Kommentar

Lesbisches Selbstbewusstsein im TV: „Princess Charming“

1. Juni 2021 Karin Schupp
Bild: TV Now

Mit „Princess Charming" gibt es jetzt auch eine lesbische Kuppelshow im TV! Unsere Klatschreporterin Karin Schupp erklärt, warum aus der Sendung weit mehr als nur ein trashiges Reality-Format geworden ist

Na klar, wir wollen Gleichstellung und mehr Sichtbarkeit – aber haben wir damit auch „Princess Charming“ gemeint? Eine Villa auf Kreta, Feuerschalen am Pool, schmachtende Blicke, Küsse, Tränen und Eifersucht: Die Sendung, die seit letzter Woche beim RTL-Streamingdienst TVNOW zu sehen ist, und demnächst auch bei Vox ausgestrahlt wird, hat alle Zutaten, die wir aus Hetero-Kuppelshows kennen. Sie bejubelt sich selbst als weltweit erste lesbische Datingshow (was auch stimmt, wenn man von „For the Love of Boop“, einem New Yorker Low Budget-Format auf Youtube, absieht).

Die Begeisterung kann dennoch getrost ein wenig gebremst ausfallen: Immerhin sind ganze achtzehn Jahre seit dem Start von „The Bachelor“ und zwei Staffeln „Prince Charming“ an uns vorbeigezogen, bevor nun auch Lesben die große Liebe suchen dürfen. Und die Idee wurde sicherlich weniger aus emanzipatorischen Zielen heraus geboren, denn aus der typischen Strategie, ein Erfolgsrezept weiter zu melken. Zudem ließen die Reality-TV-Desaster der letzten Monate wie „Promis unter Palmen" Schlimmes befürchten.

Umso größer ist die Erleichterung nach zwei Folgen: Das weiblich dominierte Produktionsteam hat’s nicht vermasselt und liefert gutes Unterhaltungsfernsehen mit geringem Trashfaktor. Diesbezüglich wurde schon in Folge 1 demonstrativ ein Zeichen gesetzt, indem ein handgreiflicher Streit nicht gezeigt wurde und die beiden Beteiligten umgehend rausflogen.

Gut und vielseitig gecastet

Die „Princess“ Irina Schlauch, Anwältin aus Köln, und ihre 20 lesbischen, aber auch queeren und bisexuellen Bewerber*innen (eine nonbinäre Person ist ebenfalls dabei) sind gut und vielseitig gecastet. Natürlich sind sie genretypisch jung und hübsch, repräsentieren aber im Großen und Ganzen den lesbischen Szene-Style der unter 35-Jährigen, deutlich überrepräsentiert sind Berliner*innen, unterrepräsentiert sind People of Color.

„Ich bin lesbisch, da bin ich stolz drauf“

Die meisten scheinen dem Traum monogamer Zweisamkeit mit Heirat und Familiengründung nachzuhängen, aber so mainstreamig-spießig das einigen erscheinen mag: So viel lesbisches Selbstbewusstsein gab’s im deutschen Fernsehen noch nie. Allein das Wort „lesbisch“ fällt in der ersten Folge schon häufiger als im gesamten letzten TV-Jahr, und wann hört man dort schon mal Sätze wie: „Ich bin lesbisch, da bin ich stolz drauf“, „Ich will heteronormative Denkweisen auflösen“ oder „Ich lecke gut“? Ja, auch Lesbensex wurde bereits besprochen, ohne dass eine schlüpfrige Wichsvorlage für Heteromänner draus wurde.

Wer Reality-Shows ganz allgemein für schlimmen Trash hält, wird wohl auch bei „Princess Charming“ nicht einschalten – und muss es ja auch nicht. Aber wenn wir Sichtbarkeit und Gleichstellung wollen, müssen wir auch lesbisches Reality-TV aushalten. Das gilt jedoch nur, wenn RTL & Co. nach „Princess Charming“ nicht wieder zu Hetero-Business as usual zurückkehren. Soll heißen: Wir wollen in jedem TV-Genre und ohne großes Tamtam die unterschiedlichsten queeren Frauen sehen! Deshalb, liebe Sender, lasst „Princess Charming“ bitte nur das Startsignal sein!
Princess Charming, 2021, 9 Folgen + 1 Wiedersehensfolge, seit 25. Mai bei TVNOW, demnächst auch bei Vox – wöchentliche Recaps auf l-mag.de

Bild: TV Now / Rene Lohse
Princess Charming: Irina Schlauch

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