„Künstler Hilfe Jetzt!"

Lesbenaktivistin Mahide Lein: „Kultur ist kein Luxus!“

9. Nov. 2020 jano
Bild: Künstler Hilfe Jetzt!
zweite von links: Mahide Lein

Berliner Künstler*innen und Solo-Selbständige im Kulturbereich haben die Initiative „Künstler Hilfe Jetzt!“ gegründet, um der durch die Corona-Pandemie besonders bedrohten freien Kulturszene unter die Arme zu greifen. Im Fokus stehen Aktivitäten gegen die finanzielle Ungleichbehandlung von freischaffenden Künstler*innen bei den staatlichen Hilfen in der Coronakrise. Zu den Gründungsmitgliedern gehört auch Mahide Lein, Kulturvermittlerin und prägende Figur der Berliner Lesbenszene. Wir sprachen mit ihr über die Auswirkungen auf die Branche und die Forderungen der Initiative

Mahide, du arbeitest als selbständige Veranstalterin und Kulturvermittlerin. Welchen Herausforderungen musst du dich seit Beginn der Pandemie stellen? Ende Februar bekam ich, wie wir alle, einen kräftigen Schock. Alle Konzert- & Festival-Planungen wurden abgesagt: die AHOI-Bühne beim Kreuzberg-Festival, Karneval der Kulturen, Motzstrassen-Fest u.v.a. in Berlin. Auch internationale Konzert-Buchungen wurden storniert und Einreisen ausländischer Künstler*innen waren nicht mehr möglich. Als Person des öffentlichen Lebens war es mir wichtig einen kühlen Kopf zu bewahren. Unsere starke kreative multikulturelle und queere Community wurde auf die Probe gestellt. Es ging darum Lösungen im Chaos zu finden. Mabel Aschenneller vom TEDDY-Award e.V. der Berlinale lud mich im Sommer ein, bei der Initiative #KünstlerHilfeJetzt mitzumachen. Das gab mir Aufschwung etwas zu bewegen, wir organisierten einen Protestmarsch am 9. August und wurden Partner von #AlarmstufeRot.

Die freie Kulturszene ist besonders betroffen von den Auswirkungen der Pandemie. Welche aktuellen und zukünftigen Auswirkungen haben Lockdown und Co. auf die Branche insgesamt? Es ist ein Skandal! Die Politik fördert nur Mainstream und verweigert Ausfall-Entschädigungen für Freischaffende der gesamten Kulturbranche. Planungen sind nicht möglich: es gibt keine Zukunft und je länger die Aussichtslosigkeit anhält, umso stärker macht sich Depression in der Veranstaltungs-Szene breit. Wir brauchen Respekt! Kultur ist kein Luxus!

Du hast mit weiteren Kolleg*innen die Initiative „Künstler Hilfe Jetzt!“ ins Leben gerufen. Was sind eure Forderungen und welche Form von Support bietet ihr betroffenen Kulturschaffenden an? Anfang Oktober gründete die Künstler Hilfe Jetzt! den Selbsthilfe-Fonds Künstlerhilfe Foundation e.V. Wir fungieren als Dachorganisation für freischaffende Künstler*innen, sind Anlaufstelle für Fragen aller Art in der Krisen-Zeit, vermitteln Rechtsbeistand, leisten Hilfe beim Antragstellen, machen Lobbyarbeit und pflegen Kontakt mit zuständigen Verwaltungen und Interessen-Verbänden zur Erhaltung der kreativen Vielfalt. Finanziell wollen wir die Künstler*innen, die es am härtesten getroffen hat, unterstützen. Voraussetzung dafür ist, dass wir in einer breiten Öffentlichkeit bekannt werden und alle Menschen erreichen, die Kultur als „systemrelevant“ begreifen. Wenn wir jetzt nicht handeln, werden zigtausende von Kreativen in der Kulturbranche abgehängt und aussortiert.

Unter anderem fordert ihr ein sogenanntes „Existenzgeld“ für solo-selbständige Kulturschaffende. Während für etliche Wirtschaftszweige Corona-Konjunkturpakete realisiert werden, werdet ihr laut eigener Auskunft zur Grundsicherung an die Sozialämter verwiesen. Woher rührt diese Ungleichbehandlung? Sind Kunst und Kultur in den Augen der Politik nicht systemrelevant? Unser Land, dass sich „Land der Dichter & Denker“ nennt, unterteilt in systemrelevante und system-irrelevante Berufe. Doch die selbständigen Kulturarbeiter*innen umfassen 2 Millionen Menschen und erwirtschaften 130 Milliarden Euro Umsatz im Jahr. Wir haben studiert, sind ausgebildet, proben täglich, sind Arbeitgeber*innen, zahlen Steuern und werden jetzt der Existenzgrundlage beraubt, sind insolvenzbedroht. Geld ist im Übermaß vorhanden, wie es Herbert Grönemeyer deutlich in seinem Gastkommentar in der Zeit formuliert hat. Arbeitslosengeld & Grundsicherung ist keine Lösung, reicht nicht für unsere monatlichen Fixkosten und lässt Kunst aussterben. „Kunst wirft den Staub des Alltags von der Seele“ sagte jemand mal zutreffend. Der Staat muss dafür sorgen, dass wir nach Corona noch da sind, denn dann wollen alle Menschen wieder zu Konzerten, Lesungen, Theater etc. gehen.

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künstlerhilfejetzt.org

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