„No Mercy“ – Warum Frauen die brutaleren Filme drehen
Die queerfeministische Dokumentation „No Mercy“ von Filmemacherin Isa Willinger geht am 5. März in die Kinos. Darin sprechen 14 große Filmregisseur*innen aus aller Welt über ihre Filme und den Platz der Frauen vor und hinter der Kamera
Frauen machen die härteren Filme – so eine Theorie der ukrainischen Regisseurin Kira Muratova. Mit ihrem sensationellen feministischen Filmwerk hatte sich Filmemacherin Isa Willinger schon zuvor beschäftigt. Nun basiert ihre neue Doku „No Mercy“ auf dieser These und sie geht ihr ausgesprochen gründlich nach. 14 Filmschaffende wie Céline Sciamma, Alice Diop, Monika Treut, Joey Soloway, Nina Menkes, Valie Export, Catherine Breillat, Marzieh Meshkini, Virginie Despentes und andere besuchte Willinger und interviewte sie über die Darstellung von Sex, Macht, Gewalt und Geschlechterrollen in ihren Filmen. Das ist weltumspannend von Indonesien über Burkina Faso, Frankreich, Deutschland, den USA bis hin zu Iran.
Von einem „filmischen Befreiungsschlag“ ist in der Ankündigung die Rede. Befreiungsschläge waren allerdings eher die untersuchten Filme selbst. Hier haben wir es mit einer gründlich aufgearbeiteten Geschichte des queerfeministischen Kinos zu tun. Und mit den Ansprüchen der Filmschaffenden an den eigenen weiblichen, queeren, feministischen Blickwinkel. So erinnert sich Monika Treut an ihren bahnbrechenden Film „Verführung: Die grausame Frau“ (1985) über (nicht nur) lesbisches Begehren, was bis dahin so nicht gezeigt wurde: „Wir haben das umgedreht und versucht darzustellen, wie es aussieht, wenn eine Frau im totalen Selbstbewusstsein sich selbst inszeniert und Lust hat an der Dominanz über andere. Virginie Despentes berichtet von den heftigen Diskussionen um ihren skandalträchtigen Rape-and-Revenge-Film „Baise-moi“ aus dem Jahr 2000.
„Die Rolle der Frau im Kino ist traditionell sicherlich die eines Sexualobjektes. Und wenn eine Regisseurin sich darauf nicht einlässt, entsteht automatisch das Gefühl, der Film sei hart.“
Die schlausten und reflektiertesten Sätze kommen von der US-amerikanischen Filmemacherin Nina Menkes: „Ich denke, die Rolle der Frau im Kino war und ist traditionell sicherlich die eines Sexualobjektes. Und wenn eine Regisseurin sich darauf nicht einlässt, entsteht automatisch das Gefühl, der Film sei hart.“ Diese Doku ist eine Aufforderung, Filme anders zu machen, anders zu beurteilen und auch anders anzusehen.
„No Mercy“, D/Ö 2025
Regie: Isa Willinger
Mit Céline Sciamma, Alice Diop, Monika Treut, Joey Soloway, Nina Menkes,
ab 05.03. im Kino
Folge uns auf Instagram
#Dokumentarfilm#Filmemacher*innen#Filmgeschichte#Frauen im Film#Kino#No Mercy#queerfeministisches Kino