Neue Netflix-Serie „Soul Mate"

Boys Love in Berlin?

16. Mai 2026 Robin Schmerer
Bild: Netflix
Hayato Iomura und Taec-yeon Ok als stille Liebende in „Soul Mate“

Eine japanisch-koreanische Boys-Love-Story, die ihren Anfang in Berlin nimmt? Das hat durchaus Seltenheitswert, denn das Genre ist noch immer fest in Asien verankert. Das macht „Soul Mate“ so ungewöhnlich und spannend. Robin Schmerer hat die Serie für uns angeschaut

Das gefühlvolle BL-Drama „Soul Mate“, das seit diesem Donnerstag bei Netflix abrufbar ist, erzählt leise und bedächtig von der Seelenverwandtschaft zweier junger Männer und begleitet deren Leben über mehrere Jahre, Länder und Kontinente hinweg. In der achtteiligen japanischen Produktion verschlägt es Eishockey-Talent Ryu (Hayato Iomura) nach Berlin, wo er bei seiner Freundin Sumiko (Ai Hashimoto) unterkommt, in den Tag hineinlebt und eine Bekanntschaft macht, die sein Leben für immer verändert. Zahlreiche Szenen wurden in der Hauptstadt gedreht, etwa rund um die Regensburger Straße und den Viktoria-Luise-Platz. Auch der Berliner Dom wurde prominent in Szene gesetzt und war bereits vorab im Trailer zu sehen.

Bild: Netflix
Szene vorm Berliner Dom mit Ryu und Johan

Bilder aus Ryus Vergangenheit machen schnell klar, warum Ryu Japan fluchtartig verlassen hat. Sein bester Freund und Teamkollege hatte ihm seine Liebe gestanden, was Ryu überfordert, handlungsunfähig und stumm zurückgelassen hat. Als sein Kumpel daraufhin einen Selbstmordversuch unternimmt, wiegt die Schuld zu schwer und Ryu tritt die Flucht nach vorne an. Gut, dass seine Jugendfreundin in Berlin studiert und er auf diese Weise rund 12.600 Kilometer zwischen sich und seine Probleme bringen kann.

„Bei langen Spaziergängen entlang der Spree lernen sich die beiden besser kennen“

Kurzerhand nistet er sich in deren Wohnung in Charlottenburg ein. In der Hauptstadt lernt Ryu den Koreaner Johan (Taec-yeon Ok) kennen, der seinen Lebensunterhalt mit manipulierten Boxkämpfen bestreitet. Bei langen Spaziergängen entlang der Spree lernen sich die beiden besser kennen. Anfangs ahnen die jungen Männer noch nicht, dass aus ihrer zufälligen Begegnung eine innige Liebe und Seelenverwandtschaft wird, die ihr Leben nachhaltig prägen wird. Zumal die Zeit in Berlin nur von kurzer Dauer ist und beide planen, in ihre jeweiligen Heimatländer zurückzukehren.

Der Name ist Programm

Tatsächlich ist der Name der Serie Programm. In „Soul Mate“ geht es weniger um den körperlichen Aspekt von Liebe als vielmehr um kleine Gesten und große Gefühle. Blicke, Berührungen und Gefälligkeiten machen die gegenseitige Zuneigung von Ryu und Johan deutlich. Wer innige Küsse oder heiße Action im Schlafzimmer erwartet, der ist hier fehl am Platz. Ähnlich der Netflix-Serie „Zwei an einem Tag“ (mit dem unwiderstehlichen Leo Woodall) deckt „Soul Mate“ einen langen Handlungszeitraum ab und lässt uns so alle Höhen und Tiefen im Leben der beiden Männer miterleben. Zwar gehen sie zunächst wieder getrennte Wege, bleiben aber stets in Kontakt. Telefonate sowie kurze Besuche werden zu flüchtigen Glücksmomenten im Alltag. Während Japaner Ryu sich sozial engagiert und in der Altenpflege arbeitet, wartet auf den Koreaner Johan der obligatorische Militärdienst. Kulturelle Unterschiede sind nur eines der Themen in diesem leisen Drama.

In Korea wird Johan Zeuge eines homophoben Angriffs und schließlich in die Handgreiflichkeiten mit hineingezogen. Auf diese Weise wird er selbst zur Zielscheibe. Homophobie wird vornehmlich als gesellschaftliches Problem dargestellt. Freunde und Familie der beiden Männer akzeptieren deren inniges Verhältnis, ohne diesem einen Namen zu verpassen oder genauer nachzufragen. Auch sie selbst thematisieren ihre besondere Verbindung nie, nehmen sie vielmehr als schicksalhaft gegeben hin.

Das Prinzip der Wahlfamilie

Auch an dem mittlerweile gemeinsamen Freundeskreis der zwei Seelenverwandten geht das Leben nicht spurlos vorbei und ein großer Schicksalsschlag sorgt dafür, dass aus Freunden eine Wahlfamilie wird, die füreinander einsteht. Ob die japanische Gesellschaft mittlerweile wirklich so progressiv ist, wie die Serie uns glauben macht, sei dahingestellt. Wer sich auf das langsame (und für westliche Augen oft ungewohnte) Erzähltempo von „Soul Mate“ einlässt, wird mit einer überaus gefühlvollen Geschichte belohnt, die mit sensiblen Charakteren punktet und durchaus sehenswert ist. Denn wie hieß es schon in Natasha Bedingfields gleichnamigem Hit? „Who doesn't long for someone to hold / Who knows how to love you without being told?

Soul Mate, Japan 2026
Regie: Shunki Hashizume. Mit Hayato Iomura, Taec-yeon Ok, Ai Hashimoto u. a.
Jetzt bei Netflix zu streamen

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