Jubiläumsparty am 1. April

Ficken 3000: Eine Berliner Legende wird 25

30. März 2023 Florian Bade
Bild: Jason Harrell
Frank Müller-Redieß (li.) und Frank Redieß-Müller (re.) vom Ficken 3000

Seit 25 Jahren ist die Darkroomkneipe Ficken 3000 in der Urbanstraße der Stoff, aus dem geile Geschichten gemacht sind. Am 1. April wird das Jubiläum gebührend gefeiert. Wir haben mit den beiden Besitzern über die Geschichte und das Erfolgsrezept des Ladens gesprochen

„Wir hätten niemals damit gerechnet, dass das Ficken 3000 so lange existieren würde. Das war ja auch nicht geplant“, erinnern sich die beiden Franks – Besitzer des Fickens seit 25 Jahren und ein Paar seit 36 Jahren – inmitten ihrer lila schummernden Kneipe. Auf allen Bildschirmen flackern schwarz-weiße Pornos, an der Decke blinkt ein Lichtermeer, die Wände sind übersät mit queerer Kunst, frivolen Fotos und übergroßen Spermaklecksen aus weißer Pappe. „Eigentlich wollten wir in der Hasenheide eine schwule Sauna eröffnen. Und solange die umgebaut wurde, wollten wir hier etwas zu tun haben und unseren Unterhalt verdienen.”

Die treibende Kraft war Frank Redieß-Müller (Frank R.), ehemaliger Schauspieler und Regisseur, der weltweit schon lange wilde, sexpositive Partys organisierte. Als die Finanzierung der Sauna durchfiel, avancierte die Zwischenlösung zum Hauptprojekt. Und sie kamen alle: Kunst- und Kulturschaffende, Queere und Heten, Hinz und Kunz. „Als wir aufmachten, standen die Leute 200 Meter Schlange bis Karstadt. Es war brechend voll!”, erzählt Frank R.

Ihr Erfolgsrezept? Jedem Tierchen sein Pläsierchen. „Wir wollten nie einen Fetischladen, wo man nur mit Dresscode reinkommt. Das sind einfach nicht wir”, erklärt Frank Müller-Redieß (Frank M.) durch Rauschebart und Hornbrille. Jede*r ist willkommen. Sein Ehemann pflichtet ihm bei: „Immer, wenn ich mit einer Horde Freunde unterwegs war, mussten die Frauen irgendwo geparkt werden. Das war furchtbar!”

In der Folge überschlugen sich dann die Ereignisse: Die legendären „Pork”-Partys der Szenelegende Brian Claflin, Lesbenabende, Lesungen, Umbauten, Filmdrehs, Corona und schwupps waren 25 Jahre ins Land gegangen. Was alles zusammenhielt, waren immer die Offenheit und der Darkroom.

Moder und Sperma

Kevin Junk schreibt in seinem Berlin-Roman „Fromme Wölfe” (Querverlag) über die Faszination und Anziehungskraft dieses Ladens: „Der Darkroom im Ficken 3000 hat einen ganz besonderen Geruch. So eine Mischung aus Moder und altem Sperma. ... Höflich und schüchtern sei es in den dunklen Räumen. Niemand falle aber über jemanden her wie ein wildes Tier. Natürlich gebe es komische Begegnungen, aber die seien leicht abzuschütteln. Überraschend zärtlich.“

Doch dieses Exzerpt stimmt leider nur zum Teil. Denn momentan kämpft der Laden mit Übergriffen und Drogen. „Die Codes der jungschen Leute haben sich geändert”, so Frank M. „Toxische Männlichkeit springt dir heute nicht mehr sofort ins Gesicht. Und durch unsere freie Atmosphäre trauen sich manche Männer übergriffig zu werden und machen den Laden dadurch unfrei.”

Hausverbote wurden ausgesprochen und die Tür im Ficken ist härter geworden. Auch der Drogenkonsum macht den Franks Sorgen. „Die mischen einfach alles mit allem und glauben es im Griff zu haben. Das Konsumverhalten ist teilweise echt unverantwortlich geworden”, moniert Frank R. Schon mehrmals musste der Krankenwagen kommen, sogar einen ihrer Veranstalter verloren sie an Ketamin. Fazit: Im Darkroom geht es zwar freizügig weiter, aber mittlerweile mit noch mehr Um- und Vorsicht.

Ungewisse Zukunft

Frank M., eigentlich Politikwissenschaftler, hatte nach acht Jahren Gastro genug, zog sich aus dem Ficken zurück und betrieb zehn Jahre die Kunstgalerie September, bevor er sich zur Ruhe setzte. Frank R. ist trotz seiner Ü60 noch im Bargeschäft und plant sogar die Eröffnung eines sexpositiven Clubs mit mehr Platz. Auch, weil der Mietvertrag des Fickens im April 2025 auslaufen soll und die Zukunft dieser Institution ungewiss ist!

„Für das Jubiläum am 01.04. ist Großes geplant!”, versprechen die beiden Franks. Schmutzig und trashig soll es werden. Mit Dragshow, aber der Rest soll Überraschung bleiben. Auf jeden Fall wird es eine ausschweifende Feier, in der Hoffnung, dass noch viele weitere Kapitel der Erfolgsgeschichte des Fickens geschrieben werden.


25 Jahre Ficken 3000
Big Birthday Bash
01.04. ab 22:00, Ficken 3000

Folge uns auf Instagram

#Ficken3000#Club#Darkroom#Jubliäumsparty

Das Siegessäule Logo
Das Branchenbuch mit Haltung
Queer. Divers. Überzeugend.