Zweite Ausgabe

Jenseits des Binären: das Berliner Festival „Go Drag!“

28. Sept. 2022 Muri Darida/age
Bild: Femme Boyance
Femmeboyant

20 Jahre nach seiner Entstehung erwacht das Festival „go drag!“ zu neuem Leben. Neun Tage lang, vom 1. bis zum 9. Oktober, zelebriert es überall in der Stadt die Dragkunst von Frauen, Non-Binarys und trans* Personen in ihrer ganzen Vielfalt. Unsere Highlights

Im Jahr 2002 riefen Berliner Genderbending-Meister*in Bridge Markland und New Yorker Dragking-Pionierin Diane Torr das „go drag!“-Festival ins Leben. Die Idee: Dragkings eine große Bühne zu geben – in der beeindruckenden Kulisse des heute verschwundenen besetzten Kunsthauses Tacheles in Mitte. Internationale Dragperformer*innen wie Dréd Gerestant, Victoria Pickett und Priscilla Be kamen nach Berlin angereist und trafen dort lokale Größen wie die Kingz of Berlin. Das Festival, ein Novum in der damaligen Berliner Queer- und Lesbenszene, schrieb Geschichte.

Im Oktober wird das Festival zum zweiten Mal stattfinden, 20 Jahre nach seiner Entstehung. An der Seite von Bridge Markland stehen nun zwei junge Dragkünstler*innen aus Großbritannien: Nancy Lund und Olive Baldwin. „Ich habe Bridge zum ersten Mal in dem Film ,Venus Boyz’ gesehen“, sagt Nancy Lund im Gespräch mit SIEGESSÄULE. „Es war das erste Mal, dass ich jemanden Drag machen sah und das Gefühl hatte, wir haben die gleiche Intention, mit der wir das tun. Und ich dachte: Venus Boyz? Genialer Name.“ 2019 startete Nancy Lund dann die Berliner Dragkingshow „Venus Boys“ in der queeren Neuköllner Kneipe Silver Future. Bridge Markland hörte davon: „Bekannte haben mir damals von dieser tollen neuen Show erzählt und ich bin sofort hin”, sagt Bridge. „Nancy kam auf mich zu und hat geschrien: ,Royalty is in the house!’ Seitdem arbeiten wir gemeinsam.”

Bild: Manuela Schneider
Bridge Markland

Eröffnung

Das Festival, das das Trio nun gemeinsam organisiert, findet an verschiedenen Orten Berlins statt und deckt mehrere Formate ab: Es setzt sich aus Performances, Filmvorstellungen, Cabaret, Vorträgen, Workshops, Ausstellungen und Diskussionen zusammen. Eröffnet wird das Festival am 01.10. mit einem Screening der legendären Doku über Dragkings, „Venus Boyz“, im Kino Moviemento. Dann erfolgt das Grand Opening im Tipsy Bear u. a. mit der Vernissage der Fotoausstellung „Berlin Offstage“, einer Porträtserie von Berliner Performance-Künstler*innen, die die Fotografin Aja Jacques während der Pandemie in ihren Wohnungen besucht hat.

An den Abenden vom 03. bis 08.10. werden verschiedene Berliner und internationale Dragperformer*innen die Bühne des English Theatre Berlin erobern. Den Beginn macht am 03.10. „four by four”, eine Show mit vier kurzen Performances der Künstler*innen Very Confused, Buba Sababa, Zoé Gudovic und Duckie L‘Orange. Die letzte Show der Woche hier ist die Arbeit „Endangered Species” des Berliner QTBIPoC-Dragkollektivs House of Living Colors, das den Rückgang der Artenvielfalt infolge des Klimawandels thematisiert.

Bild: Kai_Heimberg
Buba Sababa

In der ufaFabrik präsentiert Bridge Markland am 02.10. ihre legendären kurzen Dragperformances und Cora Frost lässt am 05.10. dort ihr Alter Ego Peter Frost raus. Das Monster Ronson‘s beherbergt ebenso eine Reihe aufregender Shows, die mal Dragkings, mal Dragqueens, mal Dragperformer*innen, die jenseits des Binären arbeiten, in den Fokus nehmen.

Tunte, Dragking, Gender Performance

Parallel geben sechs Workshops in der Brotfabrik Einblicke in die Praxis von Drag-Performenden. Themen sind etwa Tunte, Clowning oder Gender Performance. Prince Emrah und Kaey geben am 03.10. Input über Communitybuilding und fokussieren sich dabei insbesondere auf transfeministische BIPoC-Räume. Am 05.10. werden die Dragkings Afro Disiac und Buba Sababa einen Workshop zum Thema Dragking halten, eine nach wie vor unterrepräsentierte Sparte im Drag. Der letzte Workshop zeigt am 07.10. verschiedene Methoden von Make-up mit den Künstler*innen Balabimbambum und Lau Perrea.

Bild: Afro Disiac
Afro Disiac

Auch Vorträge und Panels sind Teil des Programms: Festival-Mitinitiatorin Nancy Lund wird am 06.10. eine Kritik zu Drag im Mainstream in der Brotfabrik vorbringen, es folgen weitere Vorträge wie „king-ing the drag – drag-ing the king” von Initiator*in Bridge Markland in der AHA zum eigenen Werdegang. Mob B. Dick referiert am 09.10. zu Dragking History im Englischen Theater. Außerdem werden sich drei Panels mit Fragen wie Drag und Intersektionalität (05.10., English Theatre), rassifizierten und geschlechtlichen Zuschreibungen (07.10., Brotfabrik) und weiblichen und nicht binären Personen im Drag (08.10., AHA) beschäftigen.

Für den Abschluss des Festivals ist ab 22 Uhr die Closing-Party „Tranarchy“ in der Wilden Renate geplant. Dresscode: Drag, natürlich.

SIEGESSÄULE präsentiert
go drag!, 01.–09.10., verschiedene Locations

godrag.de

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