Femme „as fuck“: Was bedeutet queere Femininität?

Dieses Mal geht es bei den Style Files nicht um Trends, sondern um eine Identität, die oft klein oder unsichtbar gemacht wird: die der Femmes. Was steckt hinter „Femme Erasure“ und was macht queere Femininität so subversiv?
Wer feminin auftritt, wird schnell für hetero gehalten oder in der eigenen queeren Identität nicht ernst genommen. Weiblichkeit gilt vielen nur dann als glaubwürdig, wenn sie für Männer da ist. Oft gilt noch immer ein Bild der maskulinen Lesbe allein als „sichtbar“ lesbisch.

„Queere Femininität heißt, dass ich meine Gayness nicht beweisen muss, dass ich aussehen kann, wie ich will, bei mir selbst bleibe und stolz bin.“
Daher wird Femininität in queeren Beziehungen häufig nur im Kontrast zu Maskulinität verstanden, als müsste eine Femme* zusammen mit einer Masc* auftreten, um überhaupt als queer gelesen zu werden.
Die Liste an Vorurteilen ist lang und hat tiefe Wurzeln in der – Trommelwirbel – Misogynie. Wenig überraschend reproduziert sich diese auch in unseren Kreisen. Ich habe Femmes gefragt: Was bedeutet queere Femininität für euch? Viele Befragte betonten, dass sie sich bewusst für Femininität entschieden haben, um sich gerade entgegen aller gesellschaftlichen Erwartungen an Weiblichkeit und Queerness selbst treu zu bleiben. Lolita Va Voom schrieb beispielsweise: „High Heels, lange Haare, lange Nägel, ich code mich nicht als queer, aber bin trotzdem lesbisch as fuck. Ich liebe das Plus-Plus.“ Lisa schreibt: „Queere Femininität heißt, dass ich meine Gayness nicht beweisen muss, dass ich aussehen kann, wie ich will, bei mir selbst bleibe und stolz bin.“
Lesben lieben sie, Männer hassen sie
Femmesein ist dabei alles andere als Anpassung, wie von radikalen Feministinnen in der Vergangenheit häufig behauptet, sondern ein Spiel und ein Bruch mit Normen und Kategorien. Femme-Mode und Hyperfemininität bei FLINTA* sind kreativ, detailorientiert und oft „zu viel”, was genau der Punkt ist. High Heels, Miniröcke, Maxiröcke, knalliger Lippenstift, Baby Tees, buntes, extravagantes Make-up, lange Nägel als Kunstwerke (wobei zwei bis drei Nägel kurz bleiben), klimpernde Accessoires, Ringe und Ohrringe, gebleichte Augenbrauen. Zitat von Joanna: „Lesben lieben sie, Männer hassen sie“. Und Marta ergänzt: „Früher hatte ich Angst 'zu viel' zu sein. Heute hole ich mir meine Hyperfemininität zurück, insbesondere an queeren Orten.“

„Femininität ist mein Zuhause, ein sicherer Ort, der mir oft geraubt wurde. Und sie ist vor allem eins: verspielt. Und davon brauchen wir mehr.“
Femme zu sein heißt letztlich, eine selbst gewählte Femininität zu verkörpern, die das binäre Geschlechtersystem und das Patriarchat herausfordert. Letzteres schränkt ein, will, dass Frauen* sich klein machen. Queere Femininität feiert das Auffällige, das „Mehr-” und „Lautsein“. Mariam schrieb passend dazu: „Femininität ist mein Zuhause, ein sicherer Ort, der mir oft geraubt wurde. Und sie ist vor allem eins: verspielt. Und davon brauchen wir mehr.“
Denn als Sylvia Rivera in Kleid und hohen Schuhen vor dem New Yorker Rathaus im Nachgang der Stonewall-Aufstände protestierte und Marsha P. Johnson einem prügelnden Polizisten ihren High Heel entgegenschleuderte, war schon vor über 50 Jahren klar: Femmesein ist radikal und subversiv in einer Gesellschaft, die Weiblichkeit nur dann duldet, wenn sie leise ist, und sie fürchtet, sobald sie sich zeigt.
SIEGESSÄULE-Redakteur*in Lara Hansen spottet jeden Monat queere Modetrends. Ihr habt ein eigenes Label oder eine coole Idee? Slide into their DMs @larahansen
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