Kommentar

Grab von Ella erneut geschändet: Let her go!

29. Juli 2022 Negin Behkam
Bild: Jeanine Eckardt
Grab von Ella Nik Bayan

Zum dritten Mal ist das Grab von der aus dem Iran geflüchteten trans Frau Ella Nik Bayan, die sich vor knapp einem Jahr am Berliner Alexanderplatz anzündete, geschändet worden. L-MAG-Redakteurin Negin Behkam kommentiert

Bald jährt sich Ellas Todestag. Am 14. September 2021 hatte sich die geflüchtete trans Frau Ella am Alexanderplatz öffentlich angezündet. Man müsste eigentlich Blumen zu ihrem Grab bringen, ihr Ruhe und Frieden wünschen. Für Ella gibt es aber keine Ruhe, auch nicht nach ihrem Tod. Ihr Grab auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde in Berlin wurde bereits zum dritten Mal geschändet. Unverzeihlich, widerlich, wie mit Ella hier in Deutschland, in der Mitte Europas, umgegangen wird.

Ella Nik Bayan (†40)

Um Frieden und Schutz vor Verfolgung zu finden, um einfach sie selbst zu sein und ihr Leben leben zu dürfen, floh Ella aus dem Iran nach Deutschland. Sie kam nach Europa, dem Ort, der allen Menschen Freiheit und Sicherheit verspricht. Hat eine geflüchtete trans Frau aus dem Iran nicht dasselbe Recht auf Freiheit und Sicherheit wie andere Europäer*innen? Wieso setzt sich die transfeindliche, rassistische Gewalt gegen Ella sogar nach ihrem Tod fort? Wer macht denn so etwas? Sind es Nazis oder religiöse Fanatiker? Vielen Fragen sind noch offen. Aber fest steht, dass nicht nur Ellas Dasein politisch war. Auch über ihren Tod hinaus, sind die Gedanken an Ella und das Bild, das sie von sich hinterlassen hat, politisch aufgeladen. Als trans Frau, Geflüchtete und Iranerin schlägt ihr der gesammelte transphobe, rassistische und religiös-fanatische Hass entgegen.

Während mehr als eine halbe Million Menschen am letzten Samstag beim Christopher Street Day in Berlin für ihre Rechte demonstrierten und ihre Freiheit feierten, wurde Ellas Grab erneut geschändet! Dass dieses schreckliche Ereignis sich ausgerechnet zum CSD zugetragen hat, bestätigt die politische Dimension von Ellas Schicksal.

„Ich möchte ein gutes Leben anfangen“, sagte Ella ein paar Jahre vor ihrem Tod in einem Video. Einen Neuanfang, ein gutes Leben konnte Deutschland ihr nicht geben. Die Ruhe nach dem Tod aber anscheinend auch nicht. Das ist beschämend!

Bild: privat
L-MAG-Redakteurin Negin Behkam