Community-Laden in Kreuzberg

Queerer Sexshop kämpft ums Überleben: „Other Nature ist unser Baby!“

21. Jan. 2026 Interview: David Waltersbacher
Bild: Promo
Die Qual der Wahl im Toy-Regal von Other Nature

Der queerfeministische, umweltfreundliche und vegane Sexshop Other Nature kämpft um seine Existenz. Seit dem Umzug 2024 aus dem Bergmannkiez in die Yorckstr. 75 sind die Umsätze drastisch eingebrochen. Wir sprachen mit Maja und Lukas, die Teil der Leitung sind, über die Bedeutung des Ladens und Möglichkeiten, ihn zu unterstützen

Maja, Lukas, wofür steht das Other Nature für euch? Maja: Ich sehe Other Nature als politisches Projekt. Es ist unglaublich wichtig, solche Spaces aufrechtzuerhalten. Gerade gibt es einen politischen Richtungswechsel, wo wir Queers von allen Seiten unter Beschuss stehen. Die Community bedeutet uns alles. Das Projekt ist aus der Community entstanden: Wir sind Teil der Community.

Ihr seid 2024 vom Mehringdamm in die Yorckstraße gezogen. Wie geht es euch am neuen Standort? M: Die neuen Räume sind zwar besser geeignet für Workshops und ebenerdig, also barriereärmer. Dafür sind sie nicht mehr im Bergmannkiez, und obwohl es nicht mal zehn Minuten Fußweg vom alten Standort sind, kommen viel weniger Leute vorbei.

„Obwohl es nicht mal zehn Minuten Fußweg vom alten Standort sind, kommen viel weniger Leute vorbei.“

Aktuell machen euch finanzielle Probleme zu schaffen. Was hat es damit auf sich? Lukas: Im Verhältnis zu 2024 haben wir aktuell einen Umsatzeinbruch von 30, teilweise 50 Prozent. Für Maja, mich und mehrere im Team ist Other Nature unsere einzige Einnahmequelle. Wenn wir nicht so viel Herzblut und Überzeugung in das Projekt stecken würden, könnte man die GmbH einfach verkaufen, irgendeinen Investor finden und sagen: Ja, okay, abgehakt. Aber das geht für uns nicht, Other Nature ist unser Baby.

Wie geht ihr mit der finanziell schwierigen Situation um? L: Es ist natürlich eine Belastung für das Team. Dadurch, dass wir als Kollektiv aufgestellt sind, fühlen wir uns alle stark mit dem Projekt verbunden. Das ist nicht einfach irgendein Job, den man halt so macht und bei dem es einem egal ist, was damit passiert. Als Leitung wollen wir verhindern, dass das Team komplett ausbrennt. Wir machen öffentlich, wie unsere aktuelle Situation ist. Es gibt so viele Leute, die hinter uns stehen und seit Jahren zu uns kommen. Es gibt ein Bedürfnis, uns zu helfen. Das zeigt, wie wichtig dieser Ort ist.

„Es gibt so viele Leute, die hinter uns stehen und seit Jahren zu uns kommen. Das zeigt, wie wichtig dieser Ort ist.“

Other Nature ist ja nicht nur ein Betrieb, sondern auch ein Verein. Wie genau funktioniert das? M: Wir sind als sechsköpfiges Team kollektiv aufgestellt. Wir haben 2020 den Laden übernommen und in einen Kollektivbetrieb umgewandelt. Im Zuge dessen haben wir einen Verein gegründet, worüber wir unser Aufklärungs- und Workshops-Programm machen.

L: Es gibt keine persönlichen Gesellschafter*innen, die privat Anteile halten, und der Verein ist gemeinnützig. Das war uns wichtig.

Wie sieht euer Aufklärungs- und Workshop-Programm aus? M: Bondage ist sehr beliebt, das macht seit 14 Jahren die gleiche Person. „Dirty Talk“-Workshops haben wir auch, und zu Themen wie „Woher weiß ich, was ich will?“

L: Neben den Workshops bieten wir offene Gruppen an. Dort können sich Leute austauschen über Themen wie Polyamorie oder Perimenopause (Übergangsphase vor der Menopause, Anm. d. Red.). Mittlerweile machen wir sogar Speed-Dating-Events.

Ihr verkauft neben Sexspielzeug auch Gender-Affirming-Care-Produkte, wie Binder oder Tucking Panties. Wie kamt ihr dazu? M: Wir sind einer der wenigen Orte in Berlin, wo man Gender Expression Gear anprobieren kann. Trans* Menschen müssen sonst die Produkte ohne Anprobieren online bestellen. Für trans* Personen mit geringem Einkommen, Fluchtgeschichte oder Mehrfachmarginalisierung bieten wir finanzielle Unterstützung, das nennen wir „Gender-Ex-Fonds.“ Sie bekommen auf Vertrauensbasis Rabatte oder alles bezahlt – durch Spenden finanziert.

„Wir sind einer der wenigen Orte in Berlin, wo man Gender Expression Gear anprobieren kann. Trans* Menschen müssen sonst die Produkte ohne Anprobieren online bestellen.“

Wie kann euch die Community besser unterstützen? L: Das Wichtigste ist, Leuten weiter zu erzählen, dass wir hier sind. Auch außerhalb unserer Bubble: Wir sagen immer wieder, Other Nature ist für alle. Das bedeutet auch, dass wir uns super doll freuen, wenn auch weiße cis Menschen über 50 zu uns in den Laden kommen. Auf unserer Website gibt es die Möglichkeit, uns Geld ohne Gegenleistung zu schicken, oder Geschenkgutscheine zu kaufen. Jede Person kann gerne Flyer weiter verteilen und unsere Social-Media-Beiträge sharen, das kostet nichts. Auch positive Worte helfen schon.

Other Nature
Yorckstraße 75, 10965 Berlin
other-nature.de

Soli-Aktion: Strap-up, and save us!
other-nature.de/products/other-nature-soli

Folge uns auf Instagram

#Community#FLINTA*#Gender Expression Gear#Interview#Kreuzberg#Other Nature#Sexshop#Sextoys#TIN*#queerfeminstisch#sexpositiv#vegan

Das Siegessäule Logo
Das Branchenbuch mit Haltung
Queer. Divers. Überzeugend.