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Bühne

Neue Sophiensæle: „Ein Ort für queerfeministische Perspektiven“

6. Dez. 2023 Ecki Ramón Weber/Kevin Clarke
Bild: Nathan Ishar
Szene aus Stef Van Looverens „Radical Hope – Eye to Eye“

Am 07.12. eröffnen die Sophiensæle unter dem Motto „Trust the Process“ mit Andrea Niederbucher und Jens Hillje als neuem Leitungsteam die Saison 23/24. Im Dezember gibt‘s eine Art Minifestival mit vielen LGBTIQ*-Künstler*innen. Danach geht es im Januar mit den Tanztagen weiter, bevor im Februar unter finanziell schwierigen Umständen die reguläre Spielzeit startet

Nach einer kurzen Gebäudesanierung beginnt jetzt eure erste Spielzeit. Worauf kann sich das Publikum besonders freuen? Jens Hillje: Es gibt etliche queere Perspektiven. Zum Beispiel zeigt Stef Van Looveren aus Antwerpen eine Arbeit über den Umgang mit Körpern und deren Modifikation, über Befreiung und Sichtbarkeit. Das ist ein wahnsinnig sinnliches Erlebnis.

Andrea Niederbuchner: Stef kommt aus der bildenden Kunst, macht Video Art. Er nutzt den Raum ganz anders, als man es im Theater gewohnt ist. Sein „Radical Hope – Eye to Eye“ ist eine begehbare Performance, die als Installation funktioniert, mit im Raum verteilten, sehr beeindruckenden Skulpturen in einer futuresken Farbigkeit und Opulenz. Dann wäre der syrisch-deutsche Performance-Künstler Enad Marouf zu nennen, der sich in „In My Hand Word“ aus queerer Perspektive mit Verlust und Erinnerung beschäftigt. Er hat dafür eine sehr poetische Sprache gefunden, verbindet Tanz mit Texten und Performance. Seine Arbeit ist auch skulptural, weil er intensiv mit Licht spielt.

Welche Schwerpunkte setzt ihr als Leitungsteam im weiteren Verlauf der Saison? Niederbuchner: Das Transdisziplinäre in den Künsten ist uns wichtig, Fluidität und „polyamouröse Beziehungen zwischen den Disziplinen“, wie sie Leyla Yenirce nennt, die beim Eröffnungsprogramm mit ihrer Noise-Performance „Code“ vertreten ist.

Hillje: Die Sophiensæle sind seit Langem ein Ort für queerfeministische Perspektiven. Das entwickeln wir weiter.

Niederbuchner: Gerade junge Künstler*innen gehen heute mit Queerness mit einem ganz anderen Selbstbewusstsein um. Zwar mit einer Vehemenz, aber nicht so eng oder streng in ihrem Denken wie Generationen vorher. Leyla ist ein gutes Beispiel dafür. Die Sophiensæle haben als Produktionsort eine lange Tradition in der Förderung des Nachwuchses. Damit verbunden sind auch die Tanztage Berlin, die im Januar wieder stattfinden, wo gerade auch junge Talente und Neues erlebt werden können, etwa Camila Malenchini und Rob Fordeyn. Malenchini queert den Faun aus dem berühmten Nijinsky-Ballett und Fordeyn tanzt in seinem Solo zu David Bowies „Absolute Beginners“. Oder Marga Alfeirão, die bei der letzten Festivalausgabe lesbisches Begehren mit einer sehr schönen Direktheit auf die Bühne brachte und nächstes Jahr ein neues Gruppenstück bei uns präsentieren wird.

„Wir haben vor allem Künstler*innen ausgesucht, die neue Zugänge schaffen, statt zu polarisieren."

In euren Ankündigungen ist von Widerständigkeit die Rede. Gleichzeitig sind alle Leute, die auftreten, durch staatliche Kunstförderung finanziert. Wie passt das zusammen? Hillje: Ich finde, der Staat schuldet uns etwas! Es gibt eine lange Diskriminierungs- und Verfolgungsgeschichte und Versuche, Queeres auszulöschen. Deshalb können wir durchaus Geld dafür fordern, dass wir unsere Arbeit für die Community machen und Künstler*innen und ihrem Publikum Räume erhalten. Das ist gerade jetzt sehr wichtig, weil es politisch und gesellschaftlich wirklich schwere und polarisierte Zeiten sind. Kunst und Kultur können Räume bieten, in denen sich die Leute verbinden, Hoffnung schöpfen, neue Energie bekommen, neue Gedanken mitnehmen, neue Perspektiven erleben und verstehen können. Das ist auch eine Arbeit an der Gesellschaft. Auch in queeren Bereichen zeichnen sich ja Polarisierungen ab …

Niederbuchner: Wir haben vor allem Künstler*innen ausgesucht, die neue Zugänge schaffen, die versuchen, mit Lust und Liebe auf die Leute zuzugehen, statt zu polarisieren.

Hillje: Ich finde, eine queere Perspektive kann nur darauf abzielen, alle zu befreien. Es ist ja nicht so, dass straighte Leute nicht unter Heteronormativität leiden. Die Künstler*innen, die wir bei unserem Eröffnungsprogramm haben, beziehen das mit ein. Sie geben etwas aus der Verarbeitung ihrer eigenen Erfahrungen weiter.

SIEGESSSÄULE präsentiert
Trust the Process, 07.12., 19:00
(Eröffnung im Festsaal), bis 17.12.,
Sophiensæle

sophiensaele.com

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