Spaß und die Erfahrung bei Eldoradio haben mich zur Journalistin gemacht.“ Sie stellt die Gründer von Eldoradio und deren Ideen vor, berichtet von der Produktion der einzelnen Sendungen und wie Eldoradio überhaupt zu empfanden war. Vor allem aber erklärt sie, wie Dildos damals Radiojingles inspirieren konnten, warum sie Eldoradio sogar beim Sex hörte, und ob sie es bedauert, nach dem Ende der letzten Eldoradio-Sendung nicht zur Gewalt aufgerufen zu haben. Exklusiv für alle Hörer*innen des "Eldoradio Podcasts" hat sie außerdem die besten Songs der Eldoradio-Zeit in einer Playlist zusammengestellt. Hier entlang zu Spotify oder zu Soundcloud!

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Eldoradio Podcast #2 – Lesben und Schwule gemeinsam bei Eldoradio

Eigentlich studierte Angela Gobelin an der Kirchlichen Hochschule in Berlin Theologie, um Pfarrerin zu werden. Doch ein Besuch im Eldoradio-Studio funkte dazwischen und stellte ihre Zukunftsplanung völlig auf den Kopf. Während eines Studiogesprächs, zu dem sie als Gast eingeladen war, packte sie nämlich das Radio-Fieber, als sie zum ersten Mal das Aufnahmelicht leuchten sah. Direkt danach wurde Angela Gobelin die erste lesbische Mitarbeiterin von Eldoradio. Als fester Teil des Eldoradio-Kosmos produzierten Lesben anschließend aufwändige Science-Fiction-Hörspiele, setzten sich in Essays mit dem Verhältnis von Feminismus und Homosexualität auseinander oder besuchten für Reportagen zum Thema Pornographie schon einmal schwule Sexshops. In der zweiten Episode des „Eldoradio-Podcasts“ erzählt Angela Gobelin von der Skepsis, die Eldoradio unter Lesben ursprünglich entgegenschlug, vom Kampf um lesbische Sichtbarkeit und warum die Homo-Ehe für sie eine Frage der Gerechtigkeit ist.

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Bild: Manuela Kay
Angela Gobelin (mi) mit den Moderator*innen Manuela Kay (li) und Tobias Sauer (re) beim Eldoradio Podcast

Eldoradio Podcast #3 – Das Berlin der '80er, der Mauerfall und Eldoradio

Längst stand die große Eldoradio-Lesben-Party im November 1989 auf dem Programm, als überraschend die Mauer fiel. Hunderte Ost-Berliner Eldoradio-Hörer*innen strömten nach Kreuzberg, um mitzufeiern. Und weil die noch kein West-Geld besaßen, durften sie ihr Bier dort mit Ost-Mark zahlen. Nie sollte es dem Eldoradio-Team in den kommenden Monaten gelingen die eingenommen Ost-Mark in Ost-Berliner Kneipen wieder zu vertrinken. Die Anekdote zeigt: Weil Radiowellen an Mauern nicht Halt machen, hatte die 1985 gegründete West-Berliner Sendung Eldoradio zahlreiche Hörer*innen in Ost-Berlin. Davon berichtet in der dritten Episode des „Eldoradio-Podcasts“ die Eldoradio-Mitarbeiterin Andrea Winter. Sie erklärt auch, warum eine provokante und radikale Sendung wie Eldoradio damals fast nur in West-Berlin denkbar war, warum ihre Freund*innen sie vor ihrem Umzug aus Franken in die große Metropole gewarnt hatten und ob sie froh ist, darauf nicht gehört zu haben.

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Eldoradio Podcast #4 – Sex, Pornographie und Tabubrüche im Radio

Sex ist allgegenwärtig. Und dennoch scheint Joachim Schulte die heutige Zeit prüde, jedenfalls im Vergleich zu den 1980ern. Damals sendete Eldoradio sogar lesbische pornografische Kurzgeschichten im Nachmittagsprogramm in den Äther, wie ein Mitschnitt beweist. Doch anders als heute stand nicht die Kommerzialisierung sexueller Beziehungen im Fokus, sondern der selbstbewusste Kampf um Gleichberechtigung. In der vierten Episode des „Eldoradio-Podcasts“ plaudert der langjährige Eldoradio-Redakteur und -Moderator Joachim Schulte aus dem Nähkästchen. „Über Sex zu reden, war damals noch ein Tabubruch“, sagt er. Deshalb ist es keine Überraschung, dass die offensive Auseinandersetzung mit Sex auch innerhalb von Radio 100, dem Sender, auf dem Eldoradio ausgestrahlt wurde, umstritten war. Beispielsweise, wenn es um Pornografie und die von Alice Schwarzer initiierten PorNo-Kampagne ging. Im Gespräch berichtet Joachim Schulte außerdem, wie HIV und Aids die queere Szene prägten und warum auch Lederkerle im Grunde ihres Herzen spießig sein konnten.

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Eldoradio Podcast #5 – Die HIV- und Aids-Krise in der Berichterstattung von Eldoradio

Als bei Dirk Ludigs bestem Freund eine HIV-Infektion diagnostiziert wurde, war der gerade 17 Jahre alt. Mit 24 Jahren ist er an Aids gestorben. HIV und Aids haben die schwul-lesbische Community Berlins in den 1980ern und 1990ern aufs Tiefste erschüttert. Auch in der Arbeit von Eldoradio, Deutschlands erster queerer Radiosendung, war HIV und Aids deshalb regelmäßig Thema von Reportagen, Berichten und Kommentaren. Dirk Ludigs, der sich als Journalist bei Eldoradio früh dem Thema widmete, berichtet in der fünften Episode des „Eldoradio-Podcasts“, wie das Aufkommen von HIV ihn und die Community damals überrollte und welcher Druck von einer teilweise hysterisch wirkenden Öffentlichkeit aufgebaut wurde. „Die Leute fragten sich: Wie lange dauert es, bis die Schwulen die Republik mit HIV verseuchen?“, erinnert er sich. Er erzählt aber auch wie die schwul-lesbische Szene reagierte, um der Gefahr zu begegnen und ob wir daraus etwas für den Umgang mit der Corona-Pandemie lernen können.

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Eldoradio sendet live von der Funkausstellung 1987, am Mikrofon Joachim Schulte (links), an der Technik Harry Klein (ganz rechts im Bild)

Eldoradio Podcast #6 – Zwischen Weltrevolution und Abgeordnetenhaus: Politik bei Eldoradio

Er war der erste offen schwule Abgeordnete in einem deutschen Parlament: Im Jahr 1985 zog Stefan Reiß für die Alternative Liste (AL), die Vorläufer-Partei der Grünen, in das West-Berliner Abgeordnetenhaus ein. Damit war er Dauerobjekt der Berichterstattung durch Eldoradio. In der sechsten Episode des "Eldoradio Podcasts" erzählt er, wie Eldoradio auf Hörer*innen wirkte. „Wie jede gute Radiosendung bot Eldoradio immer Anlass, sich zu ereifern und eine Position zu beziehen. Und es ist ja schon ein Gewinn an sich, wenn die Leute endlich mal eine Position haben“, erinnert er sich. Stefan Reiß gibt aber auch Einblicke in seine Zeit als Abgeordneter der AL, die von den anderen Fraktionen des Abgeordnetenhauses mit skeptischer Vorsicht betrachtet wurden. Er berichtet, welche Themen ihn in jenen Jahren besonders beschäftigten, warum er nach zwei Jahren froh war, dem Parlament wieder den Rücken zu können, und welche Eigenschaften es braucht, um im Politikbetrieb nicht verrückt zu werden.

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Eldoradio Podcast #7 – Von Kreuzberger Hinterhoftheatern auf den roten Teppich: Kultur bei Eldoradio

Die 1980er waren die goldene Zeit des West-Berliner Kulturlebens. In Kreuzberger Hinterhöfen präsentierten winzige Theater neueste Stücke, die den Vergleich mit New-Yorker-Produktionen nicht scheuen brauchten. Der Kulturjournalist Axel Schock, der bei Eldoradio regelmäßig darüber berichtete, nimmt uns in dieser siebten und letzten Episode des „Eldoradio-Podcasts“ mit in eine Zeit, die nach Aufbruch schmeckte. Schließlich entstanden damals nicht nur Eldoradio und andere Medien wie die Siegessäule, auch der lesbisch-schwule Filmpreis „Teddy“ wurde erstmals vergeben. Eins immerhin hat sich bis heute nicht geändert: Schon damals sorgten Entscheidungen der Jury für Streit, wie Ausschnitte aus den damaligen Eldoradio-Sendungen beweisen. Dass die Arbeit von Axel Schock und den anderen Redakteur*innen auch in Ost-Berlin auf Interesse stieß, zeigten indes nicht nur die Reaktionen von Hörer*innen, die sich mit Veranstaltungstipps und Fragen an ihn wandten. Sogar die Stasi sammelte über ihn Informationen und legte eine Akte an.

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Dieses Projekt wurde mit Mitteln der Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung mit der Landesstelle für Gleichbehandlung gegen Diskriminierung, Fachbereich LSBTI gefördert.

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