Ausstellungen, Eröffnungen, Performances

Queere Tipps zum Gallery und Sellerie Weekend Berlin

29. Apr. 2026 Matthias Kählert
Bild: Gallery Weekend | Dacian Groza
Courtesy Galeria Plan B Cluj, Berlin

Sowohl das Gallery Weekend, als auch das Sellerie Weekend stehen vor der Tür: Vom 30. April bis zum 3. Mai gibt es stadtweit hunderte Ausstellungen, Eröffnungen, Performances und Konzerte. Neben dem Programm des Gallery Weekend nutzt auch die Freie Szene das lange Wochenende, um lokale und experimentelle Positionen sichtbar zu machen

ChertLüdde

Die Schöneberger Galerie ChertLüdde zeigt eine neue Ausstellung von Petrit Halilaj ergänzend zur Präsentation „An Opera Out of Time“ im Hamburger Bahnhof, die noch bis zum 31. Mai zu sehen ist. Im Zentrum steht seine Oper „Syrigana“, die einen lokalen Mythos aus Halilajs Heimatregion im Kosovo aus einer queeren Perspektive neu erzählt. Ausgangspunkt der Schau ist ein Brandanschlag kurz vor der Premiere auf die Requisiten, vermutlich von serbischen Rechtsnationalisten verübt. Halilaj untersucht, wie Utopien durch Zusammenhalt und Resilienz trotz realer Gewalt fortbestehen können. Begleitet wird die Eröffnung am 1. Mai mit einem Live-Konzert um 19:00.

Petrit Halilaj: „Who does the earth belong to while painting the wind?!“
02.05. –25.07.26
ChertLüdde, Hauptstraße 18, Schöneberg
Vernissage: 01.05.26, 18:00, Live-Konzert um 19:00
gallery-weekend-berlin.de/chertluedde

Ebensperger

Im Rahmen des Gallery Weekend feiert die Galerie Ebensperger die Neueröffnung des Fichtebunkers in Kreuzberg mit „Remains“ von Künstler*in und Forscher*in Göksu Kunak. Das Ausstellungsprojekt macht Raum und Zeit zum Material: In einer Reihe von Performances transformieren etwa Pole-Dancer*innen und Kampfsportler*innen den Bunker über den Zeitraum vom 2. Mai bis 28. Juni. Den Auftakt bildet eine Performance im Rahmen der Vernissage am 1. Mai um 18:00, am 2. Mai folgt um 14:00 „The Void“.

Göksu Kunak: „Remains“
01.05.–28.06.
Ebensperger, Fichtestraße 6, Kreuzberg
Vernissage: 01.05., 18:00, mit Performance um 20:00, 02.05., 14:00, Performance, „The Void“
gallery-weekend-berlin.de/ebensperger

Bild: Göksu Kunak.
Das Ausstellungsprojekt „Remains“ von Künstler*in und Forscher*in Göksu Kunak

BQ Galerie

Das Werk Paul Hoeckers blieb lange unbeachtet, da seine Karriere abrupt beendet wurde, als seine Homosexualität Ende des 19. Jahrhunderts publik zu werden drohte. In der BQ Galerie präsentiert Philipp Gufler vom 1. Mai bis 4. Juli „Imitations of Paul“, eine künstlerische Auseinandersetzung mit Biografie und Werk des Malers, die Grenzen von Nachahmung und Identifikation auslotet. Parallel arbeitet Gufler diese Geschichte in der Forschungsgruppe Paul Hoecker auf und stellt am 2. Mai um 15:00 gemeinsam mit deren Mitgliedern die Publikation Spuren von Paul | Traces of Paul vor.

Philipp Gufler: „Imitations of Paul“
01.05.–04.07.26
BQ Galerie, Weydingerstraße 10, Mitte
Vernissage: 01.05., 18:00, Book-Launch am 02.05., 15:00
gallery-weekend-berlin.de/bq

Galerie Neu

Ein Spaziergang durch Mitte lohnt sich: Galerie Neu zeigt mit der Gruppenausstellung „Counter City“ eine Bandbreite spannender feministischer und queerer Positionen – unter anderem von Klara Lidén, Sophy Rickett, G. B. Jones und Pippa Garner –, die sich mit Widerständigkeit und der Frage beschäftigen, wie marginalisierte Gruppen sich den öffentlichen Raum zurückerobern können. Die Eröffnung findet am 1. Mai ab 18:00 statt, zu sehen ist die Ausstellung bis zum 4. Juli.

„Counter City“
01.05.– 04.07.26
Galerie Neu, Linienstraße 115 abc, Mitte
Vernissage: 01.05.26, 18:00
gallery-weekend-berlin.de/galerie-neu

Bild: Sophy Rickett
Sophy Rickett „Pissing Women Vauxhall Bridge 1995“

Sprüth Magers

In der Shop-Installation „Dominica Publishing, a temporary boutique“ von Martine Syms treffen Kunst, Merchandise und Publikationen aufeinander – und stehen zum Verkauf. Syms untersucht, wie Identität über Bilder, Sprache und Distribution entsteht und stellt gängige Vorstellungen von Authentizität und Repräsentation infrage. Sprüth Magers zeigt sie vom 1. bis 3. Mai.

Martine Syms: „Dominica Publishing, a temporary boutique“
01.05. –03.05.26
Sprüth Magers, Oranienburger Straße 18, Mitte
gallery-weekend-berlin.de/sprueth-magers

Klemm’s

Mit der Ausstellung „Works“ würdigt Klemm’s vom 2. Mai bis zum 6. Juni das Schaffen von Juan Pablo Echeverri. Der 2023 mit nur 43 Jahren verstorbene kolumbianische Multimediakünstler nutzte das Spiel mit queerer Identität, Parodie, Drag und Fashion, um Fragen nach sozialer und kultureller Zugehörigkeit und Ausschluss zu stellen. Heute entfaltet sich seine Vision eindringlich in obsessiv komponierten, kaleidoskopartigen Bildserien. Die Vernissage beginnt am 1. Mai um 18:00.

Juan Pablo Echeverri: „Works“
01.05.–06.06.26
Klemm’s, Leipziger Straße 58, Mitte
Vernissage: 01.05., 18:00
gallery-weekend-berlin.de/klemms

Bild: Juan Pablo Echeverri
Portraits von Juan Pablo Echeverri „Multi Lady“

Eigen + Art

Brett Charles Seiler bringt mit neuen Gemälden die gemischten Gefühle auf den Punkt, die sich in unverbindlichen Begegnungen ausdrücken können. Die Ausstellung „occasional lovers“ wird von Eigen + Art bis zum 20. Juni gezeigt. Vernissage ist am 1. Mai um 18:00.

Brett Charles Seiler: „occasional lovers“
01.05 –20.06.26
Eigen + Art, Auguststraße 26, Mitte
Vernissage: 01.05., 18:00
gallery-weekend-berlin.de/galerie-eigen-art

Hentrich & Shrivastava

Mit „3 Frauen, 3 mal Berlin“ versammelt die Galerie Hentrich & Shrivastava Arbeiten von Evelyn Kuwertz, Karoline Koeppel und Rachel Haase, die unterschiedliche Perspektiven auf die Stadt eröffnen. Die Ausstellung eröffnet mit einem Empfang am 30. April um um 18:00 und ist bis zum 6. Juni zu sehen. Berlin zeigt sich darin als Ort, in dem sich Fragen von Sichtbarkeit, Zugehörigkeit und Geschlechterrollen fortlaufend neu verhandeln.

Koeppel, Kuwertz, Haase: „3 Frauen, 3 mal Berlin“
01.05.–06.06.26
Galerie Hentrich & Shrivastava, Fasanenstraße 29, Charlottenburg
Vernissage: 30.4., 18:00
visitberlin.de/de/event/koeppel-kuwertz-haase-drei-frauen-drei-mal-berlin

Sellerie Weekend

Parallel zum Gallery Weekend hat sich das Sellerie Weekend als Plattform für die freie Kunstszene Berlins etabliert. Die Kurator*innengruppe des Aktionsraums Spoiler in Moabit, die das Projekt 2023 ins Leben rief, betont im Gespräch mit SIEGESSÄULE: „Das Schöne an der Projektraum-Szene ist für uns, dass sich dort unterschiedliche Szenen mischen und treffen können. Und das ist auch unser Hauptziel.“ Anders als klassische Galerien sind Projekträume nicht kommerziell ausgerichtet oder lehnen die Wettbewerbslogik gänzlich ab.

Entsprechend divers ist das Programm mit über 75 teilnehmenden Räumen. Mit dabei sind etwa das Kunst- und Community-Center Liebig12 in Friedrichshain, das zur Eröffnung Soundwalks und FLINTA+-Workshops anbietet und am 1. Mai in der Galiläakirche ein experimentelles Orchesterkonzert präsentiert. Im Kreuzberger Projektraum Crystal Ball läuft die Ausstellung „Make Wool not War!“, während die Residents des Künstlerhaus Bethanien am Samstag Performances zeigen und ihre Studios öffnen. Wer einen echten Einblick in die Vielfalt freie Szene bekommen möchte, sollte sich die Zeit nehmen, das Sellerie-Programm zu durchstöbern.

Bild: Sophia Süßmilch
Sophia Süßmilch „Selbstportrait als 70er-Jahre Feministin“ von 2020

Zur Auftaktveranstaltung am 30. April im Spoiler gibt es eine neue Performance von Sophia Süßmilch und ein Konzert von Gertie Adelaido. Los geht es um 18:00, anschließend kann bei einem DJ-Set des Duos Bamela Paywatch bis in die Nacht getanzt werden. Ein idealer Ausgangspunkt, um abseits der etablierten Wege in den Kunstrausch einzutauchen, sich treiben zu lassen, ins Gespräch zu kommen – und zu feiern.

Auftakt Sellerie Weekend
30.04.26, 20:00
Spoiler, Birkenstraße 1, Moabit
Sophia Süßmilch, Performance, 20:30
Gertie Adelaido, Konzert, 21:00
Bamela Paywatch, DJ-Set, 22:00
sellerie-weekend.de

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