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Rechtssicherheit für Berliner Darkrooms

10. Jan. 2020 as/fs
Bild: test
Quälgeist

Zur Situation von sexpositiven Clubs und Darkrooms in Berlin fand gestern der zweite Runde Tisch im Rathaus Schöneberg statt. Die 2018 durch die Behörden geschlossenen Räume im Regenbogenkiez sind mittlerweile alle genehmigt

Im Rathaus Schöneberg fand gestern der zweite Runde Tisch zum Thema Darkrooms und sexpositive Clubs in Berlin statt, der zur Vernetzung und Kommunikation zwischen Clubbetreibenden und Vertreter*innen der Stadt dienen soll. Baustadtrat Jörn Oltmann und Bastian Finke von Maneo hatten den Runden Tisch initiiert, nachdem 2018 mehrere Darkrooms im Regenbogenkiez, u. a. in der Scheune und Tom´s Bar, durch die Behörden geschlossen worden waren.

„Steam Works“ und die Folgen

Als Grund wurden damals u. a. bauliche Verstöße gegen die Brandschutzvorschriften angegeben. Der Brand in der Sauna „Steam Works“ in 2017, bei dem drei Besucher zu Tode gekommen waren, hätte zu einer „besonderen Sensibilität bezüglich des Brandschutzes in Darkrooms“ geführt, wie Stadtrat Oltmann im Interview mit SIEGESSÄULE betonte. 

Alle zum Runden Tisch geladenen Locations seien nun „erstmals behördlich rechtssicher und genehmigt“ sagte Sebastian Walter, Sprecher für Antidiskriminierung und Queerpolitik der Grünen, gegenüber SIEGESSÄULE. Die Darkrooms von Tom‘s Bar und Scheune konnten bereits wiedereröffnen.

Spendenaufruf für Umbauten

Im Dezember habe laut Walter der Quälgeist als letzter Club seine Bau- und Nutzungsgenehmigung erhalten (SIEGESSÄULE berichtete). Der Location des BDSM-Vereins ist hatte unter anderem gedroht, seitens der Ämter als „Vergnügungsstätte“ eingestuft zu werden. Das hätte die Vorraussetzungen, um die Räume und Veranstaltungen weiter betreiben zu können, nochmals verschärft. Das sei zum Glück „vom Tisch“, sagt Felix vom Quälgeist-Team. Wenn alles gut läuft, könne man im Frühjahr wieder den Betrieb aufnehmen. Momentan ist der Verein noch mit den Umbauten beschäftigt, die nötig sind, um alle baurechtlichen Anforderungen zu erfüllen. Zur Finanzierung hatte sich der Quälgeist bereits im Herbst mit einem Spendenaufruf an die Community gewandt. Einiges sei schon zusammengekommen, sagt Felix. Weitere Spenden für den Umbau würden allerdings benötigt.

Im Moment geschlossen hat auch noch das Mutschmanns – allerdings wegen eines Umzugs in die Motzstraße. Dessen Darkroom soll, entgegen einiger Falschmeldungen, auch nie von einer behördlichen Schließung betroffen gewesen sein. Die Neueröffnung ist für Ende Januar geplant. 

Kontrollen mitten in der Nacht

Die behördlichen Kontrollen u. a. in der Scheune und im Ajpnia waren mitten in der Nacht und während des laufenden Betriebes erfolgt. Mehrere Polizeibeamte und Vertreter*innen des Ordnungsamtes drangen in die Räumlichkeiten ein und versiegelten die Darkrooms. In Presse und Community wurde dieses Vorgehen in der Folge als unangemessen kritisiert und den Verantwortlichen eine fehlende Sensibilität gegenüber queerer Verfolgungsgeschichte vorgeworfen. Polizeirazzien in queeren Clubs waren in Berlin noch bis in die 80er-Jahre hinein gängige Praxis.

#Schöneberg#schwul#queer#Quälgeist#darkroom#Mutschmanns#Scheune

Update 3. Feb. 2020

Im ersten Absatz des Textes stand fälschlicherweise, dass auch eine Schließung des Kellers im Ajpnia von den Behörden angeordnet wurde. Das ist nicht richtig. Im November 2018 waren die Vereinsräume des sexpositiven schwulen Clubs Ajpnia u. a. durch Beamt*innen der Berliner Polizei kontrolliert worden. Dieser in der Community stark kritisierte Einsatz hatte allerdings keine Schließung von Räumlichkeiten zur Folge. (SIEGESSÄULE berichtete) Die falsche Information steht auch in dem Kurztext „Dunkel ist o. k.“ in der aktuellen Februarausgabe der SIEGESSÄULE.